Das Blöde ist nicht weit

Am vergangenen Sonntag war in der „Krone Bunt“, der sonntäglichen Beilage zur „Kronen Zeitung“, in der Rubrik „Innovation“ ein Artikel über einen 3-D-Copyshop in Wien abgedruckt. Ganz interessant, so wußte ich beispielsweise noch nicht, daß es in Wien schon so einen Laden gibt und schon gar nicht, daß das Geschäft so gut läuft wie geschildert. Grundsätzlich also ein recht guter Artikel, leider konnte sich der Autor, ein Michael Pommer, einen unnötigen Ausritt nicht verkneifen:

Während er nämlich im Hauptartikel das Potential der 3-D-Drucker durchaus positiv bewertet, so gibt es daneben einen Infokasten den das Bild einer bedrohlich aussehenden Waffe ziert, Titel des Kasterls ist „Erste Schüsse mit der gedruckten Pistole“ und der Text beginnt mit dem schönen Satz „Und auch hier ist das Böse wieder einmal nicht sehr weit.

Die alte Geschichte, es geht dabei um die Möglichkeit auf 3-D-Druckern auch Waffen ausdrucken bzw. herstellen zu können, eine Vorstellung die den durchschnittlichen Journalisten bekanntlich zum baldigen Wechsel der Unterwäsche zwingt. „(…) jeder Hobby-Terrorist mit der richtigen technischen Ausrüstung [muß] nur noch auf Drucken klicken„, da die Anleitung ja schon im Internet steht, und schon ist der Weltfrieden schon wieder in etwas weitere Ferne gerückt.

Zwar wird eingeschränkt, daß solche Waffen „nicht zur dauerhaften Verwendung geeignet“ seien, für ein paar Schuß lange es aber „und das reicht ja leider oft.

Ja, das reicht, und zwar nicht oft sondern meistens. Was der Aufmerksamkeit des Reporters aber entgangen ist ist die Tatsache, daß kein Mensch auf dieser Welt einen 3-D-Drucker braucht, um illegal an eine Waffe zu gelangen: Man kann Waffen auch stehlen, auf dem Schwarzmarkt kaufen, mit etwas technischem Verständnis kann man sie sich auch (ohne irgendeinen Drucker) selbst bauen, wie etwa diese indische „zip gun“:

Quelle: Wikipedia

Man muß aber, wenn man Böses im Schilde führt, auch gar nicht auf eine Schußwaffe zurückgreifen: Die überwiegende Zahl der Opfer von Gewaltverbrechen ist durch Einwirkung von stumpfer oder spitzer Gewalt zu beklagen, besonders beliebt ist da der Sesselhaxn und das Küchenmesser, vor allem die Messer sind auch für sogenannte „Amokläufe“ durchaus zu gebrauchen – wie eine kurze Google-Suche beweist!

Könnte man jedenfalls beides ganz leicht im 3-D-Drucker herstellen, dafür würde sich aber kein sexy Infokasterl neben einem Zeitungsbericht ausgehen.

Die „Kronen Zeitung“ ist – gemessen an der Einwohnerzahl Österreichs – eine der weltweit erfolgreichten und reichweitenstärksten Zeitungen. Solchen unrecherchierten Schwachsinn sollte sie aber lieber bleiben lassen. Oder jemanden fragen, der sich auskennt. Mir fielen da ein paar ein.

Ansonsten kann man sich bei jeder „Krone“, die einem unter die Augen kommt denken: „Und auch hier ist das Blöde wieder einmal nicht sehr weit!“

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(bis Ende Februar 2014)

17 Antworten zu “Das Blöde ist nicht weit

  1. Pingback: Wochenrückblick 9/2014 | dagarser

  2. Vergangene Woche war ein ähnlicher Beitrag über 3-D-Drucker und ihre gefährlichen Produkte in der Jungen Freiheit (Berlin) abgedruckt.
    Natürlich habe ich einen entsprechenden Leserbrief vom Stapel gelassen. Aber obs was bewirkt? Denn wie heißt es so schön: Dummheit ist eine natürliche Begabung.

  3. Ja die Paranoiden Deppen sind nicht weit!

  4. ….ja, Information zu bekommen, ist zunehmend schwierig. Brauchbar ist da nur ein Mix von überall her – wer sich halt die Mühe macht.
    Das sind halt typische Blattfüller und jedes Waffen, Sex oder Verbrechensthema, läßt die Unterwäsche feucht werden und viele sabbeln sich dabei noch an – na ist ja herrlich und der Sonntag gerettet – Prost, aufs nexte Viertel….man muß eben situationsellastisch sein,,,,,

  5. Artikel raussuchen. Hinschreiben. Seufz. Warum machen einem diese Würschtln immer soviel Arbeit?

    • Raus isser der Leserbrief.
      Teilzitat

      Liebe Krone-Redaktion,

      Lese gerne bla, bla………….
      ……. Manchmal erfreulich, manchmal zum Schmunzeln.
      Am letzten Wochenende zum Fremdschämen. Sowas wie den Artikel über den 3D Copyshop hätte ich in der BILD erwartet, aber nicht in der Krone.
      Ich kenne die Lehrinhalte eines Journalismusstudiums nicht, aber Logik scheint nicht dazu zu gehören. Wo bekommt der Waffenkopierer die Munition her? Vom Schwarzmarkt? Warum dann nicht gleich die Waffe auch dort kaufen?…………………………………………….
      BTW sind solche Druckerwaffen für den Schützen genau so gefährlich wie für das Opfer. Niemand kann sagen, ob sie den ersten Schuß überstehen.
      „Das Böse“ ! Doktor Freud hatte etwas zu Leuten zu sagen, die unbelebten Gegenständen persönliche Eigenschaften zubilligen. Nun will ich Ihrem Mitarbeiter nicht mangelnde sexuelle Reife unterstellen. Nur unbedachte Wortwahl……………………………………“………………
      Fragen’s doch nächstes Mal wen, der was davon versteht. Zum Beispiel die IWÖ. Dann blamieren Sie sich nicht, vor Tausenden Ihrer Leser.

      Mit freundlichen Grüßen

      Ach ja den Malmstrudelschrieb und die Aufgabebestätigung, hab ich wohl versoffen.

  6. Ach, diese Sau wird bei uns in Deutschland auch durch’s Dorf getrieben, bereits Mitte letzten Jahres habe ich etwas dazu schreiben müssen. Und was übrigens ALLE bisher bei der Diskussion gerne vergesse:

    „[…] Wer sich eine 3D Waffe druckt, steht danach vor dem Problem sich illegal Munition besorgen zu müssen, wenn er oder sie denn tatsächlich das Risiko eingehen möchte damit zu schießen. Die rhetorische Frage ist nun: Wird jemand, der sich illegal Munition besorgen kann, überhaupt auf die Idee kommen einen 3D Drucker für über 1.000 € zu kaufen, um dann eine Pistole zu drucken, die ihm beim Schießen um die Ohren fliegt, oder greift er doch lieber zum beliebten Ostblock Export-Schlager Namens Makarov für 150 bis 300 Euro, die er sich unregistriert und illegal samt Munition “hinter dem Bahnhof” besorgt?“

    http://german-rifle-association.de/medienluegen-3-gefaehrliche-waffen-aus-dem-3d-drucker/

    Gruß,
    Marc

  7. Dabei könnte es sich gerade die Krone leisten,gegen den „Mainstream“ zu schreiben und sich dabei positiv von der tendenziösen Berichterstattung (z.B. ORF) abzuheben. Es bedarf nur einer fairen und objektiven Berichterstattung.Natürlich erst nach einer gründlichen und gewissenhaften Recherche.

    • Zu: „Natürlich erst nach einer gründlichen und gewissenhaften Recherche.“

      Das ist doch denen viel zu zeitaufwändig! Je schreierischer, desto besser!
      Wahrheitsgehalt – uninteressant! Gute Recherche – Pha! Weshalb die Mühe? Die blöden Leser glauben doch so auch alles!

  8. Sensationshascherei verkauft sich halt gut!
    Journaillie und Politik sind Geschwister im Geiste.
    Man schreibt und erzählt Sachen von denen man 0 (NULL) Ahnung hat.
    Unfähigkeit „par excellence.“
    Beweis sind dann immer sogenannte „Experten!“ 🙂
    Die dann meist selber keine Ahnung haben.
    Österreich ist mit der „Krone“ bestraft.
    Deutschland mit der „BILD“ und „Express.“
    Ausgleich des Ignorantentums, gewissermassen.
    Es grüßt, MG45LC

  9. Pingback: Das Blöde ist nicht weit | GunNews

  10. Wie ich schon einige Male bemerkt habe. Es ist nichts so blöd, daß es nicht durch noch Blöderes überboten werde kann! Wir leben im Zeitalter der Blödheit! Ich will da jetzt nicht näher darauf eingehen, sonst habe ich noch den Kadi am Hals!
    Und die Kronen Zeitung ist leider schon lange nicht mehr das, was sie einmal war!!! Was kann man eigentlich noch lesen??? Woher kann man sich noch Nachrichten holen? Vom ORF? Um Gottes willen!!!

    • Wahre Worte, die Krone und der ORF haben eben eine starke linke Schlagseite, da ist so was möglich, von einem großen Teil gelesen- und leider auch geglaubt…

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