Der hundertjährige Irrsinn

Geschieht heute irgendwo auf der Welt ein Attentat mit Schußwaffen, dann kann man von einigen Dingen mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ausgehen: In den Medien wird irgendein Blödsinn über die verwendete(n) Schußwaffe(n) stehen, es wird von einem „Amoklauf“ die Rede sein, obwohl das etwas ganz anderes ist, und schließlich wird nicht dem Täter, sondern dem Vorhandensein von Waffen die Verantwortung für die Bluttat zugeschoben. Haben wir alle leider schon viel zu oft gesehen, wer hätte aber gedacht, daß es vor 100 Jahren schon fast genauso war?

Dan Cannon hat auf seiner Seite gunssavelives.net eine bald 100 Jahre zurückliegende Wahnsinnstat eines Geschäftsmannes aus Georgia thematisiert, anhand eines damaligen Zeitungsberichts der New York Times führt Cannon aus, daß die Menschheit – oder besser: der Journalismus – sich in 100 Jahren offenbar nicht nennenswert weiterentwickelt hat:

Mann aus Georgia verwundet über 20 und tötet mehr als 5 Menschen mit einer doppelläufigen Flinte, wird von einem bewaffneten Bürger mit einer Faustfeuerwaffe außer Gefecht gesetzt

Also – habe ich jetzt Ihre Aufmerksamkeit? Diese Schlagzeile, obwohl völlig korrekt wiedergegeben, ist fast 100 Jahre alt! Ich beschreibe diesen Selbstverteidigungsfall „der alten Schule“, um einige Dinge aufzuzeigen: Zunächst möchte ich darauf hinweisen, daß Massenmord kein völlig neues Phänomen ist das erstmals aufgetreten ist, als das AR-15 den den zivilen Markt erobert hat. Zweitens mache ich darauf aufmerksam, daß gute Menschen, die bewaffnet sind, immer schon die beste Möglichkeit waren um schlechte Menschen, die bewaffnet sind, aufzuhalten. Drittens möchte ich hervorheben, daß es Massenschießereien schon gegeben hat bevor halbautomatische Feuerwaffen verbreitet waren. Viertens erscheint es so, als wären die Medien bei der Berichterstattung über Feuerwaffen schon immer ein wenig unkorrekt gewesen.

Diverse Medienberichte sprechen von 20 bis 32 Verwundeten und 5 bis 7 Getöteten. Danke an einen eifrigen Leser der uns darauf aufmerksam gemacht hat! Es ist immer wichtig auch an die Vergangenheit zu denken, wenn man die Gegenwart im Blick hat.

Am 6. März 1915 beging ein Mann namens Monroe Philips, offensichtlich ein gut etablierter Geschäftsmann in Brunswick, Georgia, ein Schußwaffenmassaker nachdem er bei einem Geschäft einen Batzen Geld verloren hatte.

Die New York Times brachte diese Geschichte am 7. März 1915, den kompletten Artikel kann man aus dem Archiv der NYT unter diesem Link als PDF herunterladen. Dort heißt es:

Verärgert über Verluste bei einem Immobiliengeschäft lief heute Monroe Philips, ein führender Geschäftsmann, mit einer automatischen Feuerwaffe Amok und tötete 5 Männer und verwundete 20 weitere, ehe er selbst getötet wurde. Philips wurde von E.C. Butts, einem Anwalt, erschossen, während er seinerseits versuchte auf Bürger zu schießen, die auf die Straße traten.

Als erstes möchte ich hier darauf hinweisen, daß die Tatwaffe eine doppelläufige Flinte war (wie später in demselben Artikel zu lesen ist), dennoch bezeichnete sie die NYT als „automatische Flinte“. Manches wird sich wohl nie ändern. Doch weiter mit dem Artikel:

Kurz vor Mittag betrat Philips mit einer doppelläufigen Flinte das Büro von Mr. Dunwoody (offensichtlich jener Geschäftspartner, dem Philips den Verlust einer Menge Geldes zu verdanken hatte, Anm.). Er schoß dem Rechtsanwalt mit beiden Läufen in den Kopf. Anschließend ging der Mörder hinunter auf die Straße, wo sich – durch die Schüsse neugierig geworden – bereits mehrere Bürger versammelt hatten. Philips schoß in die Menge und tötete dabei L.C. Padgett. Dann begann er in eine Menschenansammlung, die sich auf der gegenüberliegenden Straßenseite gebildet hatte, hineinzuschießen, verwundete einige und tötete Georgie W. Asbell.

Menschen suchten Deckung. Philips lud sein Gewehr nach während er zur Kreuzung Newcastle/Gloucester Street ging, dort bezog er vor einer Drogerie Stellung und begann auf jeden zu schießen, der sich auf der Straße blicken ließ. Zahlreiche Menschen, die Häuserblocks weit entfernt waren, wurden von Querschlägern getroffen. William H. Hackett wurde getötet, als er von einem Haus auf die Straße trat.

Augenblicklich kam der Polizist Deaver zum Tatort gelaufen und eröffnete das Feuer auf Philips, dieser aber richtete seine Waffe auf den Beamten und erschoß ihn. Eine Kugel aus dem Revolver des Polizisten verwundete aber auch Philips.

Nun kommt der Auftritt des bewaffneten Bürgers! Dies könnte eine der ersten dokumentierten Schußwaffenverwendungen zur Abwehr eines Massenmordes durch einen bewaffneten Bürger in der Geschichte Amerikas sein. Obwohl er selbst verwundet wurde, und obwohl er zu Beginn dieser Auseinandersetzung keine Waffe bei sich hatte, tat E.C. Butts was getan werden mußte. Weiter im Archiv der NYT:

Mr. Butts, der von einem Schuß aus der Waffe von Philips getroffen worden war, stürzte in ein Eisenwarengeschäft und beschaffte sich eine Pistole. Er begann, auf den durchgedrehten Holzhändler zu schießen. Schließlich traf eine Kugel aus der Pistole des Anwalts Philips und dieser fiel auf den Gehsteig, wo er innerhalb weniger Minuten starb.

Interessanterweise, obwohl die Zeitung einige Details zur Waffe falsch berichtet hatte, wurde dennoch nicht die Waffe für das Verbrechen verantwortlich gemacht. Damals wurde noch dem Täter für seine Taten die Schuld gegeben! Aus dem Artikel:

Es wird davon ausgegangen, daß Philips wegen seiner finanziellen Rückschläge verrückt geworden ist.

Schau einer an! Etwas anderem die Schuld geben als der Waffe!

Ich hoffe, dieser Beitrag zeigt, daß Massenmord kein neues Phänomen ist, das sich auf unsere Zeit beschränkt, und daß ein Massenmörder auch nicht auf halbautomatische Waffen angewiesen ist – sowie, ganz besonders wichtig, daß der beste Weg, einen bewaffneten schlechten Menschen aufzuhalten ein bewaffneter guter Mensch ist. So wie vor 100 Jahren schon.

(Quelle, Übersetzung © dagarser)

Tatsächlich fast alles drin, was auch unseren Journalisten heute nicht viel besser einfallen könnte: Eine böse halbautomatische Schußwaffe, der unvermeidliche „Amoklauf“, weitere Ungenauigkeiten in der Berichterstattung (Opferzahl?).

Einzig die Tatsache, daß damals wenigstens noch dem Täter und nicht der Tatwaffe die Schuld an dem Blutbad gegeben wurde zeigt, daß dieser Artikel schon fast 100 Jahre alt ist – sonst könnte das wirklich auch heute noch in jeder Zeitung stehen und keiner würde sich dabei etwas denken.

Wahrlich ein 100-jähriger Irrsinn …

16 Antworten zu “Der hundertjährige Irrsinn

  1. Pingback: Wochenrückblick 26/2014 | dagarser

  2. Hier noch ein Link zu einer recht Interessanten Sammlung von Fällen.

    http://americanhandgunner.com/ayoob-files-archive/

  3. Bevor ich aus kriminologischer Sicht etwas beitrage, eine Frage:
    „Ist schon mal ein Tatmittel für eine Delikt verurteilt worden?“

    Im Europa der Moderne hat sich schon etwas länger die Erkenntnis durchgesetzt, dass eine Person dadurch zum Täter wird, das dieser einen Tatentschluss fasst und den Entschluss dann umsetzt. Zur Umsetzung mag sich eine Täter dann ihm zweckmäßig erscheinender Tatmittel bedienen. [Das dabei die Wahl von Handwaffen wegen sehr begrenzter Wirkungsbreite eher töricht ist, ist eine andere Geschichte].

    Doch zunächt zu den Täterpersönlichkeiten bei Mehrfachtötungen. Delikte die in der Presse immer wieder unqualifiziert -eingedenk der Clickzahlen aber unentwegt- als „Amok-Delikte“ bezeichnet werden.
    Echte „Amok-Delikte sind tatsächlich spontane Taten um kommen praktisch kaum vor.
    Dagegen sind gerade die fälschlicherweise als „Amok-Delikt“ bezeichneten Taten meist von Personen begangen worden, die eine längere Historie psychischer Erkrankungen vorzuweisen haben.
    Alle sachlichen Analysen solcher Persönlichkeiten zeigen dass über Jahre hinweg geplant wird, eine groteske Fixierung auf jede Art von Gewalt besteht (sehr theoretisch, da oft genug ältere Delikte minutiös recherchiert werden) und diese Menschen in praxi mehr oder weniger vollkommene Sozialversager sind, nicht zuletzt weil das mehrwürdige Verhalten mindestens unbewußt wahrgenommen und abgelehnt wird…
    Dabei ist diese Erkrankungsform auch mit der bemerkenswerten Eigenheit begleitet, dass solche Täter allergrößte Schwierigekiten bei der Tatmittelbeschaffung haben, denn es müssen immer nur bestimmte Projektionen von Schusswaffen sein.

    Obwohl damit keinesfalls die angestrebten Opferzahlen erreichbar sind!
    Das gelingt nur mit Brand- und Sprengmitteln, aber glücklicherweise sind solche Täter bisher auch immer echte Techniktrottel.

    Seit ich bei einer Demonstration der Leistungsfähigkeit sogennater „USW“ Unkonventioneller Schusswaffen, wie zip-guns, mal dienstlich zugegen war, hoffe ich eigentlich nur dass solche Täter nie gezwungen werden darauf auszuweichen.

    Warum?

    Weil sich schon mit wenigen Komponenten aus dem Baumarkt ausreichend zielgenau über die deliktrelevanten Distanzen schießen läßt.
    mit 18-26 Schuss in der Minute!

    Solche Mehrfachtötungen sind alos, aller Verbieterei zum Trotz, jederzeit möglich! Genauso kinderleicht wie die Konversion eines „Polenböllers“ zu einer Handgranate.

    Aber obs die „Verbieter“ wirklich interessiert?

    Peter

    • „Weil sich schon mit wenigen Komponenten aus dem Baumarkt ausreichend zielgenau über die deliktrelevanten Distanzen schießen läßt.
      mit 18-26 Schuss in der Minute!“

      Gibt es dazu eine Veröffentlichung?
      Auf dieser Seite wird behauptet, dass man mit WBK eine „Kartoffelkanone“ ohne Beschusszeichen in Deutschland legal besitzen darf:
      http://www.bauanleitungkostenlos.de/kartoffelkanone-bauanleitung.html
      Stimmt das?

      • Hallo Herr Leske,

        es gibt einen zugehörige Arbeit Pfeiffer,F. (2011): Wer keine Waffe hat, kann nicht schießen.–HöV/Rechtsmedizin Bremen, aber mann muss dort wohl anfragen. Denn das war wohl „Nur für den Dienstgebrauch“, obwohl darin nur das Offensichtliche dokumentiert wurde, was natürlich auf der politischen Ebene keiner hören will!

        Eine „Kartofelkanone“ ist als Schusswaffe anzusehen, ob diese tatsächlich genehmigungsfähig ist, wage ich sehr zu bezweifeln. Allein die Bauartzulassung dürfte recht teuer werden.

        Peter

  4. Danke Dagarser!

    Interessanter Beitrag und es bestätigt auch mein Denken das Amok rennen und Durchdrehen schon immer Saison hatte und nicht erst ein neues Phänomen unserer Zeit ist.
    Schön zu lesen das man damals einfach das nahe liegenste Problem als Tatmotiv angenommen hat und zwar den Geldverlust des Täters.
    Heute würde man sicher sagen das die bösen Waffen selber die Tat erst ermöglicht haben, das der Täter „böse“ Musik gehört hat und deswegen verrückt wurde oder das er am Computer Egoshooter und Kriegsspiele gespielt hat und deshalb seine Tötungshemmung herabgesetzt war.
    Natürlich würde heute auch noch diese Täter-Opfer Umkehr mitschwingen und man würde behaupten das der Amokläufer eigentlich ein Opfer von mangelnder Toleranz war und man jetzt ganz furchtbar viel gegen Mobbing, Ausgrenzung und mehr Toleranz tun müsste.
    Gefolgt von Lichterketten, Mahnwachen und anderen sinnlosen Kram der uns von der Betroffenheitsindustrie angeboten wird.

  5. Für mich immer wieder ein motivierendes Gefühl festzustellen, dass die untadelige Seite in der politischen Landschaft außer Handaufhalten auch zu Daumenbewegungen fähig ist. Wenn sie es jetzt auch noch schaffen, ohne Selbstbefriedigung ihr Denkvermögen kritischer zu gestalten ist meine Zufriedenheit kaum noch zu steigern.

  6. Wie niedlich: wenn man gerade nicht damit beschäftigt ist, sich im Wäscheschrank selbst zu strangulieren und dazu zu wichsen, kommt man hier her und gibt negative Bewertungen, weil das irgendwen sich vermutlich supirebellisch und aufklärerisch fühlen lässt, denn schließlich wissen nur die einsamen Toleranznazis was gut für die Menschen ist.
    Die Trolle der verhaltensgestörten Evolutionsallergiker wechseln vom Justin Bieber Fanclub zu den Waffenbesitzern *lol*

  7. …..für den Negativbewerter, hätte ich ein schönes Geschenk und er müßte mir nur seine T-Shirt Größe angeben:
    Aufdruck: Vienna – SONDASCHUL

  8. Wenn heute einTäter bewusst mit dem Auto einen Menschen überfährt
    und ihn tötet – ist nicht das Fahrzeug (Waffe) schuld – sondern der Lenker-
    Frau Kommissarin.Man kann auch jemanden mit bloßen Händen :::würden Sie ?
    Ach,es hat keinen Sinn über Ihren hirnverbrannten Vorschlag -Verbot der Kategorie B Waffen – hier weiter zu diskitieren.

  9. ,,,,alle gehen gratis zur Schule, sehr viele umsonst – darauf könnte man das Problem reduzieren, wenn man von Reportern spricht, aber ebenso von Politikern, denn wer sind denn diese Leute?
    Na also!
    Dümmer sind nur wir, die sie wählen und ihre Zeitungen lesen oder unsere Zeit mit Fernsehen verscheißen…
    Die Gescheiten, die Drahtzieher dahinter, bleiben ohnehin im Dunkeln, denn die sind es ja in Wirklichkeit die Angst haben vor uns „Bewaffneten“.
    Die Dame, welche gerade den Job als Innenministerin so irgendwie tut, sollte irgendwann erklärt haben, man müsse das Wissen darüber, wie man sich möglicherweise als Bürger wehren könnte, verbieten!!!
    Na ja, aus ihrer Sicht und jener ihrer Befehlsgeber, immer mehr verständlich….
    Solchen Zeiten gehen wir offenen Auges entgegen!
    Es wird Zeit das System zu hinterfragen und nicht wie 1933 zusehen, was jeder Selbstdenker auch damals hätte sehen können….

    • ……….alle gehen gratis zur Schule, sehr viele umsonst –
      Interessantes Detail dazu aus dem gestrigen „Im Zentrum(ab Minute 22.08h): Sebastian Kurz erklärt Korun, dass die sprachliche Frühförderung im Kindergarten ab 2015 um das 4-fache von 5 Millionen auf 20 Millionen erhöht wird. So stellt sich die Frage, woher diese Geldmittel kommen – von uns Waffenbesitzer?

      • ….woher das Geld kommt?
        Woher es immer kommt – von uns….aber hinter der Hand gesagt sollte es suggerieren, wir nehmen es eh von den Reichen – wer immer das sein soll.
        Anstatt Eigenverantwortung zu fördern, sprich, „Bürger, wir entlasten dich steuerlich, wenn du deine Kinder ordentlich ausbildest“, gilt die Regel, wir, als Obrigkeit entlasten dich so, daß du ewig von unserem Willen abhängig bleibst….

  10. Pingback: Der hundertjährige Irrsinn | GunNews

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