Clever & Smart

Die sattsam bekannte Firma „Armatix“, ihres Zeichens Erfinderin und Herstellerin von „Waffensicherungssystemen“ die kein Mensch braucht, hat in den USA mit ziemlichen Schwierigkeiten zu kämpfen. Dorthin scheint sie nämlich, offenbar des Antichambrierens in Brüssel und diversen nationalen europäischen Hauptstädten vorerst überdrüssig geworden, ihr geschäftliches Hauptaugenmerk verlagert zu haben. Vielleicht haben die wackeren „Waffensicherer“ aber auch geglaubt, daß es über dem großen Teich keine Schwingschleifer gibt.

Egal, jedenfalls sollen nun auch die Amerikaner in den zweifelhaften Genuß der Armatix’schen Forschungsergebnisse gelangen, das könnte für die Unterföhringer Firma theoretisch ein gigantisches Geschäft werden, ist der Markt dort bekanntlich ja riesig. Allein – die lustigen Laufblockierer haben mit ihrem neuen Produkt, einer funkgesicherten „Smart Gun“, mit ziemlichen – sagen wir einmal – „Anlaufschwierigkeiten“ zu kämpfen.

Dabei hatte es so gut begonnen: Mit dem „Oak Tree Gun Club“ in Kalifornien wurde ein renommierter Schützenverein und zeitgleich sehr großer Waffenhändler gefunden, der diese „Smart Gun“ in sein Sortiment aufnahm, ein schöner Erfolg für Armatix und dessen amerikanischen Ableger „Armatix USA“ mitsamt der zugehörigen Präsidentin/CEO Belinda Padilla. Die Freude darüber dürfte aber nicht sehr lange gewährt haben, die New York Times berichtet dazu:

(…) But once Oak Tree’s owner, James Mitchell, went public in The Washington Post saying the iP1 “could revolutionize the gun industry,” Second Amendment activists went into overdrive, flooding social media with threats to boycott the club. They took to Calguns.net, a forum for gun owners, and called for vigilante-style investigations of Ms. Padilla and Armatix. They seized on her appearance before a United Nations panel to testify on gun safety and her purported association with a group once led by a protégé of George Soros.

“I have no qualms with the idea of personally and professionally leveling the life of someone who has attempted to profit from disarming me and my fellow Americans,” one commenter wrote.

Ms. Padilla found that any trace of her involvement with Oak Tree had vanished. Signs outside the club advertising Armatix had been taken down. Her branded merchandise — hooded sweatshirts, down jackets (camouflage for men, hot pink for women) — was gone. Her stall at the shooting range where she had shown prospective customers how the iP1 worked, once painted in her company’s signature blue, had a fresh coat of green paint over it. “Honestly, I was in disbelief,” she said. “It’s like I never existed.”

Mr. Mitchell disavowed his relationship with Armatix and denied ever selling the gun. Oak Tree officials did not respond to several requests seeking comment in person and by phone. When a reporter visited the club recently, an employee said, “I don’t know if we’re making any comments.” (…)

(…  Doch sobald der Eigentümer von Oak Tree, James Mitchell, in der “Washington Post” an die Öffentlichkeit ging und sagte, daß die iP1 (die “Smart Gun”, Anm.) die „Waffenindustrie revolutionieren“ könne, wurden Second-Amendment-Aktivisten auf den Plan gerufen, sie überfluteten die sozialen Netzwerke mit Drohungen, den Gun Club zu boykottieren. Sie zogen sich auf die Internetplattform calguns.net zurück und forderten hochnotpeinliche Untersuchungen der Person von Padilla und der Firma Armatix. Sie stürzten sich auf Padillas Auftritt vor einem UN-Gremium wo sie Aussagen zur Waffensicherheit traf, sowie ihre angebliche Verwicklung mit einer Gruppe die einmal von einem Vertrauten von George Soros geleitet wurde.

„Ich habe kein Problem damit, das Leben von jemandem, der Profit machen will indem er mich und meine Mitbürger entwaffnet, auf privater und professioneller Ebene zu zerstören“, so einer der Kommentatoren.

Padilla mußte feststellen, daß jedwede Spur ihrer Verbindung zu Oak Tree verschwunden war. Schilder vor dem Club, die Werbung für Armatix machten, waren abgenommen worden. Ihre gekennzeichneten Markenartikel (Sweatshirts, Daunenjacken …) waren verschwunden. Ihre Box am Schießstand direkt, wo sie möglichen Kunden vorgeführt hatte, wie die iP1 funktioniert, die im Markenblau ihrer Firma angestrichen war, war frisch grün eingefärbt. „Ganz ehrlich: Ich konnte es nicht glauben“, sagte sie. „Es ist, als ob es mich nie gegeben hätte.“

Mitchell verleugnete seine Verbindung mit Armatix und stellte in Abrede, diese Waffe jemals verkauft zu haben. Funktionäre von Oak Tree antworteten nicht auf mehrere persönliche und telefonische Anfragen zu Stellungnahmen. Als kürzlich ein Reporter den Club besuchte sagte ein Angestellter: „Ich weiß nicht, ob wir irgendwelche Stellungnahmen abgeben.“ …) (Übersetzung © dagarser)

Naja – blöd gelaufen, könnte man sagen! Offenbar hat man sich da von den Gegebenheiten des Marktes falsche Vorstellungen gemacht, in Wahrheit will ja auch kein normal denkender Mensch eine Waffe, die zum Funktionieren auf eine Armbanduhr(!) angewiesen ist.

Natürlich hat Armatix daraufhin aber nicht gleich aufgegeben, ein weiterer Waffenhändler wurde gefunden der sich bereit erklärte, die „Smart Gun“ in sein Sortiment aufzunehmen: Andy Raymond aus Maryland. Aber auch bei ihm ist dieses Produkt schon aus dem Regal verschwunden, so die Washington Post:

(…) But after hundreds of protests on his store’s Facebook page and online forums — a repeat of what Oak Tree faced — Raymond released a long video on the Facebook page saying he had received death threats and would not sell the gun. He apologized and took responsibility for the decision. He had sold none of the smart guns and would not, he said. (…)

( … Doch nach hunderten von Protesten auf der Facebook-Seite seines Unternehmens und in Online-Foren – also so wie beim Oak Tree Gun Club – stellte Raymond ein langes Video auf die Facebook-Seite in dem er sagte, daß er Todesdrohungen erhalten habe und diese Waffe nun nicht verkaufen würde. Er entschuldigte sich und übernahm die Verantwortung für diese Entscheidung. Er gab an, daß er keine solche Waffe verkauft habe und es auch nicht tun würde. …) (Übersetzung © dagarser)

Zugegeben – Todesdrohungen sind ein völlig falsches Mittel um irgendetwas durchzusetzen.  Das ist falsch, unmoralisch und natürlich auch streng verboten, also soll man solche Mittel auch nicht anwenden. Es spricht aber absolut nichts dagegen, die „wirtschaftliche Schiene“ zu nehmen und einem solchen Gewerbetreibenden nachdrücklich zu verstehen zu geben, daß er hoffentlich sehr, sehr viele von diesen „Smart Guns“ verkaufen wird – etwas anderes, und sei es nur eine Dose Waffenöl, wird ihm nämlich keiner mehr abkaufen!

Sei dem jedoch wie es sei – Armatix hat sich in den USA bislang eine ziemlich blutige Nase geholt, ich müßte lügen würde ich behaupten, daß ich das nicht mit einem gehörigen Maß an Schadenfreude quittieren würde. Die von Armatix hergestellte „Smart Gun“ finde ich nämlich überhaupt nicht „smart“, eine von Funkwellen abhängige Waffe ist so ziemlich das Dümmste, das ich mir vorstellen kann.

Ich wünsche Armatix, daß sie mit diesem Produkt (von „Waffe“ möchte ich hier gar nicht erst sprechen) in den USA auch weiterhin baden gehen – aber natürlich auch, daß dieses und andere Erzeugnisse dieser Firma auch hier in Europa bestenfalls Ladenhüter bleiben! So clever – und so smart – müssen wir Waffenbesitzer jedenfalls sein!

(Zum Abschluß noch eine kleine Anekdote: Vor ein paar Jahren war ich bei der Neueröffnung eines Waffengeschäfts eingeladen, beim Durchstöbern des Sortiments fiel mir eine kleine Schachtel mit dem Aufdruck „Armatix“ in die Hände: Es war so ein „Quicklock“-Trum. Natürlich habe ich gleich gefragt: „Was hat’s denn mit dem Klumpert auf sich?“ Antwort: „Das war einmal irrtümlich bei einer Lieferung von der Zentrale dabei, seitdem kugelt’s hier herum.“ Meinem Rat: „Räumt’s den Dreck weg, verwendet’s es von mir aus als Briefbeschwerer oder sonstwas, solang’s hier keiner mehr sehen muß!“ ist man offenbar nachgekommen. Ich habe es jedenfalls nicht mehr gesehen …)

11 Antworten zu “Clever & Smart

  1. Wachsamkeit ist der Preis der Freiheit – das war mal für mich als alter Fm u. Elo Aufklärer ein schöner Slogan.

    Wir sollten also besser nicht nur clever und smart sein, sondern vor allem auch weiterhin sehr wachsam.

    Diese Technologien, egal ob jetzt Stöpsel oder Smart Gun, haben nur dann eine Chance, wenn sie durch Gesetze und Verordnungen dem ‚Nutzer‘ ohne weitere Wahlfreiheit aufgezwungen werden können. Und machen wir uns nichts vor. Die Phrase ‚Sicherheit‘ zieht noch immer. Was eigentlich noch fehlt, wären auch noch Hinweise auf die Umwelt oder ‚weil es auch schee macht‘.

    Besagte Firma, dessen Namen man nicht nennen darf, ist noch nicht am Ende und sie versuchen es auch weiterhin, sei es auf der nationalen oder auch europäischen Ebene. In unserem nationalen Waffenrecht (BRD) haben wir inzwischen diesen ganzen, mit Verlaub, Scheiß, auch schon drin stehen. Sozusagen als Plan für eine goldige Zukunft. Dabei wurde noch nicht einmal vor dem ansonsten mehr als befremdlichen Begriff „Ermächtigung“ zurück geschreckt. Und das Strategiepapier der EU enthält ähnliche Hinweise. Und auch in Amerika kann man auf Grund der einen oder anderen Schrägheit des dortigen Rechtssystems auch noch immer etwas drehen.

    Aber nicht nur das, auch auf sportpolitischer Ebene versucht man es immer wieder. So gibt es Hinweise, dass mit dem italienischen Biathlonverband inzwischen auch schon so eine Art Kungel läuft. Und die Nähe zum großen DSB wurde ja bekanntlich auch schon gesucht.

    Also, sein wir alle auch weiterhin äußerst wachsam.

    Mit bestem Schützengruß

    Murmelchen

  2. Wenn man keine Ahnung (von Smart Guns) hat, …dann sollte man die Fresse halten, sagte Dieter Nuhr.

    Das hätte Uwe Schmitt, USA-Korrespondent der WELT beherzigen sollen. Dieser schrieb am 11. Mai 2014: Feuern unter Freunden – Unter Todesdrohungen wird ein US-Waffenhändler gezwungen, “Smart Guns” deutscher Produktion aus dem Angebot zu nehmen. Weil die mächtige Lobby NRA Verrat wittert.

    Wir sind ja einiges gewöhnt von der Waffengegner-Presse aus den USA. Aber was sich der Kommentator Schmitt hier geleistet hat, möge jeder selber nachlesen. Hier als Beispiel ein Auszug:

    Für die NRA reicht dieses gut gemeinte, aber schlecht geschriebene Gesetz aus, um den vom Schützenbund gepflegten Entwaffnungswahn zu mobilisieren. Nazi-Deutschland sei die Caritas gegen das, was anständigen Menschen aus dem tyrannischen Washington drohe.

    Mal sehen, ob die WELT meinen eben abgesandten Kommentar veröffentlicht, den ihr ansonsten auf meinem Blog lesen könnt. (Dort auch mit Weblinks zu meinen Aussagen) :
    http://legalwaffenbesitzer.wordpress.com/2014/05/11/wenn-man-keine-ahnung-von-smart-guns-hat/

  3. Pingback: Wochenrückblick 19/2014 | dagarser

  4. Letztendlich wird es mit Arschmatix laufen wie hier in Europa: Niemand will deren Schrott kaufen. Und ich hoffe (und bete), dass sie es auch nicht in den USA nicht schaffen werden, ihren Schrott per Lobbyismus durchzusetzen. Aber ich bin da ganz zuversichtlich.

  5. Frank-M. Wolf/pancho lobo

    IRONIE „an“
    na ja… man könnte damit ja auch werfen…
    „aus“
    saludos de Frank-M. Wolf/pancho lobo

  6. Alles, was die Polizei wegen Bedenken bei der Sicherheit ablehnt, darf für Zivilisten keine Pflicht werden.
    Ohne Pflicht entscheidet der Markt. Und der ist nicht dämlich. Viele Erben in Deutschland blockieren nicht, sondern verschrotten oder verkaufen oder machen die Sachkunde.

    Interessant, dass Mauch, der GF von Armatix, mal wieder versuchte, die guten Kontakte (diesmal Joe Biden und Eric Holder) zu nutzeb, um sein Produkt als Gesetz auf den Markt zu bekommen.

    Ähnliches kennen wir aus Deutschland und der Schweiz. Dort waren es Schily, Fritz Rudolf Körper und Körting (alle SPD) bzw. Pius Segmüller in der Schweiz. Letzterer wurde der Korruption überführt. Und der zwischenzeitliche Geschäftsführer aus Österreich schaffte es auch, das Produkt beim Innenministerium zu vermarkten, aber zu Glück nicht in ein Gesetz umzuwandeln. Kurz darauf verließ er die Geschäftsführung wieder.

    http://www.triebel.de/2011/Armatix-Dossier.pdf

  7. Seit ’84 gibt’s Bestrebungen, elektronische, magnetische oder biometrische Waffensicherungen zu entwickeln. Auch große Firmen wie Remington und S&W sind damit regelmäßig gescheitert.

    Das liegt einerseits an der Technik, die nun mal fehleranfällig ist (Batterie leer, Magnetring vergessen oder Funkstörung … aus ist’s mit der Selbstverteidigung. Auch im Polizeidienst wird so was sehr kritisch gesehen), andererseits geht es den Leuten die das verkaufen wollen vor allem um Kontrolle. Gut gemeint: Sie wollen Unfälle und Mißbrauch verhindern. Nur sind das beides Umstände, die relativ selten vorkommen. Schon in der Kosten/Nutzen-Analyse ist so was unwirtschaftlich. Also argumentiert man mit Emotionen.

    Ein Verbrecher wird die Sicherungen deaktivieren – oder schlimmer – aktivieren, so daß eine Waffe nicht gegen ihn verwendet werden kann und er mit seiner herkömmlichen Waffe immer einen Vorteil hat. So wird eine „Smart-Gun“ zu einer „special kind of silly“ gun. Kein Wunder, daß sich das in der Vergangenheit schon nicht gut verkauft hat.

    Was den Jäger, Sportler und Sammler (oder Erben) angeht, haben die dort verwendeten Systeme ebenfalls keinen sicherheitstechnischen Sinn, der über über marginale Werte hinaus geht. Argumentiert wird mit dem beliebten: „… wenn auch nur ein Menschenleben gerettet werden kann …“, was man als rein emotionalen Marketingtrick bezeichnen kann.

    Armatix kann oder will nicht dazu lernen. Ich habe meine, durchaus realistischen, Szenarien mal mit einem Armatix-Vertreter besprechen wollen und wurde brüsk abgewimmelt. „Ich könne doch nichts gegen Sicherheit haben … jeder verantwortungsvolle Waffenbesitzer ist für Sicherheit … blablablah“. Das typische Marketinggewäsch halt. Was interessieren Fakten und Argumente, wenn man etwas zu verkaufen hat?

  8. Ich möchte wissen, wie viel Geld auf den Konten der Brüsseler Hochbürokraten gelandet ist, daß sie dieses total unnötige Zeugs mittels einer geplanten neuen Richtlinie durchzudrücken versucht haben.

    Auf schriftlich vorgebrachte Vorwürfe und Verdächtigungen sind sin gar nicht mehr eingegangen. Könnte es sein, daß sie sich jetzt schämen, weil sie erwischt worden sind?

  9. Schwertfisch

    …..ich liebe es, wie die „Sicherer“, von logisch denkenden Menschen und freien Bürgern, eine auf die Nase bekommen….gute Nachrichten, in schlechten Zeiten…..

  10. Pingback: Clever & Smart | GunNews

  11. „…eine von Funkwellen abhängige Waffe ist so ziemlich das Dümmste, das ich mir vorstellen kann.“

    Das ist absolut richtig! Wir kennen alle schon diverse Störgeräte die verwendet werden, sei es um Mobiltelefone, Garagentore, Autoelektronik, Computer etc. zu stören oder Funktionsunfähig zu machen. Diese werden Hauptsächlich von Kriminellen oder Behörden verwendet. Bei dem Gedanken in einer Verteidigungssituation ohne einer funktionierenden Waffe dazustehen weil jemand auf ein Knöpfchen gedrückt hat wird mir übel !

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