So geht’s also auch!

Üblicherweise mag man ja am liebsten gar keine Zeitung mehr aufschlagen, allzu viel Blödsinn und Fehlinformation wird dem Leser dort vorgesetzt, besser: zugemutet. Besonders eklatant ist das bei Artikeln die den legalen Waffenbesitz zum Thema haben, wenn also eine Zeitung ausnahmsweise einmal etwas bringt, das gut recherchiert und vernünftig aufbereitet ist, dann ist das schon eine lobende Erwähnung wert:

In diesem Fall hat das der KURIER gemacht, immerhin – wenn man die Gratisblätter wegläßt – die österreichische Tageszeitung mit der drittgrößten Reichweite; der Autor ist (zusammen mit Gilbert Weisbier) Wilhelm Theuretsbacher, der vor etwas über einem Jahr hier schon einmal wegen seines Artikels über die Deaktivierung von Kriegsmaterial vor den Vorhang gebeten wurde.

Es geht – wie könnte es gerade jetzt anders sein – natürlich um die leidige Waffenregistrierung, schon der Titel des Artikels zeigt auf, daß die Autoren hinter die Kulissen der offiziell vorgegebenen Jubel- und Begeisterungschöre für das neue ZWR blicken: Millionen Gewehre gelten ab Dienstag als illegal

Klipp und klar wird hier dargelegt, daß es vielen gesetzestreuen Bürgern ab Juli „an den Kragen gehen“ wird – und zwar ohne deren Zutun, sie werden nur deshalb kriminalisiert, weil sie – oft schon seit vielen Jahrzehnten – völlig legal Waffen besitzen und schlicht nicht wissen, daß sie diese ihre Waffen nun – nach der bereits seit 1997 vorgeschriebenen „Meldung“ – nochmals „registrieren“ lassen müssen!

Der Artikel ist sehr gut geschrieben, natürlich finden sich darin einige nicht ganz geglückte Formulierungen (so wird bspw. nicht zwischen „Meldung“ und „Registrierung“ differenziert), das stört aber nicht wirklich und ändert nichts am hohen Informationsgehalt. Wer von dieser Registrierung bislang nichts wußte, der bekommt hier fast alles, was er wissen muß, serviert. Und es ist ja nicht nur für Waffenbesitzer interessant, wenn der Gesetzgeber (zusammen mit der EU) plötzlich ex post gesetzliche Regelungen ändert und dadurch – sagen wir es ganz deutlich – hunderttausende Menschen in die Kriminalität treibt!

Ich will gar nicht viel aus dem Artikel zitieren, hier kann ihn ein jeder selbst nachlesen. Einen Absatz aber möchte ich schon etwas kommentieren:

(…) Über die Gründe, warum die Österreicher nur äußerst zaghaft der Meldepflicht nachkommen, gehen die Meinungen auseinander. Es liege am Informationsdefizit, meint Robert Siegert, Bundesgremialvorsteher des Waffenhandels. Seiner Ansicht nach habe das Innenministerium zu wenig getan, um Waffenbesitzer auf das neue Gesetz aufmerksam zu machen. Karl-Heinz Grundböck vom Innenministerium weist den Vorwurf zurück: „Die Wirtschaftskammer hat ausdrücklich die gute Zusammenarbeit hervorgehoben.“ (…)

Ja, da hat Siegert wohl recht: Das „Informationsdefizit“ spielt da sicherlich eine gr0ße Rolle, recht hervorgetan hat sich das Innenministerium ja wirklich nicht dabei, die betroffenen Waffenbesitzer zu informieren. Was Siegert hier aber ausdrücklich nicht sagt ist, daß es ohne die tatkräftige Mithilfe des Waffenhandels dieses Zentrale Waffenregister in dieser Form gar nicht geben hätte können! Und das wirft auch gleich ein ganz anderes Licht auf die von Karl-Heinz Grundböck beschworene „gute Zusammenarbeit“ zwischen Innenministerium und Wirtschaftskammer …

Aber egal, hier geht es um den gesamten Artikel, den ich meinen Lesern zur Lektüre ganz herzlich empfehle!

P.S.: Wer es sich antun möchte, der kann sich im dortigen Kommentarbereich mit etlichen fanatischen Waffenfeinden herumschlagen. Vorsicht: Tieffliegende Einzeller!

22 Antworten zu “So geht’s also auch!

  1. Pingback: Wochenrückblick 26/2014 | dagarser

  2. Bei uns in Deutschland kam 1972 die Registierpflicht für alle Kategorien, weil wir seit 1972 nur A und B kennen: verboten oder genehmigungspflichtig. Jeder aktiver Jäger und Sportschütze und Sammler, der davon unterrichtet wurde, kam der Plicht nach.

    Letztendlich waren es 1972/73 nur 300.000 Waffen, die pünktlich gemeldet wurden. Gleichzeitig gab es einen Boom an nicht registrierten Verkäufen kurz bevor das Gesetz griff. Was war passiert?

    Das Gesetz schrieb vor, dass registrierte Waffenbesitzer nur für 5 Jahre ihren Besitz behalten dürfen. Danach würde das Bedürfnis überprüft. Kein Wunder, dass alle ohne „echtes Bedürfnis“ nicht gemeldet hatten.

    4 Jahre später wurde die Bedürfnispflicht für Altbesitz abgeschafft. Daraufhin wurden 2 Mio. von den 20 Mio. verkauften Waffen registriert. Dieser durften nun – ohne Munitionsbesitz – behalten, verkauft oder vererbt werden. Die restlichen 18 Mio. Waffen sind „untergetaucht“.

    2003 wurde mit der Tresorpflicht „nachgebessert“, weil ca. 500 Waffen, vornehmlich aus Altbesitz pro Jahr „verschwanden“. Zudem sollte man Erbwaffen blockieren. 2009 wurde nochmal nachgehakt. 2013 ging das nationale Waffenregister in Betrieb.

    All in all: die meisten Waffen in Deutschland sind nicht registriert.
    Die registrierten Waffen weisen aktuell Fehlerquoten von ca. 30% auf.
    Die legalen Waffen sind laut Register von 10 Mio auf 5 Mio. geschrumpft.
    Alles, was registriert ist, kann konfisziert werden. Diese Erfahrung haben schon einige rechtstreue Bürger machen müssen. Mittlerweile reicht dafür ein anonymer Anruf bei der Polizei oder die Anschuldigung im Rosen- oder Nachbarschaftskrieg. Die Beweislastumkehr führt dazu, dass der Beschuldgite seine Unschuld beweisen muss, nicht der Staatsanwalt seine Schuld…….

  3. Seien wir uns doch mal ehrlich, wer sein Gewehr registrieren lässt muss ein Trottel sein.
    Ich besitze zwar keine entsprechenden Waffen die von dieser Regelung betroffen sind aber wenn juckt es wenn ich nach Ablauf der Frist damit auf den Schießstand gehe?
    Keine Sau wird fragen ob das Gewehr auch brav gemeldet wurde.
    Also wem kümmerts?

    • Gut, dann bin ich halt ein Trottel.

    • Na gut. Sie gehen also zum Schießstand. Während Sie dort sind hat ein Bauer die Polizei gerufen, weil 700 m weiter, sein Traktor von einem Geller getroffen worden ist. Polizei kommt zum Stand……

      Sie fahren zum Schießen ein Depp knallt Ihnen hinten drauf. Während man Sie mit Halskrause ins Rettungsauto legt, stellt die Polizei die Waffe sicher.

      Es brennt in der Wohnung, Feuerwehr kommt,……

      Noch ein paar Szenarios gefällig? Es mag Sie nicht kratzen, aber andere hängen an ihrem Hobby. Und dann gibt es noch die, für die ein waffenrechtliches Dokument Grundlage für den Beruf ist.

      Die moralische Frage nach der Einhaltung von Gesetzen, lasse ich da noch außen vor.

      • @Dagarser
        Was? Sie haben ihre Flinten brav gemeldet?

        @glockzilla
        Ja könnte alles passieren.
        Es muss jeder selber wissen was er tut.
        Aber ich sehe das eher so wie damals bei der Pumpgun Regelung in Österreich.
        Die Leute die ihre Vorderschaftrepetierflinte nicht registrieren haben lassen sind die eigentlichen Gewinner die sich heimlich ins Fäustchen lachen und ihr Gewehr an ihre Kinder und Enkelkinder weiter vererben werden während der dumme gesetzestreue Waffenbesitzer der brav sich bei der Behörde geoutet hat wieder mal der schikanierte Dumme ist.

        Was die moralische Frage bezüglich Einhaltung von Gesetzen betrifft so sehe ich das als Wettbewerbsnachteil in unserer leider immer mehr kaputt gehenden Gesellschaft an wenn man sich nach Strich und Faden an alle Vorschriften hält.
        Jeder KFZ Besitzer ist sicher schon schneller gefahren als erlaubt war oder stand in der Kurzparkzone ohne eine entsprechende Parkgebühr zu entrichten.
        Es gibt auch Niemanden der am Sonntag nicht schon mal eine Zeitung aus der öffentlichen Zeitungstasche genommen hat ohne Geld dafür in die Kassa zu schmeißen.

        Machen wir uns nichts vor.
        Solange man keine echten Straftaten wie Mord, Raub, Vergewaltigung oder ähnlich Schlimmes begeht sollen uns die ganzen immer mehr bürokratisch überbordenden Vorschriften am Allerwertesten vorbei gehen.

        • Achja noch ein Hinweis für eventuell mitlesende Polizisten:
          NEIN, man wird bei mir weder nicht registrierte Langwaffen finden noch Horte ich Kriegsmaterial, Nazidevotionalien oder Ähnliches.
          Ich besitze auch keine illegalen Waffen wie nicht registrierte Faustfeuerwaffen, Schlagringe oder Stahlruten.
          Ich habe mich vor langer Zeit schon von den „scharfen“ Waffen verabschiedet um nicht von den Behörden dauernd schikaniert zu werden und sammle Airsoftrepliken die nicht unter das Waffengesetz fallen.
          Ich möchte mich in meiner sehr knapp bemessenen Freizeit mit meinen Hobby beschäftigen und nicht mit bürokratischen Behörden und deren geistigen Ergüssen.
          ÄTSCH! *LangeNasezeig*

        • @Dagarser
          Was? Sie haben ihre Flinten brav gemeldet?

          Nein – weshalb hätte ich das tun sollen?
          Waffen der Kategorie D – und das sind Flinten in aller Regel – unterliegen nicht der nachträglichen Registrierungspflicht.

    • @Sevenskaja, zu: „Keine Sau wird fragen ob das Gewehr auch brav gemeldet wurde. Also wem kümmerts?“

      Das ist tatsächlich passiert:
      Ein Schützenkamerad ladet in seiner Garage bei offenem Garagentor sein Jagdgewehr in den Kofferraum. Eine Partei sieht das (offenes Garagentor) und ruft die Polizei. Die kommt und überprüft den Sachverhalt. Da es sich um eine gemeldete Waffe (C) gehandelt hat , verläuft die Sache im Sand!

      Ich fürchte, Sie nehmen diese Angelegenheit etwas zu locker!
      Aber natürlich gilt auch für Sie: „Jeder muß selbst wissen, was er tut!

  4. Nachtrag :
    Was mich etwas irritiert, warum bringt diese Zeitung ausgerechnet jetzt diesen Beitrag und auch noch so detailliert ?
    Ist die vielleicht von Parteien-Anzeigen abhängig und wurde dazu „gezwungen“ um nachträglich säumige Melder auf die „Sprünge“ zu helfen ?
    Nein, ich bin nicht paranoid. Ich traue unserer „herrschende“ Kaste nur alle
    Hinterhaltigkeiten zu…..

    • Ich glaube eher, die haben mitbekommen daß dem BMI der Arsch auf Grundeis geht weil die Waffenregistrierung ein Debakel unvorstellbaren Ausmasses wird.

      Wenn es darum ginge, noch möglichst viele Waffenbesitzer zum Registrieren zu bringen, dann hätte man das ein paar Wochen, nicht ein paar Tage vor Ende der Registrierungsfrist gemacht.

  5. Ich habe den Artikel des KURIER angeklickt und als erstes viel mir das Foto einer Beretta92 in Chrome-Finish ins Auge….
    Wer erkennt in diesem Bild das Fake, bzw. die Desinformation die dieses Foto enthält ?
    Sowas kenn ich leider zur genüge aus Deutschen Medien 😦

    • Ja, ist eine CO2-Pistole. Find‘ ich jetzt nicht so tragisch – ist ja nur als Symbolfoto gedacht.

      • „Ja, ist eine CO2-Pistole. Find’ ich jetzt nicht so tragisch – ist ja nur als Symbolfoto gedacht.“

        DAS sehe ich aber anders. Wenn es einen schweren Auto Unfall gegeben hat, wird ja als Symbolfoto nicht ein abgestürtztes Flugzeug gezeigt…
        Wir haben das doch immer wieder in den Medien. Da wird über eine Schiesserei berichtet, die Waffe wird genannt z.B. Revolver und es wird eine Pistole gezeigt. Oder, wie es fast schon an der Tagesordnung ist, wird ständig zwischen Waffenschein und Waffenbesitzkarte kein unterschied gemacht. Geziehlte Desinformation oder pure Unwissenheit lass ich mal dahingestellt. Wer das „Kind“ nicht beim „Namen“ nennt,
        hat was zu verbergen….

  6. Ernest Wimmer

    Gibt es vielleicht doch eine straffreie Schonfrist?
    Ein Schützenkamerad sagte mir am Montag,daß er diese Info von einem bekannten Wiener Waffenhändler hätte.(Details verriet er mir aber keine!)

  7. Franz Schmidt

    Erst vor wenigen Wochen durfte ich bei einem Preisschießen die IWÖ offiziell vertreten. Dort sprach ich auch, die in Kürze ablaufende Registrierungspflicht für die C-Waffen an. Ich wies noch einmal dringend darauf hin, daß nichtregistrierte C-Waffen nach dem 1. Juli 2014 illegal seien und deren Besitzer daher Gefahr laufen die waffenrechtliche Zuverlässigkeit – und somit alle Waffen – zu verlieren.

    Ich konnte es gar nicht fassen, wie viele „Sportschützen“ sich nach meiner kleinen Ansprache bei mir meldeten und fragten, „was man da jetzt melden müsse.“

    Wenn ich Jagdkollegen wegen der Registrierung angesprochen habe, haben diese sehr oft geantwortet, daß sie schon alles gemeldet hätten. Bei genauerer Nachfrage stellte sich dann heraus, daß sie die Meldung nach dem WaffG 1996 meinten und von der Registrierung nach dem neuen WaffG noch nichts gehört haben.

    Ich erwarte daher nach dem 1. Juli eine massenhafte Kriminalisierung der österreichischen Jäger, Sportschützen und Waffenbesitzer. Alle haben dann ohne Vorsatz gehandelt. Sie werden aber, da es ja keine „tätige Reue“ oder „goldene Brücke“ gibt, mit der vollen Strenge des Gesetzes behandelt werden.

    Ich bin fest davon überzeugt, daß das kein Zufall war, sondern politischer Wille! Ein Schlag gegen den Privatwaffenbesitz und gegen gesetzestreue Bürger!

  8. Einiges an Halbwahrheiten in all den Aussagen zum Thema ist da natürlich wieder zu entdecken.
    Meines Wissen nach, gab es vor Jahrzehnten oder auch nachher noch einige Waffenverkäufer, welchen es dem Käufer freigestellt haben ihren Kauf selbst zu melden.
    Wer das nicht getan hat, ist auch nicht registriert und hat somit auch keinen Grund das nachträglich zu tun. Oder?

    • Wer das nicht getan hat, ist auch nicht registriert und hat somit auch keinen Grund das nachträglich zu tun. Oder?

      Man unterscheide die „Meldung“ gem. § 30 WaffG-alt und die „Registrierung“ gem. § 33 WaffG-neu! Zwei völlig verschiedene Paar Schuhe.

  9. Lassen wir uns überraschen – bin neugierig wie es künftig weitergeht.

  10. Pingback: So geht’s also auch! | GunNews

Hinterlassen Sie einen Kommentar!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s