Weil’s eh wurscht is …

Großer Jubel im armen Österreich: Endlich, nach einer Durststrecke von 48 Jahren, geht der Sieg im Grand Prix Eurovision de la Chanson – oder, wie es jetzt ganz schlicht heißt: im Eurovision Song Contest – wieder nach Österreich, wir halten jetzt bei zwei Siegen und haben damit – falls das jemanden interessiert – zu Deutschland aufgeschlossen. Ich bin begeistert.

Nein, ganz ernsthaft: Mir ist das eigentlich völlig egal, wenn überhaupt ärgere ich mich höchstens, daß wir als Siegerland die nächstjährige Ausgabe dieses unsinnigen Spektakels ausrichten müssen – was das wieder kostet, unnötig wie ein Kropf!

Der/Die/Das Interpret_In (ist das so richtig geschrieben?) des siegreichen Liedes, die Kunstfigur „Conchita Wurst“, ist sicher nicht jedermanns Sache – meine jedenfalls nicht! – man muß aber diesen Sieg anerkennen. Überbewerten soll man das aber auch nicht: Ein gar nicht so schlechtes Lied hat sich gegen größtenteils bestenfalls durchschnittliche Konkurrenz durchgesetzt, obengenanntes Interpret_In war halt auch ein Zugpferd, direkt aus dem Kuriositätenkabinett oder vom Jahrmarkt, Gewinner_In nicht nur des Song Contests sondern auch einer europaweiten Freakshow.

„Das Wurst“ hat also den Song Contest gewonnen, schön dafür, es sollte aber dennoch ein wenig auf dem Teppich bleiben: Noch lächerlicher, als es ohnehin schon ist, muß es sich ja nicht unbedingt noch machen, beispielsweise mit einer „Nachricht“ an den russischen Präsidenten Putin:

(…) Bereits unmittelbar nach dem Ende des Votings in Kopenhagen sagte Conchita Wurst, sie widme ihren Sieg allen, die an die Zukunft von Frieden und Freiheit glauben: „We are unity – we are unstoppable – you know who you are.“ Konkreter wurde sie später in einem Interview in Bezug auf Putin und dessen homosexuellenfeindliche Gesetzgebung: „Ich weiß nicht, ob er zuguckt. Aber falls ja, sage ich ganz klar: Wir sind unaufhaltbar.“ (…) (ORF)

Kann natürlich sein, daß ich mich ganz furchtbar täusche, aber ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, daß Wladimir Putin sich den Song Contest, geschweige denn die Pressekonferenz von Conchita Wurst, anschaut. Und selbst wenn wäre er wahrscheinlich eher unbeeindruckt. Lassen wir die Kirche also im Dorf.

Apropos „Kirche im Dorf lassen“: In der heutigen Ausgabe des periodischen Druckwerks „ÖSTERREICH“ hat ein gewisser Werner Schima unter dem (irreleitenden) Titel „Das sagt Österreich“ auch ein paar Weisheiten zu diesem Thema abgesondert:

Das fühlt sich richtig gut an. Es kann einem alles andere als Wurst sein, wenn Österreich einmal international als Bodenstation der Toleranz wahrgenommen wird – und nicht nur als Heimat der Ewiggestrigen, Mölzers und anderer Gruftspione. (…)

Ich weiß zwar nicht was eine „Bodenstation der Toleranz“ sein soll, ich habe da aber gewisse Befürchtungen was gemeint sein könnte. Ich glaube, persönlich fühle ich mich da als „Gruftspion“ recht wohl – die Alternative mag ich mir nicht ausmalen. Aber weiter im Text:

(…) Zu verdanken haben wir das alles Conchita Wurst alias Tom Neuwirth und den Leuten, die den Mut und den Spirit hatten, sie /ihn für den Song Contest zu nominieren. (…) – der österreichische Beitrag hat dem Land einen großen Imageschub beschert und ein positives und sympathisches Zeichen gesetzt, auch wenn das ein paar homophobe Ungusteln weit im Osten anders sehen. (…)

Ich weiß nicht recht, ob ich mich für diesen „Imageschub“ wirklich bedanken möchte – mir sagt so ein „Image“ nämlich überhaupt nicht zu. Soll ein jeder machen, was er glaubt (solange er keinem anderen damit Schaden zufügt), chacun à son goût. Aber kann man das nicht – wie alle anderen, normalen, Menschen auch – ganz einfach zu Hause machen, statt wie ein Kasperl herumzustolzieren und die Schwulität wie einen Preis vor sich herzutragen? Das Lied ist ja – wie oben bemerkt – gar nicht so schlecht, warum mußte das dann unbedingt die Kunstfigur „Conchita Wurst“ singen und nicht der Künstler „Tom Neuwirth“? War der „Song“ beim Song Contest womöglich gar nur zweitrangig?

Was die „Leute mit dem Mut und dem Spirit“ betrifft: Gut, daß Schima das anspricht – die Österreicherinnen und Österreicher wurden nämlich überhaupt nicht gefragt, ob sie von dieser Gestalt beim Song Contest vertreten werden möchten! Das hat der ORF, der zwangsgebührenfinanzierte Staatssender, im Alleingang bestimmt! Sonst wäre es womöglich – wie zuvor schon 2012 – ganz anders gekommen. Dabei ist es völlig unerheblich, ob wir diesen lächerlichen Zirkus gewonnen hätten oder nicht – wer zahlt, schafft an! So sollte es zumindest sein …

Aber Werner Schima war noch nicht ganz fertig:

(…) Man muss sich nur einmal trauen, innovativ denken und Schritte setzen, die auf den ersten Blick vielleicht nicht mehrheitsfähig scheinen. Somit wäre Conchita Wurst auch eine Inspiration für unsere Politik. (…)

Das gefällt mir nun wirklich gut! Vielleicht wird diese „Inspiration“ wirklich einschlagen wie eine Granate und unsere Politiker „trauen“ sich wirklich einmal etwas! Der Kanzler könnte etwa seine Matura nachholen, der Vizekanzler einen Persönlichkeitsbildungskurs besuchen – die zahllosen Möglichkeiten für inspirationsgeschwängerte Verbesserungen der österreichischen Innenpolitik würden den Rahmen dieser Seite bei weitem sprengen.

Eine Idee hätte ich aber, ich fände das recht mutig und innovativ, außerdem könnte man sich dadurch sozusagen exklusiv die unschätzbaren Dienste von Conchita Wurst sichern: Wir machen den/die/das Wurst_In zum/zur Staatssekretär_In im Außenministerium (BMEIA)! Ich seh’s direkt vor mir, „ÖSTERREICH“ kann dann endlich titeln: „Basti und Conni – gemeinsam kann uns keiner aufhalten!“

Wahrscheinlich zittert Wladimir Putin jetzt schon.

16 Antworten zu “Weil’s eh wurscht is …

  1. Pingback: Wochenrückblick 20/2014 | dagarser

  2. Kulturminister Josef Ostermayer:
    Die Teilnahme von Conchita Wurst alias Tom Neuwirth sei ein starkes Zeichen für ein tolerantes und offenes Europa.
    Werner Schima:
    Bodenstation der Toleranz
    ICH:
    Tolerant ist man nur, solange das eigene Interesse nicht betroffen ist.© Christina Küfner und
    Toleranz ist eine Falle die wir uns selber bauen.© Erhard Blanck

  3. Selten so gelacht, mir stehen jetzt noch die Lachtränen in den Augen.
    >> HANS WURST << wäre wohl der passendere Name gewesen für diesen trällernden "Homosexupopo!"
    "Herr, schütze uns vor Sturm und Wind und singenden Tunten die Transgender sind." 🙂
    Dank den Grünen gibt es mittlerweile in allen öffentlichen Gebäuden Deutschlands größerer Städte 3 Toiletten: "Sie, Er, Es!"
    Auf Fahrradwegen wurde auf Antrag der "Grünen" aus den aufgemalten Herren-Rädern durch Entfernen der Stange ein Damenrad "fabriziert."
    Kostengünstig, für € 80000! Hier bei uns.
    Begründung: "Herren-Räder" seien sexistisch.
    So kann man Steuergelder auch zum Fenster ´rausschmeissen.
    Servus …

    • Scheiße ist nur wie sich jetzt der Rest der Welt den klassischen Österreicher vorstellt.
      Z. Z. möchte ich auch nicht mit euch tauschen 🙂
      Immer wenn man denkt es kann nicht mehr schlimmer werden….

  4. „panem et circenses“ für verblödeteten Völker der EU. Deutlicher geht’s nimmer.

  5. Eine Schwuchtel ist Song Contest „Siegerin“ .Ich glaube Österreich und Europa
    sind tatsächlich verrückt geworden.

  6. Na, da bin ich aber froh, daß Österreich das dümmliche Kasperltheater mit 269 Punkten gewonnen hat, mit der / das / die WurstIn.. Offensichtlich gilt nach wie vor die alte Weisheit „Panem et circenses“ Die 260 000 Millionen € Staatsschulden sind dem „Stimmvieh“ offensichtlich „Wurst“
    Traurig, aber, leider, wahr……
    grüsse
    sousek

  7. Gottseidank ist der Kelch an uns Deutschen vorüber gegangen.
    Und ihr Österreicher habt Conchita Wurst an der Backe KLEBEN::: Nur gut das dies Falko nicht mehr erleben muß Ich denke selbst er hätte gekotzt.
    Was soll man sagen.. die Zeiten von Abba und Nicole und vielen wirklichen Künstlern sind vorbei.
    Was heute einem als Künstler so alles untergejubelt wird ist schon ein starkes Stück. Ach ja, unsere (Deutschland) Künstler bei ESC waren auch die absoluten Flachfeilen… Vieleicht solten wir Zladdi und Jürgen noch mal schicken 🙂

    In diesem Sinne

    Euro-Bullets

    • ….das haben die uns extra gemacht, damit man uns wieder die nächsten Jahre so richtig verarschen kann….

    • “ABBA” lass ich ja noch gelten, aber “NICOLE” als groß Künstlerin zu bezeichen… na, ich weiß nicht….
      Schöne WOche Euch allen

      • Nicole, doch. Die konnte wenigstens mal nen Ton halten.
        Und die hatte auch Stimme. Hat nur leider nicht viel aus ihrem Talent gemacht. Na ja, ob die jetzt eine große Sängerin ist, darüber läßt sich streiten. Aber immer noch besser als Hans Wurst…

  8. ….treffend wie immer – ein Schütze halt!
    Letzte Woche hat mich jemand gefragt, ob ich den/die/das Wurst kenne und ich meinte, Wurst ist nicht mein bevorzugtes Lebensmittel, denn da weiss keiner, was so wirklich drinnen ist, in der Haut….
    Heute früh die News – na ja, das Lied ist nicht schlecht und der Sänger kann ganz gut singen. Eine politisch gewollte, warme Entscheidung, denke ich, soll sein!
    Über einen Nobelpreis, beispielsweise naturwissenschaftlich, könnten wir uns wirklich freuen und über ausgeglichene Wirtschaftsdaten auch – aber, man wird ja bescheiden: Wir haben die beste Schwuchtel – wenn das nix ist!

  9. Pingback: Weil’s eh wurscht is … | GunNews

  10. Das haben sie den Österreichern wieder ganz absichtlich angetan!

    Sowie damals beim Nobelpreis für die Jelinek.

  11. „…Bodenstation der Toleranz wahrgenommen wird…“

    Jo! Und mir schmeckt oba ab heute die Wurst nicht mehr!!!

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