Katja Triebel bei Lanz – die Nachlese

Katja Triebel bei Lanz

Katja Triebel bei Markus Lanz, am 15.05.2014

Gestern zu nachtschlafender Zeit war ja Katja Triebel zum Thema „Selbstschutz mit Waffen“ bei Markus Lanz in ZDF zu Gast – oder besser: das hätte das Thema sein sollen bzw. wurde zuvor gesagt, daß es darum gehen sollte. Wie es allerdings leider nicht anders zu erwarten war, nahm dieses wichtige Thema nur einen Bruchteil der Sendezeit in Anspruch, vielmehr wurde diese Sendung wieder einmal dazu genutzt, auf den legalen Waffenbesitz loszugehen und die Legalwaffenbesitzer taxfrei in die Ecke potentieller Mörder und „Amokläufer“ zu drängen. Gestern habe ich geschrieben, daß die zwei übrigen Studiogäste zum Thema „Waffen“ Anlaß zu den ärgsten Befürchtungen geben würden, ich hatte allerdings gehofft mich diesbezüglich zu irren. Leider hatte ich recht.

Es würde zu weit führen, hier die ganze Diskussion Revue passieren zu lassen, ich will mich auf eine kurze Beschreibung der Vorgänge und eine Analyse der teilnehmenden Personen beschränken. Wer es sich antun möchte, der kann die Sendung auch in der „Mediathek“ des ZDF nachschauen.

Zunächst zum Sendungsverlauf: Katja Triebel hatte von Anfang an keinen leichten Stand, die Stimme der Vernunft und der Expertise zählt im Fernsehen bekanntlich nicht viel. Zumindest dann nicht, wenn ganz offensichtlich kein gesteigertes Interesse an einer tatsächlichen Diskussion besteht, wenn das gewünschte Ergebnis einer Gesprächsrunde schon vor deren Beginn feststeht. Sei es wie es sei, bis zur ersten Wortmeldung der Winnenden-Überlebenden Carolin Schneider nach etwa 20 Minuten („Für alle die den Amoklauf – oder irgendeinen Amoklauf jemals – überlebt haben ist das ein Schlag ins Gesicht!“) hat Katja Triebel die ganze Sache sehr gut gemeistert, wenngleich man ihr angemerkt hat daß sie das erste mal in so einer TV-Situation war. Danach war aber mehr oder weniger „der Ofen aus“, gegen die geballte Übermacht des TV-Juristen, des blonden Opfer-Seelchens und des parteiischen Moderators, gepaart mit den gedungenen Anti-Waffen-Claqueuren im Publikum, war für Triebel kein Blumentopf mehr zu gewinnen.

Das liegt aber wohl auch daran, daß einige Sequenzen der Sendung der Schere zum Opfer gefallen sind: So hat uns das ZDF sowohl einen Disput zwischen Katja Triebel und Ingo Lenßen vorenthalten, als auch die Tatsache, daß Katja Triebel die Sendung eigentlich schon vorzeitig verlassen hatte (siehe hier)! Sie ist dann zwar zurückgekehrt und ist bis zum Ende geblieben, wenn man sich aber die Aufzeichnung genau anschaut fällt schon auf, daß Katja für eine ganze Zeit nicht im Bild war. Respekt für die Kameraleute des ZDF, die haben sehr gut verstanden darüber hinwegzutäuschen – wahrscheinlich haben sie aber auch genug Übung darin …

Nun noch die Diskutanten in der „Einzelkritik“:

  • Markus Lanz, der Moderator: „Moderieren“ hat zwei Bedeutungen: Man kann es als „mäßigen“ übersetzen, aber auch als „steuern“, ein Moderator kann ein Gespräch also fair im Fluß halten, darauf achten, daß alle gleichberechtigt zu Wort kommen, er agiert fast wie ein Schiedsrichter beim Fußball es tun sollte: er ist der unparteiische „Spielleiter“. Die andere Möglichkeit ist aber, daß er eine Diskussion nicht leitet, sondern steuert, daß er gewisse Teilnehmer bevorzugt und andere benachteiligt – aus welchen Gründen auch immer. Das ist dann – um bei dem Beispiel zu bleiben – der Schiedsrichter, der die Heimmannschaft bevorzugt, falsche Elfmeter pfeift und Spieler der gegnerischen Elf wegen Nichtigkeiten vom Platz stellt. Markus Lanz war gestern jedenfalls kein „Mäßiger“ sondern ein „Steuerer“, er war voreingenommen und parteiisch. Eine widerliche Erscheinung, wie sie besonders in den geschützten Biotopen der öffentlich-rechtlichen Sender besonders häufig anzutreffen ist.
  • Ingo Lenßen, der Jurist: Halbwegs bekannt geworden durch diverse „Gerichtsshows“ im deutschen Privatfernsehen, strahlender Held und Verkörperung der Gerechtigkeit für bildungsferne Gesellschaftsschichten. Im Fernsehen ist er ja auch meistens, wenn nicht immer, im Recht, da wird seine Meinung zum Waffenthema ja auch Bestand haben! Weshalb sollte man gerade so einen Mitdiskutanten denn sonst einladen? Der juristische Sachverstand kann es jedenfalls – wenn man seinen Argumenten teilweise gefolgt ist – nicht gewesen sein. Eines ist jedoch klar: Lenßen ist ein „Medienprofi“, er weiß mit der Kamera zu interagieren und er hat eine gute, bekannte und ausgebildete Stimme. Alles natürlich mehr „Schein“ als „Sein“, kommt im Fernsehen aber gut rüber.
  • Carolin Schneider, das „Opfer“: Was diese junge Frau durchgemacht hat, das wünscht man seinem ärgsten Feind nicht! Sie war dabei, als Freunde von ihr getötet wurden, beinahe wäre sie selbst einem irren Attentäter zum Opfer gefallen. Das ist tragisch, erklärt aber möglicherweise auch, weshalb sie so wirkt als hätte sie irgendwann einen bleibenden Schaden geistiger Art davongetragen. In ihrem Fall kann man zwar möglicherweise nachvollziehen, daß sie gegen den privaten Waffenbesitz eingestellt ist, trotzdem ist es schwer hinnehmbar, daß sie hier, bei einer Sachdiskussion, ein Podium für ihre völlig sinnbefreiten, blödsinnigen und falschen Forderungen geboten bekommen hat. Es konnte noch so hirnrissig sein was sie gesagt hat – das Publikum hat geklatscht als hätte sie, was weiß ich, den Song Contest gewonnen.
  • Katja Triebel, die „Unkorrekte“: Interessierte Waffenbesitzer kennen Katja Triebel. In Deutschland, in Österreich, in Europa. Die Arbeit, die Katja in Deutschland leistet, ist enorm wichtig, sie hat sich ein gewaltiges Wissen aufgebaut und teilt das auch bereitwillig. Fachlich kann man ihr nichts vorwerfen, da ist ihr auch nicht beizukommen. Was mir persönlich gestern in der Diskussion gefehlt hat, das war ein „inneres Feuer“, eine eindeutig erkennbare Leidenschaft für das Thema: Fachlich & sachlich korrekt (teilweise vielleicht sogar überkorrekt), so waren mir zu wenige Emotionen zu erkennen. Zu Beginn der Sendung hat man an der Körpersprache gemerkt, daß sie sich nicht wirklich wohl dort gefühlt hat – das ist aber natürlich ganz klar, es war ihr erster TV-Auftritt, und das gleich in einer Sendung mit einer durchschnittlichen Reichweite von 1,5 Millionen! Das hat sich aber ohnehin schnell gebessert, trotzdem hätte ich mir ein „angriffigeres“ Auftreten gewünscht – wobei ich natürlich nicht weiß, was am Schneidetisch zurückgeblieben ist. Unterm Strich ein guter Auftritt, sie hatte es aber auch nicht leicht. Viel Feind, viel Ehr‘!

Seit Bekanntwerden der Teilnahme von Katja Triebel an dieser Diskussionssendung sind in den diversen sozialen Netzwerken die Wogen hochgegangen. Die einen haben sich gefreut, daß endlich einmal eine prononcierte Befürworterin des legalen Waffenbesitzes ins Fernsehen kommt, andere wiederum haben Bedenken geäußert, daß Katja dafür medial zu unerfahren sei und in Gefahr laufe „verheizt“ zu werden und somit den Anliegen der Waffenbesitzer Schaden zuzufügen.

Nun, „Schaden“ wurde durch diesen Auftritt sicher keiner angerichtet! Es mag nicht alles optimal gelaufen sein, Katja Triebel hat sich aber gegen die „feindliche Übermacht“ sehr gut behauptet, sie hat sich auch keine groben Schnitzer geleistet! Es ist leider ganz klar, daß in der heutigen Medienlandschaft kein unvoreingenommener Bericht/keine faire Diskussionssendung zum Waffenthema zustandekommt – wenn man sich solchen Sendungen aber entzieht, dann reden in der Öffentlichkeit nur noch die Lenßens, Schneiders und Lanzens.

So aber kann man aufzeigen: „So ist das aber nicht, Freunde!“ Und trotz all der Berufsclaqueure, trotz aller kreativen Schneidetechnik, trotz aller Widrigkeiten kann man dem Wahnsinn entgegentreten! Und wenn man zum Schluß womöglich nur eine dumpfe Blondine dazu provoziert hat zu sagen, daß sie ihr Pferd nicht mit in die Wohnung nimmt und das Publikum diesem offensichtlichen Blödsinn auch noch frenetischen Beifall spendet – dann hat es sich schon ausgezahlt. Denn es gibt nicht nur Idioten, denkenden Menschen fällt diese Manipulation schon auf – wenn nicht, dann kann man darauf hinweisen!

Danke Katja!

 

9 Antworten zu “Katja Triebel bei Lanz – die Nachlese

  1. Man wird in Zukunft Leute wie Katja nicht mehr einladen und das Thema überhaupt nur mehr dann behandeln, wenn das Ergebnis schon vorher feststeht. Macht der ORF auch nicht anders. Goebbels hätte an dem Lanz und dem ganzen ZDF und dem ORF seine helle Freude gehabt.

  2. Pingback: Wochenrückblick 20/2014 | dagarser

  3. Der arme Lenßen hätte ohne seinen Knopf im Ohr wahrscheinlich sehr alt ausgesehen. „Liebe Regie, Hilfe, ich weiß nicht weiter.“

  4. Katja Triebel hat sich wacker geschlagen. Sie stand leider auf verlorenem Boden weil die Wahrheit niemand hören wollte und man mit dreinreden und wiederholen von populären Phrasen das offensichtlich unwissende Publikum befriedigt hat.

  5. In diesem erlauchten Kreis hat sie eine sehr gute Figur gemacht und damit die Interessen der Waffenbesitzer würdig vertreten. Irgendwie aber erinnert mich die personelle Zusammenstellung der Runde an ORF Gepflogenheit – Mölzer gegen alle-!
    Und auch ich möchte Katja Triebel meinen Dank für ihren Einsatz aussprechen.

  6. „Gestern habe ich geschrieben, daß die zwei übrigen Studiogäste zum Thema “Waffen” Anlaß zu den ärgsten Befürchtungen geben würden, ich hatte allerdings gehofft mich diesbezüglich zu irren. Leider hatte ich recht.“

    Richard, must Du denn auch immer Recht haben? 🙂

    Danke Katja für Deinen Ensatz.
    Weiter so.
    Peter (pgj)

  7. Danke für diese Einschätzung, die ich teile.

  8. Pingback: Katja Triebel bei Lanz – die Nachlese | GunNews

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