Seltsame Blüten

Seltsame Blüten treibt die Angst vor sogenannten „Amokläufen“ an Amerikas Schulen. Das ist natürlich nur zu verständlich, sind unsere Kinder doch das wertvollste, das wir haben und der Instinkt, seine Kinder zu schützen ist wohl der stärkste menschliche Instinkt überhaupt. Wenn es da also eine neue „Erfindung“ gibt, mit deren Hilfe das Leben von Kindern im Fall eines Attentats auf eine Schule gerettet werden kann, dann sollte man sich das ganz genau ansehen.

Freilich muß klar sein, daß es gegen einen bewaffneten Angreifer nur ein wirksames Mittel gibt, nämlich ihn selbst mit Waffengewalt zu bekämpfen und ultimativ auszuschalten; die Unversehrtheit und das Leben eines solchen feigen Attentäters dürfen in einer Verteidigungssituation keine wie auch immer geartete Rolle spielen.

Um aber einem bewaffneten Angreifer „auf Augenhöhe“ begegnen zu können bedarf es auch der Möglichkeit, selbst bewaffnet zu sein und so nötigenfalls lebensrettend einzuschreiten beziehungsweise sich selbst angemessen zu verteidigen. „Gun-free-zones“, also waffenfreie Zonen, wo es den normalen und anständigen Menschen verboten ist Waffen überhaupt bei sich zu haben, sind in unserer westlichen Zivilisation die gefährlichsten Orte überhaupt, wissen doch irre Attentäter, daß sie hier mit keiner unmittelbaren Gegenwehr zu rechnen haben und so weitestgehend ungestört ihr schreckliches Vorhaben in die Tat umsetzen können.

Wenn man aber nun von seiten der Politik unvernünftigerweise darauf beharrt, potentiell gefährdete Orte dennoch als solche „gun-free-zones“ einzurichten beziehungsweise zu belassen, dann muß man sich Gedanken darüber machen, wie man das Leben der präsumtiven Opfer anderweitig schützen kann. Da sind die Möglichkeiten freilich arg begrenzt, es gibt nicht allzuviel, das vor einem zielstrebig vorgehenden Attentäter wirksam schützen kann.

Metalldetektoren an den Eingängen etwa wurden eine Zeitlang als das Maß der Dinge betrachtet, dann ist man aber draufgekommen daß ein Attentäter in dem Fall halt schon beim Eingang beginnt, seinen mörderischen Plan in die Tat umzusetzen. Ist also relativ wirkungslos.

Eine andere Möglichkeit, speziell an Schulen, wäre es, ordentliche, schußsichere und vor allem gut verschließbare Türen in die Klassenzimmer einzubauen. Ist aber auch nicht optimal, nicht alle Schüler sind jederzeit im Klassenzimmer, man denke hier etwa an Pausen, Turnstunden, Schulfeste, etc. Zumindest könnte man so aber wenigstens einige mögliche Opfer vor einem bösen Schicksal bewahren. Die Vorstellung, Kinder – und sei es auch zu ihrem Schutz – in der Schule gleichsam einzusperren ist mir aber ehrlich gesagt zutiefst zuwider.

Nun ist aber in den USA eine Firma mit einem neuen Produkt auf den Markt gekommen, als ich das Foto zum 1. mal gesehen habe mußte ich – obwohl das Thema ja durchaus ernst ist – laut lachen: Schulkinder, gemeinsam mit ihrer Lehrerin, kauern bei einer Katstrophenübung im Klassenzimmer, mit signalroten Umhängen auf dem Rücken und über dem Kopf! „Bodyguard Blanket“, also „Leibwächter-Decke“, nennt sich dieses seltsame Ding, und für rund 1.000 $ pro Stück verspricht der Hersteller auch einiges, eine „bullet resistant protective blanket for children and adults“, eine „kugelsichere Schutzdecke für Kinder und Erwachsene“ nämlich.

Es gibt da auch ein recht „eindrucksvolles“ Produktvideo, mit viel Schmalz gemacht:

Ein derartiger Blödsinn ist mir jedenfalls noch selten untergekommen, das Zeug ist bestenfalls dazu gut, mit viel Glück den einen oder anderen Querschläger abzuhalten!

Bei Naturkatastrophen wären die Kinder unter dem Schulpult mit Sicherheit besser aufgehoben als unter so einem Unfug, wobei hier nach einem Einsturz des Gebäudes wenigstens die Signalfarbe bei der Bergung der Opfer hilfreich wäre.

Genau diese Signalfarbe aber würde im Fall eines Schußwaffenattentats die Aufmerksamkeit eines mörderischen Attentäters auf sich ziehen, ein buntes unbewegtes Ziel ist ja das, was solchen Gestalten ihre Morde leicht macht. Wenn man sich das Video ansieht dann erkennt man, daß hier gerade einmal der Rückenbereich geschützt ist, seitlich ist alles „offen“ und für jemanden, der nicht zum ersten mal eine Waffe in der Hand hält, ein leichtes Ziel.

Da wittert meiner Meinung nach eine Firma das große Geschäft, ich befürchte, daß sie das auch machen werden. Weil man hier – für recht viel Geld – vermeintliche Sicherheit kaufen kann! Das gefällt schlichten Gemütern ja bekanntlich besonders gut.

Denn das, was gegen einen bewaffneten Attentäter tatsächlich hilft, wollen wir ja nicht haben, nicht wahr? Nein, viel lieber bereiten wir mit noch mehr „gun-free-zones“ den Nährboden für weitere Massaker. Hauptsache schön bunt.

14 Antworten zu “Seltsame Blüten

  1. Pingback: Was tun gegen Schulattentate? | dagarser

  2. Pingback: Wochenrückblick 24/2014 | dagarser

  3. Das Firmenlogo ist der Kracher! Die Farbe der Decke hat man sich wohl von den Stierkämpfern abgeschaut, die kommen meistens auch gut davon. Gegen Wahnsinn hilft nur Vernunft, und die liegt am Ende in der Hand eines jeden selbst!

  4. Was kostet nochmal so eine „Decke“ … ah so ca. 1000 Dollar. Und was kostet eine Faustfeuerwaffe für den Lehrer … so ca. 300 Dollar.

    Ich würde mal sagen die Entscheidung ist nicht schwer 😉

    • Nicht ganz vergleichbar, würde ich sagen. Um den Altmeister zu zitieren:“Owning a gun makes you as much a gunman, as owning a guitar makes you a musician.“
      Der Vorteil der Waffe: Sie hilft gegen Angreifer mit Schußwaffen, Messern, Molotovcocktails, etc. Prinzipiell stimme ich also zu, man muß dann nur auch nägel mit Köpfen machen.

  5. Naaajaaa, bei enstrechendem Aufbau könnte sowas schon FFW Projektile stoppen. Bei .223 wird eher Essig sein. Allerdings wäre bei der Größe mit einem Gewicht von etwa 4-5kg zu rechnen.
    Vergleiche: http://www.zahal.org/products/bond-bulletproof-briefcase?path_parent=153399
    Der Vergleich hinkt weil das angeführte Produkt entweder einem Schützen Deckung geben soll, während er einen Angreifer bekämpft, oder der Prinzipal damit abgeschirmt wird während der Rest des Teams zurückheizt.

    Anyway: Technisch realisierbar, aber für ungeschulte Nutzer sinnlos. Hilft den Kindern nur, wenn zB der Beschuß blind durch eine geschlossene Tür kommt. Auch beim Tornado eher witzlos. Wenn die Betondecke runterkommt, etwa so hilfreich wie der Regenschirm für Wiley E. Coyote unter der Steinlawine. Wenn das Gebäude abgedeckt wird ein großartiger Windfang um die Gschrappen hochzureißen.

    Interessant wäre folgender Vergleich: Wie oft kann man Frau Lehrer um die Kosten der Ausstattung einer Klasse mit dem Schwachfug zur Thunder Ranch schicken?

  6. Ami…was will man da erwarten.

  7. Das ist so wirksam wie eine, in einem versperrten Tresor aufbewahrte Schußwaffe noch einmal mittels eines biometrischen Schließsystems zu versperren.

    Beides ist nützlich – aber ausschließlich für die Insdustrielobby!

  8. Ernest Wimmer

    So viel Blödheit auf einmal:sind die noch dicht?

  9. Wer beim Bundesheer war, weiß, was „die Decke geben“ heißt. Das gebührt den Erfindern dieses Unsinns.

  10. Da kann ich dagarser nur beipflichten :“Ein derartiger Blödsinn ist mir
    jedenfalls noch selten untergekommen…“.

  11. Pingback: Seltsame Blüten | GunNews

  12. Die Dummheit hat wirklich keine Grenzen.

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