Der abgebrochene Diskurs

2 Monate ist es her, daß die deutsche Waffenzeitschrift „VISIER“ in ihrem Editorial einen meiner hier erschienenen Artikel scharf kritisiert und mir eine „sich nach außen selbst diskreditierende Vorstellung vor dem ‚eigenen‘ Publikum“ vorgeworfen hat. Das wollte ich so nicht stehenlassen und habe einen Antwortbrief an „VISIER“ geschrieben, dieser wurde jetzt in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift abgedruckt.

Der Brief wurde nicht vollständig wiedergegeben, darauf wird aber durch Auslassungspunkte und einen eigenen Hinweis aufmerksam gemacht – soweit also völlig korrekt. Was aber ausgelassen wurde ist auch irgendwie bezeichnend, doch dazu komme ich gleich. Zunächst möchte ich meinen Lesern aber die Antwort des stv. Chefredakteurs des „VISIER“, Andreas Wilhelmus, nicht vorenthalten:

Werter Herr Temple-Murray,

Ihr Schreiben zeigt mir, dass Sie leider meine Intention nicht verstanden haben. Mir geht es in erster Linie um die (gemeinsame) Sache und nicht darum, sich mit dem Eröffnen von immer neuen Nebenkriegsschauplätzen im eigenen Lager gegenseitig anzugreifen und zu verzetteln. Und genau aus diesem Grund werden Sie sicher nachvollziehen können, dass ich hier kein weiteres solches Szenario aufmachen möchte und damit unseren Diskurs hiermit abbreche.

Gut. Das ist eine Sichtweise, diese ist zu respektieren. Meine Zustimmung findet das aber dennoch nicht, und zwar aus mehrerlei Gründen:

  • Ich fürchte, die Intention habe ich wohl verstanden. Hier sollte ein „unbotmäßiger“ Kritiker ermahnt und „abgestraft“ werden, wer das seinerzeitige Editorial des „VISIER“ gelesen hat weiß, daß man dort die von mir kritisierten Beschwichtigungen nicht inhaltlich thematisiert hat, sondern vielmehr meine Anprangerung dieser Zustände taxfrei als „Bashing-Aktion“ verunglimpft wurde.
  • Auch sind die von mir thematisierten Mißstände leider Gottes keine Nebenkriegsschauplätze, allemal sie wären es! Leider gibt es Gestalten, die den Anliegen der legalen Waffenbesitzer mehr schaden als nutzen – ich gehöre nicht dazu, nehme mir aber das Recht heraus solche Umtriebe zu kritisieren.
  • Inwieweit man in diesem Zusammenhang noch vom eigenen Lager sprechen kann sei dahingestellt.
  • Ganz ehrlich: Ich kann irgendwie nachvollziehen, daß Herr Wilhelmus unseren Diskurs abbricht. Nur hätte ich einen solchen einmaligen Meinungsaustausch nie im Leben als „Diskurs“ bezeichnet, dazu gehörte meiner Meinung nach ein interessiertes Eingehen auf die Position des Gegenübers, sowie eine klare Darlegung der eigenen Intention(en). Ich meine, daß ich mit meinem Schreiben vom 3. Februar (Link s.o.) diese Voraussetzungen erfüllt habe, während das „VISIER“ das – mit Ausnahme des Abdrucks meines Leserbriefs – schuldig geblieben ist.

Ich empfinde also diese kurze Stellungnahme von Herrn Wilhelmus als mehr denn dürftig, da beim Editorial des „VISIER“ 2/2014 noch wesentlich mehr „Energie“ hinter dieser Angelegenheit steckte. Wäre ich bösartig oder argwöhnisch – was ich natürlich nicht bin – könnte ich vermuten, daß es bei dieser halbherzigen Antwort keinen passenden „Einflüsterer“ gegeben hat.

So bösartig und argwöhnisch bin ich aber schon, die Auslassungen in meinem abgedruckten Leserbrief genau anzusehen, hier ein paar Kommentare dazu:

  • (…) Ich hatte freilich nicht damit gerechnet mit vollem Namen und genauer Blogadresse im VISIER aufzuscheinen, schon gar nicht auf „Seite 3“, und eigentlich sollte ich mich ja darüber freuen, schon alleine der Gratiswerbung wegen. (…) Ist OK, kann man ohne Bedenken streichen. Kein direkter Sachbezug.
  • (…) denn darauf läuft diese ganze leidige Initiative der Frau Malmström ja eindeutig hinaus, ganz gleichgültig was ihre Büttel Perignon und Marini dem FWR für einen Bären aufgebunden haben! Wahrscheinlich ist dieses Gespräch aber – wie seinerzeit jenes mit dem Innenminister von Baden Württemberg, Reinhold Gall – „in äußerst sachlicher und sehr guter Atmosphäre“ verlaufen. Da war doch was? (…) Das wurde von mir – ganz bewußt! – polemisch dargestellt. Ist aber die Malmström’sche Initiative etwa nicht „leidig“? Ist es falsch, an frühere „Fehlleistungen“ wie die „Gall-Geschichte“ zu erinnern? Ist das nicht im Grunde genommen eine sinnentstellende Kürzung?
  • (…) die Zeit der Beschwichtigungen ist angesichts der neuen Bedrohungen des legalen Waffenbesitzes durch die Brüsseler Waffenverbotsphantasten endgültig vorbei! (…) Ein ganz elementarer (Halb-)Satz, den wegzulassen zeugt deutlich von Unwillen, berechtigte Befürchtungen zur Kenntnis zu nehmen bzw. diese gelten zu lassen.
  • (…) Die von Ihnen geforderte „positive Darstellung in der breiten Öffentlichkeit“ ist zweifelsohne wichtig, aber nicht so wichtig um darüber das Ziel, also den Erhalt des legalen Waffenbesitzes für uns alle, aus den Augen zu verlieren beziehungsweise de facto aufzugeben! Auch erhebt sich in diesem Zusammenhang für mich die Frage, wie man die Beschwichtigungspolitik des FWR „positiv darstellen“ sollte – wo das doch jedem Instinkt und jeder einschlägigen Erfahrung diametral entgegensteht. (…) Darauf wollte man ganz offensichtlich nicht eingehen. Schade, in meinen Augen eine ganz entscheidende Frage!
  • (…) Aus Ihrem Editorial lese ich ganz klar heraus, daß Sie in dieser Angelegenheit anderer Ansicht sind als ich (und, nebenbei bemerkt, zahlreiche meiner Leser, viele davon aus Deutschland), das ist natürlich legitim und das respektiere ich auch. Ob das aber nicht vielleicht auch eine „sich selbst diskreditierende Vorstellung vor dem ‚eigenen‘ Publikum“ darstellt überlasse ich Ihrer Interpretation. (…) Und darauf hätte ich wirklich gerne eine Antwort gehabt! Ich habe auf das damalige Editorial des „VISIER“ zahlreiche Reaktionen erhalten, es waren auch wenig schmeichelhafte dabei. Aber nicht für mich …

Nun gut – somit ist auch für mich der „Diskurs abgebrochen“. Roma locuta, causa finita.

 

15 Antworten zu “Der abgebrochene Diskurs

  1. Pingback: Wochenrückblick 13-14/2014 | dagarser

  2. Ein Rückblick: Was ist denn passiert?
    Frau Malmström kündigt die Entwaffnung der legalen Waffenbesitzer in der EU an.
    Darauf Intervention, wo beschwichtigt wird.
    Die Leute, die uns (oder halt einige vertreten) schlucken das gehorsam und verkünden das als Erfolg.
    Einige regen sich auf (darunter auch der dagarser) und zwar mit Recht
    Daraufhin Streiterei unter den Vertretern der legalen Waffenbesitzer, Frau Malmström freut sich und lacht sich ins Fäustchen.
    Wieder hat die EU gewonnen.
    Aber im Mai sind Wahlen, so sicher wäre ich mir daher nicht.

  3. werde auch die anderen Zeitschriften aus dem Parey-Verlag aufkündigen – Fisch & Fang, Raubfisch, WuH

  4. Ernest Wimmer

    Bin auch etwas von der Visier-Linie (offizielle?) enttäuscht,aber da mir die Artikeln gut gefallen,werde ich zur Zeit noch das ABO,genau so wie die ABOs von caliber und DWJ,weiterhin aufrechterhalten,da ich die Hoffnung auf eine konzertierte Aktion für unser Anliegen seitens aller Betroffener noch nicht aufgegeben habe!

  5. Ich habe das nicht mitbekommen. Denn die letzte Nummer von Visier, habe ich nicht mehr gekauft. Da bin ich in guter Gesellschaft: Tecumseh, A. Zeliska, Semper Fidelis, Sakia…….. Ich glaube nicht, daß der resultierende Leserschwund für Visier spürbar sein wird.
    Aber warten wir ab.

    • Zu: „…Ich glaube nicht, daß der resultierende Leserschwund für Visier spürbar sein wird. …“

      Sicher nicht, aber wir setzen damit ein Zeichen!
      Bravo glockzilla und allen anderen, die ebenso denken!!!

  6. Ich kann einfach nicht verstehen wie so viele von uns Deutschen mit solchen Scheuklappen umherschreiten können?
    Kann mir einer meiner Landsleute das mal erklären.
    Den legalen Waffenbesitz werden wir nicht mit den Bedürfnissen „Sport oder Jagd“ für die Zukunft erhalten können.

  7. Jetzt benutzt die Visier auch schon das linksgrüne Neusprech und wirft dem Gegenüber vor etwas „nicht verstanden“ zu haben?
    Auch gut, wollte das Käseblatt eigentlich mal abonnieren, aber die Kohle investiere ich lieber in 30-06.

  8. Reiner Schwarz

    Welcher Diskurs? Man zerrt jemanden, der in seinen Kreisen seine Meinung sagt, an die Öffentlichkeit und kritisiert ihn. Wenn er dann darauf reagiert, bietet man ihm großzügig ein gekürztes Stück Plattform und sagt dann noch: „Mit Dir rede ich gar nicht“.
    Bei uns in D gibt es ein Fachblatt für sowas namens „Bild“. Die sind darin aber besser, da sie den Leuten überhaupt keine Plattform geben.
    Die Zeitschrift sollte ihren Namen den kleinen Zusatz „Wir haben euch im“ geben. Dann machen sie wenigstens als Satiereblatt was her.
    Diskurs.. schon lustig, oder?

  9. Bin ganz Ihrer Meinung:“Diskurs abgebrochen“.Die Zeitschrift
    „Visier“ ist sowieso nicht das Gelbe vom Ei. Da lese ich lieber
    das „DWJ“.

  10. Pingback: Der abgebrochene Diskurs | GunNews

  11. Genau das, was Brüssel haben möchte. Uneinigkeit unter den legalen Waffenbesitzern und kein echter Widerstand gegen die Entwaffnungspläne der EU. In den USA würde sich keiner das trauen.

  12. „Rom hat gesprochen…“. Gut so!
    Für mich ist Visier sowieso erledigt! Es gibt bessere Zeitschriften! Wie hat sich eigentlich das DWJ in dieser Angelegenheit verhalten?

    • Das DWJ ist jägerorientiert, es ist da also auch keine eindeutige Stellungnahme herauszulesen.
      „caliber“ ist aus meiner Sicht noch „wehrhaft“.

Hinterlassen Sie einen Kommentar!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s