Das Ende naht!

Keine Sorge, der dagarser ist nicht über Nacht zum Untergangsapokalyptiker mutiert, die biblischen Plagen erwarte ich höchstens in abgewandelter Form und auch bis dahin wird wohl noch einige Zeit vergehen. Nein, hier geht es natürlich um das nahende Ende der Frist für die Waffenregistrierung – bis 30. Juni geht es noch, danach ist – nach heutigem Stand – der „Ofen aus“!

Über Sinn oder – noch besser – Unsinn des Zentralen Waffenregisters möchte ich hier keine großen Worte verlieren, dieses Thema habe ich hier schon oft genug abgehandelt, über die Seitensuche findet man unter dem Stichwort „Waffenregistrierung“ eine ganze Fülle an Ergebnissen und kann das bei Bedarf jederzeit nachlesen.

Nur nochmals ganz kurz worum es geht: Aufgrund einer EU-Richtlinie mußte das österreichische Waffengesetz dahingehend abgeändert werden, daß nunmehr alle Schußwaffen, nicht nur jene der Kategorien A und B, in einem Zentralen Waffenregister erfaßt sein müssen, auch der „Altbestand“, also jene Waffen, die vor dem „Stichtag“ (01.10.2012) besessen wurden. Ausgenommen ist davon lediglich der Altbestand an Waffen der Kategorie D. Das muß bis 30.06.2014 erledigt sein, ansonsten drohen Verwaltungsstrafen, der Verfall der gegenständlichen Waffen – und auch die waffenrechtliche Verläßlichkeit ist wohl dahin, wenn man mit einer nicht-registrierten Waffe betreten wird.

Es ist also für die gesetzestreuen Waffenbesitzer klar, daß man dieser Registrierung – wenn auch zähneknirschend – nachzukommen hat, schließlich will man sich ja auch noch weiterhin seines Eigentums erfreuen, außerdem ist man ja eben „gesetzestreu“.

Offensichtlich aber überschätze ich hier die legalen Waffenbesitzer, gestern ist im „Standard“ ein Artikel erschienen, wonach die Registrierungsmoral – vorsichtig formuliert – mehr als dürftig ist:

(…) Seit Oktober 2012 wurden aber erst rund 200.000 Waffen der Kategorien C und D im Zentralen Waffenregister (ZWR) erfasst. Das bestätigte Dieter Funke, Obmann der zuständigen Branche in der Wirtschaftskammer Österreich, dem STANDARD.

„Da wir davon ausgehen, dass sich alle Waffenbesitzer rechtskonform verhalten, ist im Juni mit einem großen Ansturm in den Waffenfachgeschäften zu rechnen“, sagt Funke. Wie viele unregistrierte Waffen es im Privatbesitz noch gibt, darüber können nur Schätzungen angestellt werden.

Laut Karolina Holaus, Geschäftsführerin der Wirtschaftskammer Tirol, ist die Akzeptanz zur Registrierung bislang mehr als dürftig. „Meine Vermutung ist, dass die Prozentzahl an registrierten Waffen im einstelligen Bereich liegt“, sagte sie dem STANDARD. (…)

Nun gut – 200.000 registrierte Waffen sind nicht sehr viel, zumal ich ziemlich sicher bin, daß in diese Summe auch die Zahl jener Waffen eingerechnet wurde, die nach dem Stichtag 01.10.2012 erworben wurden.

Eine Mordsblamage also, besonders wenn man bedenkt, daß sich in Österreich wohl rund um die 10 Millionen (!) Waffen im Besitz gesetzestreuer Bürger befinden – von der Sport- oder Jagdwaffe, über das Kleinkalibergewehr, das man irgendwann aus einer Laune heraus gekauft hat, hin zum Weltkriegsrepetierer vom Opa, den man als Erinnerungsstück im Schrank stehen hat. Allesamt registrierungspflichtig – nur wissen das sicherlich drei Viertel der Normunterworfenen nicht. Woher auch?

Entsprechend wird der „große Ansturm in den Waffenfachgeschäften“ wohl ausbleiben, es widerspricht dem gesunden Menschenverstand zu erwarten, daß in nicht einmal einem Monat 9.800.000 Waffen registriert werden könnten (geht man von der Hälfte obiger Schätzung aus, dann wären es noch immer 4.800.000 Waffen – geht auch nicht)!

Nein, in Wahrheit ist dieses Datum, der 30. Juni 2014, realistischerweise nicht zu halten! Was es brauchte ist erstens eine Fristverlängerung, das wäre problemlos möglich, da das von der EU gesteckte Umsetzungsdatum mit dem 01.01.2015 fixiert wurde – ½ Jahr „Luft“ hätten wir also noch! Zweitens aber, genauso wichtig: Dieses ½ Jahr müßte vernünftig genutzt werden! Es müßte eine breit angelegte Informationskampagne gestartet werden mittels der sichergestellt werden könnte, daß die Problematik der Waffenregistrierung auch in der breiten Öffentlichkeit bekannt wird.

Laut dem ehemaligen SPÖ-Innenminister Karl Schlögl gibt es in Österreich rund 1 Million Waffenbesitzer, wenn man von der Zahl der wahlberechtigten, also großteils erwachsenen, Österreicher bei der letzten Nationalratswahl ausgeht, dann hat ca. jeder sechste Österreicher eine oder mehrere Waffen. Ob schon jeder sechste Österreicher von der Waffenregistrierung gehört hat? Ich glaube kaum.

Fristverlängerung und Information sind also das Gebot der Stunde, man könnte das aber auch ganz bequem umgehen: Indem man diese unsinnige Registrierung nämlich komplett verwirft, die bisher gesammelten Daten löscht und der EU ausrichtet, daß sie sich die Waffenregistrierung irgendwohin stecken kann! Das wird natürlich nicht passieren, bis es so weit ist müssen wir ja noch sehr, sehr viel Geld verbrennen …

Ein paar Worte noch zur oben beschworenen Information: Wirklich gut und rechtzeitig medial informiert wurde in Österreich nur eine kleine Gruppe von Menschen: Das sind die Mitglieder der IWÖ, die die einschlägigen Publikationen mit den korrekten Informationen auch lesen, sowie die Leser von Georg Zakrajseks „Querschüssen“ und – so unbescheiden bin ich – auch meine Leser!

Spät (erst nach dem Stichtag 01.10.2012) hat hingegen beispielsweise das „WEIDWERK“ mit der Berichterstattung über die Waffenregistrierung begonnen, immerhin ist das in einer Form geschehen daß davon auszugehen ist, daß mittlerweile alle Leser (=Zwangsabonennten) dieser Zeitschrift zumindest schon einmal etwas von der Waffenregistrierung gehört haben. Grundsätzlich lobenswert, was mir aber nicht und nicht in den Kopf will ist die Tatsache, daß bei diesen Informationen im WEIDWERK immer wieder ein himmelschreiender Unsinn dabeistehen muß!

Was mich immer schon gestört hat war z.B. dieser dezente Hinweis, daß man den Altbestand an Waffen der Kategorie D ja ohne weiteres freiwillig registrieren könne, man aber jeglichen Hinweis entfallen ließ, weshalb um Himmels willen man so etwas machen sollte! Ich versteh’s wirklich nicht!

Jetzt, im aktuellen WEIDWERK 6/2014, ist wieder ein doppelseitiger Artikel über die Waffenregistrierung erschienen. Enthält alle notwendigen Informationen für die Registrierung, weckt das Problembewußtsein, ist also grundsätzlich auch in Ordnung. Wenn, ja wenn da nicht wieder so eine furchtbare Fehlinformation verpackt wäre, versteckt in einem mit „Offene Fragen“ titulierten Kasterl:

fotografiert aus WEIDWERK 6/2014, http://weidwerk.at

fotografiert aus WEIDWERK 6/2014, http://weidwerk.at

Zum Mitschreiben: Bei der regelmässigen Kontrolle der Schusswaffen der Kategorien A und B wird die Art der Verwahrung von anderen Schusswaffen (C und D) nicht kontrolliert, „zulässig“ ist das schon gar nicht!

Ich wünschte, die p.t. Damen und Herren des „WEIDWERK“ würden bei derartigen Ergüssen auch die zugrundeliegenden Gesetzesstellen anführen! Die periodische Verwahrungskontrolle erfolgt aufgrund eines behördlichen Auftrages, da gibt es auch einen schriftlichen Überprüfungsauftrag. Man nenne mir bitte, bitte den bzw. die Paragraphen des österr. WaffG, wonach eine anlaßlose Überprüfung der Verwahrung von Schußwaffen der Kategorien C und D gesetzlich gedeckt wäre, was in so einem Überprüfungsauftrag dann also drinnenstünde!

Wenn man das nicht kann – wieso schreibt man dann einen solchen Unfug? Wieso?

16 Antworten zu “Das Ende naht!

  1. Pingback: Wochenrückblick 23/2014 | dagarser

  2. Pingback: Waffenverwahrung: Was darf überprüft werden? | dagarser

  3. ad TECUMSEH
    ACHTUNG, wie Richard schon geschrieben hat ist die Grenze 19 Stk.
    „Wer 20 oder mehr Schußwaffen, aus welchem Grund auch immer
    (also Kat. A+B+C+D) in einem räumlichen Naheverhältnis…….“
    grüsse
    sousek

    • Danke Karl! Hab’s nicht mehr so in Erinnerung gehabt, da ich meine Meldung bereits 1996 gemacht habe! Daher auch mein Hinweis, Betroffene sollten sich bei der IWÖ erkundigen. Ich glaube, es war aber notwendig das aufzuzeigen, denn wie ich gehört habe, ist es bereits zu Problemen gekommen.
      Grüße und wir sehen uns Samstag!

  4. Ich erinnere mich bei dem ganzen Trara um gute Aufklärung bezüglich ZWAR immer gern an eine Bekannte zurück. Die hat mir vor Jahren mal das Luftgewehr von ihrem (verstorbenen) Vater präsentiert. War ein M95 Karabiner, zugegeben rostig aber geladen. Von diesen Stücken stehen noch unzählige in österreichischen Kleiderschränken, liegen auf Dachböden herum oder lauern überhaupt auf ihre Wiederentdeckung. Das vom Gesetzgeber keinerlei Nachtragsmöglichkeit eingebaut wurde, ist gelinde gesagt eine Sauerei. Damit werden unzählige Bürger unwissend kriminell. Eine Nachtragsmöglichkeit wäre das um und auf, immerhin würde man damit legale (!) Waffen schaffen. Irgendwie erinnert mich dieser Mißstand an einen Kommentar eines Vlbger Waffenhändlers als ich ihm eine Waffe zur Kat. C Meldung nicht vorlegen konnte (warum sollte ich diese auch mitnehmen) …. er meinte: ich könnte dann ja eine nicht vorhandene Waffe anmelden. WTF? … genauso etwas denken die Erfinder des ZWR.

  5. Audiatur et altera pars, deshalb habe ich der Redaktion des „WEIDWERK“ folgende Anfrage geschickt:

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    in der aktuellen Ausgabe 6/2014 des WEIDWERK berichten Sie auf Seite 12 f. zum Thema „ZWR“, auf Seite 13 stellen Sie in einem Kasten u.a. folgende Frage:

    „Wird bei der regelmäßigen Kontrolle der Schusswaffen der Kategorien A und B die Art der Verwahrung von anderen Schusswaffen (C und D) kontrolliert – was zulässig ist -, oder werden Schusswaffen der Kategorien C und D unzulässigerweise nummernmäßig überprüft oder sogar nummernmäßig erfasst – was ohne konkreten Anlassfall bzw. konkretes Verfahren derzeit nicht zulässig ist?“

    Dazu stellen sich wiederum mir folgende Fragen, zu deren Beantwortung ich Sie höflich einlade:

    – Wie kommen Sie darauf daß es derzeit „zulässig“ ist, anläßlich einer regelmäßigen Kontrolle (gemeint ist hier wohl die „Überprüfung der Verläßlichkeit“ gem. § 25 WaffG) von Schußwaffen der Kategorien A und B ebenfalls die Verwahrung von Schußwaffen der Kategorien C und D zu überprüfen?
    – Auf welche(n) Paragraphen des österreichischen Waffengesetzes beziehen Sie sich mit dieser Behauptung?
    – Sind Ihnen Fälle bekannt, wo im Zuge einer Verwahrungskontrolle von Schußwaffen der Kategorien A und B ebenfalls die Verwahrung von Schußwaffen der Kategorien C und D kontrolliert wurde?

    Das würde mich wirklich brennend interessieren, in Erwartung Ihrer geschätzten Antwort verbleibe ich

    Mit Weidmannsheil!

    Richard Temple-Murray

    Schauen wir einmal, ob etwas retour kommt…

  6. Natürlich darf die Verwahrung von C- und D-Waffen nicht kontrolliert werden. Das gilt nämlich nur für A- und B-Waffen. Wer das zuläßt, ist selber schuld. Auch wenn es das Weidwerk so schreibt, wird es nicht richtiger, wird aber viele Jäger dazu bringen, diese rechtswidrigen Kontrollen zuzulassen.
    Dagegen hilft nur: IWÖ-Nachrichten lesen.

  7. Ein Mann der sich für den Schießsport nicht interessiert,jedoch einen
    geerbten alten Karabiner zuhause hat – weiß wahrscheinlich von der
    Registrierungspflicht der C-Waffen gar nichts und wird ab 1.Juli 2014
    ungewollt zum illegalen Waffenbesitzer – genau so wie der Österreicher
    der in Norwegen lebt und damals von dem Verbot der Pump Guns hier keine Ahnung hatte.

  8. Nun ist gegen bleifreie Munition nichts zu sagen, wie man bei der von meiner Besten Ehefrau Von Allen bevorzugten Marke überzeugend sehen kann. Präzise, tötet schnell, was will man mehr?
    Übrigens wird auch meine Glock, wenn ich sie führe, bleifrei betrieben.(EMB)
    Aber jeder soll verwenden, was er will. Zwang oder Druck lehne ich da ab.

    Als Mitleser des Weidwerks fällt jedoch auch mir auf, daß man sich waffenrechtlich anscheinend am Niveau der Masse der Nimrode orientiert. Dieses ist, sagen wir einmal, verbesserungswürdig.
    Ja, und Autotests sollten die Herrschaften auch bleiben lassen: Davon verstehen’s auch nix.

  9. Es ist wirklich zum Haareraufen wie sich das „WEIDWERK“ un die Jäger einspannen lassen. Siehe Aktioin bleifreie Munition !!!!

  10. Tip an unsere Waffenliebhaber und Sammler.
    Bei der Registrierung auf die 20 Stk. Grenze achten!
    Um gesetzeskonform zu bleiben bin ich zähneknirschend (hoch 10) dieser Auflage nachgekommen!.

    • Als unwissender, aber interessierter Deutscher: Was hat es mit den 20 Waffen auf sich?

      • Wer „20 oder mehr Schußwaffen in einem räumlichen Naheverhältnis zueinander“ verwahrt muß das der Behörde melden, da dann die Anforderungen an die Verwahrung höher sind. Die Behörde kontrolliert das dann und gibt entweder ihr placet, oder sie schreibt eine besondere Verwahrung (bspw. Sicherheitstür zur Waffenkammer o.ä.) vor.

        Kommt man nun mit den neu registrierten Waffen auf „20 oder mehr“ Stück und unterläßt die diesbezügliche Meldung an die Behörde, so sind Schwierigkeiten vorprogrammiert.

        Nachzulesen im § 41 WaffG. (http://www.iwoe.at/img/WAFFENGESETZ_2012.pdf)

        • Danke, das war besser erklärt. Habe gehört, daß es angeblich schon Probleme gegeben habe soll!
          Statt daß die Behörden froh über jede Meldung sind, suchen anscheinend manche noch nach Läusen, um ja den Waffenbesitzern Probleme zu machen!

      • Betrifft m.W. Österreich. Bei mehr als 20 Schußwaffen (so viel mir bekannt ist gilt das pro Wohnsitz) hätte man eine entsprechende Meldung, lt, §41 WaffG 1996, an seine Behörde machen müssen.
        Am Besten ist es, sich bei der IWÖ zu erkundigen.

  11. Pingback: Das Ende naht! | GunNews

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