Zahlenspielereien

258.878 Waffen der Kategorie C wurden bis vergangenen Dienstag, 03.06.2014, ins Zentrale Waffenregister eingetragen – so steht es zumindest in einer Aussendung des Bundesministeriums für Inneres zu lesen, warum sollte man dieser Angabe mißtrauen? Das ZWR hat seinen Betrieb am 1. Oktober 2012 aufgenommen, das heißt also, daß in den seither vergangenen 611 Tagen täglich rund 424 oder wöchentlich knapp 3.000 Waffen der Kategorie C registriert wurden.

Das klingt gar nicht nach so wenig, ist es aber natürlich sehr wohl: Kein Mensch weiß, wieviele Waffen der Kategorien C und D hier in Österreich derzeit im Umlauf sind, die Schätzungen reichen von 3 über 5 bis hin zu 10 Millionen. Die Wahrheit wird irgendwo in der Mitte liegen, aber nehmen wir heute einfach einmal die konservativste Schätzung her: 3.000.000 Waffen, davon ⅔ solche der Kategorie C.

2.000.000 Jagdgewehre, Karabiner, Kleinkaliber-/Flobertgewehre, etc. pp also. 2.000.000 Waffen, die nach dem Willen unserer von der EU ferngesteuerten Politikdarsteller bis 30.06.2014 im Zentralen Waffenregister eingetragen sein müssen.

Ich gehe jetzt ganz einfach von den Zahlen des BMI von vergangener Woche aus, also muß von den 2.000.000 Waffen der Kategorie C die Anzahl der bereits registrierten solchen Waffen abgezogen werden: 2.000.000 minus 258.878 ergibt 1.741.122, immer noch eine ganze Menge, zumal man bedenken muß daß diese Rechnung nicht ganz stimmt, da in den 258.878 bereits registrierten Waffen der Kategorie C ja auch die Neukäufe seit dem 1.10.2012 enthalten sind, es sich also nicht allein um den „Altbestand“ handelt. Aber egal, nehmen wir halt die 1.741.122 Waffen für unsere Rechenbeispiele zur Hand:

Dividiert man die verbleibenden 1.741.122 Waffen der Kategorie C durch den bisherigen Tagesdurchschnitt der Registrierungen von 424, so kommt man auf die Zahl von etwa 4.100 Tagen. Das heißt: Wenn es mit dem bisherigen Tempo weiterginge, dann wäre die Registrierung in etwas über 11 Jahren abgeschlossen, Mitte 2025 könnte dann die „Vollzugsmeldung“ nach Brüssel geschickt werden. Wobei dann dort wahrscheinlich keiner mehr wäre, den das interessieren könnte.

Das ist aber natürlich rein theoretisch, wie zuvor erwähnt muß die Registrierung bis 30. Juni 2014 abgeschlossen sein, also muß – um dieses Ziel zu erreichen – die Registrierungsfrequenz dramatisch ansteigen: Um die verbleibenden 1.741.122 Waffen der Kategorie C zwischen dem 3. Juni 2014, dem Datum der oben erwähnten Aussendung des BMI also, und dem 30. Juni 2014, dem Ende der Registrierungspflicht, ins ZWR einzutragen, müßten täglich 62.183 Waffen registriert werden, stündlich 2.591 und 43 in der Minute. Eine 147-fache Steigerung also, ich wage zu bezweifeln, daß das gelingen wird.

Was geschieht aber nun mit den Waffen, die nicht rechtzeitig registriert wurden – und, auch sehr wichtig, mit deren Eigentümern? Was die finanziellen Sanktionen für die Eigentümer betrifft, so gibt § 51 Abs. 1 Z 7 WaffG Auskunft, demnach „begeht eine Verwaltungsübertretung und ist mit einer Geldstrafe von bis zu 3 600 Euro oder mit Freiheitsstrafe bis zu sechs Wochen zu bestrafen wer (…) eine gemäß § 33 erforderliche Registrierung unterlässt“. Wie man hört ist es geplant, pro nicht-registrierter Waffe eine Verwaltungsstrafe in Höhe von 360 Euro einzuheben, je nachdem wieviele Waffen der Kategorie C man nicht registriert hat kann das also ein recht teurer Spaß werden.

Wozu das WaffG absolut nichts aussagt – wohl, weil man darauf vergessen hat – ist die Frage, was mit der bzw. den nicht rechtzeitig registrierten Waffe(n) geschieht: Hier wird es wohl so sein, daß die Behörde dem säumigen Waffenbesitzer – zusätzlich zu oben genannter Verwaltungsstrafe – aufträgt, die Waffe registrieren zu lassen. Dafür gibt es aber derzeit keine rechtliche Grundlage, da die Frist für die Registrierung des „Altbestandes“ mit 30.06.2014 endet und eine nachträgliche Registrierung rechtlich nicht gedeckt ist. Da wird es dann wohl eine Verordnung geben müssen. Peinlich.

Eines ist jedenfalls sonnenklar: Es ist völlig denkunmöglich, daß alle Besitzer von Waffen der Kategorie C diese bis 30. Juni 2014 registriert haben werden! Und das nicht einmal böswillig, sondern aufgrund mangelnder Information!

Nur ein Beispiel: Bei der Senkung der Promillegrenze für das Führen eines Kraftfahrzeugs von 0,8 auf 0,5‰ gab es eine breite politische Diskussion, die Tageszeitungen und der Rundfunk haben laufend und ausgiebig darüber berichtet, das könnte wirklich nur ein absoluter Einsiedler nicht mitbekommen haben.

Das Zentrale Waffenregister? Eine Aussendung des BMI, der WKÖ, der eine oder andere Zeitungsartikel – das lockt keinen hinter dem Ofen hervor. Von den Waffenbesitzern sind einzig die Jäger halbwegs gut informiert, sowie natürlich jene Menschen etwas mehr als nur „halbwegs“, die sich aktiv für ihren Waffenbesitz interessieren und in aktiven Vereinen organisiert sind oder hier, bei Georg Zakrajseks „Querschüssen“ oder der IWÖ fleißig mitlesen. Und das sind leider viel zu wenige!

Es kann und darf nicht das Ziel der Politik sein, hunderttausende gesetzestreue Bürger zu kriminalisieren. Dennoch geschieht das gerade eben durch dieses unselige Zentrale Waffenregister, das ist es, worauf diese ganze Registrierung hinausläuft. Noch könnte die Politik Einsehen beweisen, wenigstens die Registrierungsfrist angemessen verlängern oder – alternativ – vernünftige Amnestiebestimmungen einbauen. Ressortverantwortlich dafür ist die ÖVP, genauer gesagt Innenministerin Johanna „Her mit dem Zaster, her mit der Marie!“ Mikl-Leitner. Ich bin wenig zuversichtlich.

20 Antworten zu “Zahlenspielereien

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  3. Frank-M. Wolf/pancho lobo

    moin tosammen,
    was meint Ihr wie viele „Verbrecher“ es unter den normalen Bewohner von
    Alemania gibt…weil die meisten NICHT wissen dass ein Taschenmesser
    das mit einer Hand zu öffnen geht wegen de seitlichen Bolzen an der Klinge
    zu de „führungs verfbotenen Gegenstände“ gehört.
    saludos de Frank-M. Wolf/pancho lobo

  4. Scherzchen am Rande: dagarser hat mehr Zugriffe, als das ZWR Einträge.
    Aber keine Sorge, nächste Woche bin ich wieder in Österreich und registriere einen Haufen.

    • Haha, gefällt mir gut!

      Der Vollständigkeit halber aber: Der Vergleich kommt so nicht ganz hin, diese Seite ist schon länger online als das ZWR. Also muß man die Aufrufe vor dem 1.10.2012 (sowie jene nach dem 3.6.2014) abziehen.

      Den Spaß habe ich mir gerade gemacht, da komme ich „nur“ auf 251.588 Zugriffe, 7.290 weniger als die Anzahl der im Artikel genannten registrierten C-Waffen.

      Wenn man aber bedenkt, was das ZWR den Steuerzahler bisher gekostet hat und zukünftig kosten wird und das in Relation zu den Kosten dieser Seite setzt – dann sind diese 251.588 Aufrufe wahrlich wesentlich mehr wert als dieser Blödsinn…

  5. Heute mal ins ZWR eingetragen. Vergebene Nummer bei rund 1.1XX.XXX

  6. Wie will man ab Juli 2014 kontrollieren,ob der Besitzer eines
    Kleinkaliber Gewehres seine „Waffe“ registriert hat ?
    Wahrscheinlich ein Ding der Unmöglichkeit – denke ich.

    • Früher oder später geht das über die „deutsche“ Methode. In anderen Worten die überlastete Exekutive wird sich an den Wochenenden vor den Schießständen herumtreiben und Autos kontrollieren. Die Frage nach mitgeführten Waffen ist dann obligatorisch.

      –> Jeder der seine Waffen auch deren Bestimmung zuführen will (also am Schießstand schießen gehen), kommt dem nicht aus. Bestenfalls irgendwelche Keller-Sammler kommen mit nicht gemeldeten Waffen (illegal) „weiter“. Die können aber dann auch Dekomaterial sammeln, so die Dinger ohnehin nur zum verstauben herumhängen.

      • Ganz so einfach geht’s aber auch wieder nicht. Verkehrskontrollen können’s ja gerne machen – aber wenn ich das Verbandspackerl und das Warndreieck im Fahrgastraum mitführe, dann habe ich keine Ursache den Kofferraum zu öffnen.

        Nach mitgeführten Waffen kann dann durchaus gefragt werden, die Antwort „Das geht Sie nichts an, Herr Inspektor!“ ist da aber zulässig. Zumindest derzeit noch. (Wenn wir einmal von einer Alarmfahndung absehen…)

    • nachdem die Aufgabe der Kontrolle und das Erfassen unmöglich ist, wird es so enden, wie wir es aus Canada kennen.

  7. Sicherheitsgewinn ist denkunmöglich. Werden Straftäter oder solche, die es werden wollen, ihre Waffen registrieren?
    Wer das glaubt, ist entweder ein Politiker oder ein Journalist – also ein Trottel.

  8. Ernest Wimmer

    Es wäre ja sehr hilfreich,wenn unsere Leute im Parlament verlangten,die Frist bis Jahresende(möglich!) zu erstrecken,und danach eine Kulanzfrist von noch einmal einem halben Jahr zu gewähren.Es ist ja keinem geholfen,wenn Hunderttausende plötzlich Gesetzesbrecher sind;oder doch?
    Und die ÖVP bräuchte ja nur von ihrem derzeitigen Linksüberholkurs Richtung Mitte abweichen und beim Team Stronach gibt es ja auch Abgeordnete,die u.U. für ein liberales Waffenrecht eintreten.,nicht wahr?

    • In Wahrheit liegt es de facto allein an der ÖVP. Ist also wohl hoffnungslos.

      Wenn morgen Wahlen wären: Wie viele Waffenbesitzer würden diese Bande wieder wählen? Ich wiederhole mich: Hoffnungslos …

  9. Dass so viele nicht über das ZWR bescheid wissen, halte ich für ein Gerücht! Die meisten C Waffen sind im Besitz von Sportschützen, Jäger und Sammler. Inzwischen hat so gut wie jeder erfahren, dass die Waffen neuerlich zu registrieren sind. Die Waffenbesitzer, die nicht vernetzt sind stellen sicher nur einen kleinen Anteil. Das andere Problem ist, dass das Vertrauen in den Staat nicht mehr gegeben ist und viele bewusst nicht registrieren! Man muss auch nicht jeden Schwachsinn mitmachen!

    • Sehe ich anders. Es gibt ca. 130.000 Jäger in Österreich, der ÖSB hat schwach 30.000 Mitglieder. Sammler gibt’s auch wieder nicht gar so viele.
      Dann denke ich wieder an den vormaligen Innenminister Schlögl, der von 1 Million Waffenbesitzern ausgegangen ist.

      Die Mehrzahl der Waffen in Österreich wird von ganz unterschiedlichen Menschen besessen, ich schätze daß jeder 6. bis 7. erwachsene Österreicher eine Waffe besitzt. Und die hat jedenfalls kein Mensch informiert!

      Daß das „Vertrauensproblem“ natürlich auch ganz gehörig mitspielt ist aber auch klar!

  10. Pingback: Zahlenspielereien | GunNews

  11. Hat dies auf Semper Fidelis rebloggt und kommentierte:
    Österreich macht den gleichen Fehler, wie Deutschland in den 70ern.
    Sicherheitsgewinn gleich Null.

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