Von Schlappschwänzen und gefährlichen Orten

Vor knapp 2 Wochen habe ich hier von dem Schußwaffenattentat auf der US-amerikanischen Militärbasis Fort Hood berichtet, je ein Überlebender und ein Heuchler sind dabei zu Wort gekommen und für mich bestand – und besteht – kein Zweifel, wer da die besseren Argumente hatte. Natürlich bin ich auch immer an den Lesermeinungen zu meinen Artikeln interessiert, auch und besonders wenn diese sich von meinem Standpunkt unterscheiden; auf zwei solcher Meinungen zu besagtem Artikel möchte ich heute kurz eingehen:

„Die Überlebenden und die Heuchler“ wurde nicht nur hier veröffentlicht, auch als Gastbeitrag bei Georg Zakrajseks „Querschüssen“ ist das erschienen und darüber habe ich mich sehr gefreut. Georg hat mir dann ein Lesermail weitergeleitet, der Mann war mit dem Artikel gar nicht einverstanden und hat das auch sehr gut begründet: Ein Soldat, ganz zu schweigen von einer ganzen Gruppe solcher – ausgebildeter – Personen sollte doch angesichts eines einzelnen bewaffneten Angreifers mehr zuwege bringen, als sich auf den Boden zu legen und aufs Sterben zu warten. Dazu ein Zitat aus dieser Lesermeinung:

(…) Wenn eine Gruppe Soldaten (!) nicht genug Arsch in der Hose hat, einen mit einer simplen Pistole bewaffneten zu stoppen, dann kann mit Fug und Recht davon ausgegangen werden, daß sie sich auch in einem ernsthaften Konflikt in die Hose scheissen. In den – zivilen – Kreisen, in denen ich waffen- und selbstverteidigungstechnisch verkehre, flögen einem solchen Attentäter haufenweise Gegenstände aller wurftauglichen Art entgegen, bis man ihn entweder entwaffnen könnte oder er von einem Stuhl o.ä. erschlagen wäre. Deren taugliche Mittel gibt es in nahezu jedem Raum genug. (…)

Was soll ich dazu sagen? – Ganz einfach: Das stimmt natürlich vollinhaltlich, gerade von Soldaten sollte man eigentlich schon erwarten können, daß sie im Häuserkampf ausgebildet sind und auch in Positionen taktischer Unterlegenheit versuchen, einen Ausweg zu finden. Improvise – Adapt – Overcome, nicht umsonst ein Wahlspruch der US-Marines, wer den großartigen Film „Heartbreak Ridge“ mit Clint Eastwood (im Original) gesehen hat kann sich an diese drei Worte – mit rauchiger Stimme vorgetragen – sicherlich gut erinnern. Wer den Film nicht kennt – hier  ein Ausschnitt, das Zitat kommt nach ca. 20 Sekunden:

Nach diesem kurzen Ausflug in die Cineastik: Diese Argumentation kann ich also nachvollziehen, der Leser hat aber doch erkannt, was in meinen Augen die wichtigste Aussage war, ich zitiere weiter:

(…) Daß es aus taktischen Gründen sinnvoll ist, so zu jammern wie der Ex-MP,  ist eine andere Sache, und der stimme ich dann wieder zu. (…)

Ich weiß nicht recht, ob mir dazu das Wort „taktisch“ eingefallen wäre, aber das ist im Grunde genommen nebensächlich: Der Mann hat „gejammert“, er hatte Grund dazu und er hat Publikum gefunden. Er war bei dem Attentat dabei und ist der – sicherlich nicht irrigen – Ansicht, daß er sich mit Waffengewalt am zweckmäßigsten gegen den Angriff des Verbrechers hätte wehren können. Auch muß klar sein, daß auf einer Militärbasis von der Größe Fort Hoods nicht nur Soldaten, sondern auch deren Angehörige sowie zivile Angestellte aufhältig sind. Nein, ich bleibe dabei, 1st Lt. Cook hat zum richtigen Zeitpunkt das Richtige gesagt. Wenn nicht für sich selbst, dann für andere. Das erkenne ich an, darauf kommt es auch an!

Die zweite Lesermeinung, auf die ich heute eingehen möchte, wurde nicht direkt an mich herangetragen, sondern ich wurde von einem anderen Leser (vielen Dank dafür!) darauf aufmerksam gemacht: Dieser Beitrag wurde nämlich auch im deutschen GunBoard-Forum diskutiert, ein Poster hat sich dort an meiner Formulierung, wonach es „auf der Welt keine gefährlicheren Orte als jene, an denen es den Menschen verboten ist zu ihrem Schutz Waffen zu tragen“ gebe, gestoßen. Auch hier will ich zitieren:

(…) Ich sags ja immer wieder: Der Z. ist nicht ganz klar im Kopf. Leider zieht R.T-M nun auch ganz gut nach und legt die Realtität beiseite. Die „Gun Free Zones“ nannte er kürzlich „gefährlichsten Orte“ der Welt. Einer faktenbasierten, mit Statistik belegter Diskussion hat er sich nach anfänglicher Empörung einfach schmollend entzogen. (…)

Nun ja. „Der Z.“ ist meiner Wahrnehmung nach doch noch recht „klar im Kopf“, ich selbst fühle auch noch nicht die dringende Notwendigkeit mich sicherheitshalber selbst einweisen zu lassen. Ich kann mich ehrlich gesagt auch an keine „faktenbasierte, mit Statistik belegte Diskussion“ erinnern, der ich mich „schmollend entzogen“ hätte – da wäre ich für konkrete Hinweise aber recht dankbar! (Kann man übrigens gleich hier im Kommentarbereich anbringen, dann muß ich auf derartige Anwürfe nicht extra aufmerksam gemacht werden!)

Der guten Ordnung halber will ich jedoch auch darauf eingehen: Ja, in dieser Welt, in jener also, in der die überwiegende Mehrzahl der Leser dieser Seite lebt, gibt es keine gefährlicheren Orte als jene, an denen es den Menschen verboten ist zu ihrem Schutz Waffen zu tragen! Da interessieren mich Verweise auf die „gefährlichsten Städte der Welt“ herzlich wenig, die Nennung von Mogadischu, Grosny oder Bagdad (etc.) mag statistisch mehr oder weniger wertvoll sein, ändert aber an den konkreten Bedrohungen für “gun-free zones“ hier, in der westlichen Zivilisation, rein gar nichts. Hart formuliert: Die „Wilden“ sind nicht mein Problem!

Um es also verständlicher zu machen: Es gibt auf der in unserer Welt keine gefährlicheren Orte als jene, an denen es den Menschen verboten ist zu ihrem Schutz Waffen zu tragen. Denn es bleibt dabei, ich wiederhole mich gerne:

Wo finden denn die sogenannten “Amokläufe”, die ja in Wahrheit nichts anderes als sorgsam geplante Attentate sind, statt? Auf einem Schießplatz? Einem Polizeirevier? Oder suchen sich die Verbrecher für ihre schrecklichen Taten nicht viel eher jene Orte aus, an denen sie mit keiner Gegenwehr rechnen müssen – Schulen, Amtsgebäude oder sonstige, von verirrten, weltfremden Politikern zu “gun-free zones” erklärte, Bereiche? In Wahrheit ist es ja so, daß gerade solche waffenfreien Zonen geradezu eine Einladung an verrückte Attentäter darstellen – die halten sich nämlich, im Gegensatz zu ihren Opfern, nicht an solche Verbote!

Warum gibt es da keine „statistisch untermauerten“ Widerworte?

14 Antworten zu “Von Schlappschwänzen und gefährlichen Orten

  1. Pingback: Wochenrückblick 17-18/2014 | dagarser

  2. Nun verstehe ich den abgebrochen „Visierschlagabtausch“ besser. dagarser hält sich nicht gern an Fakten. Die entzogene Diskussion fand auf Facebook statt und die voll bewaffneten Krisenregionen der Welt bringen nachweislich immer noch eine Vielfaches an Toten hervor.
    Auch hier Faktenblindheit.
    Felix Austria? Wohl vorbei.

    • Siehe oben die letzten Absätze. Verständnisbereitschaft hilft.

    • Werter Doppeltony,

      natürlich kann man anderer Meinung sein. Die Diskussion auf Gunboard verlief auch weitgehend zivilisiert und vernünftig. Die im Facebook kann ich nicht beurteilen, von dort halte ich mich fern.
      Ausgewiesene Fachleute wie Lott und Praktiker wie Noble unterstützen die Prävention und potentielle Gegenwehr durch Bewaffnung. Was entgegnen sie denen?

  3. Ich kann nur dasselbe wie dagarser schreiben :
    Treffend formuliert!

  4. Objection, your honor! (Klingt irgendwie besser als Herr Rat)
    Ich kenne den Beruf des Leserbriefschreibers und seine Qualifikation nicht, aber was er über das US Militär weiß, paßt vermutlich auf die Rückseite eines Streichholzheftchens. Abgesehen davon, daß die Soldaten in jenem Raum großteils Spezialisten im beladen von Flugzeugen waren, d.h. Systemerhalter und nicht kämpfende Truppe, wird in einer solchen Situation (Active Shooter) in allen DoD oder DoS Einrichtungen, ein „Duck and Cover“ Alarm ausgelöst. Das entspricht dem Befehl: Weg vom den Fenstern, Deckung nehmen! Soldaten befolgen im Allgemeinen Befehle. Man mag später über die Sinnhaftigkeit streiten, aber ich gehe davon aus, daß bekannt ist, daß beim Militär ein Befehl nicht als Diskussionsgrundlage durchgeht.
    Prinzipiell wäre es wohl keine schlechte Idee Stammpersonal zu bewaffnen und dann auch speziell zu qualifizieren, sonst nutzt es Nüsse. Allerdings müßte man dann auch die SOPs ändern. Nach derzeitigem Stand würde das QRT drastisch reagieren, sobald es in einem solchen Szenario einer Person mit Waffe ansichtig wird. Soll heißen, eine Form von Kennzeichnung wäre nötig.
    Über das Bewerfen eines Schützen der sich tw. im Fahrzeug und später zu Fuß auf freien Flächen bewegt hat, mit diversem Inventar, schweigt des Dichters Höflichkeit.
    Ach ja „Heartbreak Ridge“ ist erstklassige Unterhaltung und Clint Eastwood mimt einen überzeugenden Gunny. Der Rest………..

  5. Wieso müssen die ORF -Menschinnen und Menschen,wenn sie Nachrichten verlesen,bei Mord und Totschlag oder auch nur bei einem Unfall(womöglich noch mit Schußwaffe!!) so belämmert-betroffen d`reinschauen?Vorwurfsvoll auch noch-manchmal..Glauben die wirklich,daß man/frau nur Gutes zu berichten hat?Realitätsverweigernde Besserwisser und Zwangsbeglücker,gefördert und geduldet, finanziert durch schon lange nicht mehr zeitgemäße Zwangsbeiträge!
    Die ORFler,und nicht nur die,sollten einmal das Buch von Tomas Kubelik „Genug gegendert“ lesen…

  6. Unsere Gesellschaft (wenigstens die gutmenschlichen Teile davon)fördert ja Feiglinge,Zivilcourage ist mega-out und die Bequemlichkeit ist das höchste Gut! Zuchtanstalt Stimmvieh ist in,oder nicht?

  7. Frank-M. Wolf/pancho lobo

    moin Dr. Z.,
    ´bist ja ein HARTER Knochen!
    saludos de F.-M./pancho lobo

  8. Ich gehe jetzt unter die Dusche. Kalt natürlich. Um wieder ganz klar im Kopf zu werden, damit ich dann im gunboard weiterdiskutieren darf.

  9. Frank-M. Wolf/pancho lobo

    moin hola amigo R.T-M,
    wie ich bei gunboard schon auf „Mutters“ Beitrag geantwortet habe:
    Verbrecher suchen „Opfer keine Gegener“.
    saludos de Frank-M. Wolf /pancho lobo

  10. Pingback: Von Schlappschwänzen und gefährlichen Orten | GunNews

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