Zu gut, um wahr zu sein

Es ist ja leider so: Wenn etwas zu gut ist, um wahr zu sein, dann ist es auch in 9 von 10 Fällen nicht wahr. So bin ich unlängst etwa über eine „State of the Union“ – Rede, also eine „Rede zur Lage der Nation“, des amerikanischen Präsidenten gestolpert, in der dieser den Befürwortern einer Entwaffnung eine klare, deutliche und eindeutige Absage erteilt hat. Es war aber leider nicht der schwarze Messias im Weißen Haus, der diese Rede gehalten hat, sondern der „virtuelle Präsident“ Bill Whittle.

Whittle ist ein konservativer Publizist, als „Virtual President“ äußert er sich in diversen Videos zu aktuellen Themen; und zwar stets so, wie er es sich von einem konservativen „echten“ Präsidenten wünschen und erwarten würde.

Es ist also kein authentisches Video, das ich hier zeige, es ist nur sehr gut gemacht und geschnitten:

Die Transkription dieser Rede findet man im Original auf der Seite von Bill Whittle, mir hat das aber so gut gefallen daß ich es auch übersetzt habe:

Und nun wenden wir uns der Frage nach der Waffengewalt in Amerika zu. Die jüngsten Schußwaffenattentate in Aurora, Colorado und New Town, Connecticut, haben uns alle – Liberale wie Konservative; Republikaner wie Demokraten – wegen des Blutvergießens erschüttert und angewidert.

Nun aber wollen einige Menschen – darunter viele, die heute in diesem Raum versammelt sind – die Schuld an diesem Horror Dingen wie 30-schüssigen Magazinen oder halbautomatischen Gewehren in die Schuhe schieben. Wir wollen die Schuld irgendwo, egal wo, festmachen, bei etwas, das wir kontrollieren können – was wir aber in Wahrheit verbieten wollen ist Gewalt, ist Mord und ist Wahnsinn! Darüber sprechen wir aber nicht, denn jeder von uns weiß tief in seinem Inneren, daß Gewalt, Mord und Wahnsinn in der menschlichen Natur verankert sind, und daß sich daran wohl nie etwas ändern wird.

Wissen sie, es gibt zwei Arten von Tieren auf dieser Welt: Raubtiere und Opfer.

Niemand sieht zu, wie ein Leopard eine Gazelle jagt und kommt auf den Gedanken, der Gazelle das Recht abzusprechen ihre Hufe und Hörner einzusetzen um sich vor dem Raubtier zu schützen. Sehr wohl aber gibt es heute hier in diesem Saal, aber auch überall im Land, Menschen, die anderen Menschen genau dieses Recht auf Selbstverteidigung vorenthalten möchten. Diese Leute scheinen zu glauben, der beste Weg den Leoparden aufzuhalten wäre es, der Gazelle die Hörner abzuschneiden – daß also, wenn man es dem Raubtier leichter macht, das Raubtier einfach verschwindet! Das ist geisteskrank! Wenn man es den Raubtieren leichter macht – dann bekommt man nur noch mehr Raubtiere!

Kommen wir zu den sogenannten „Angriffswaffen“, richtigerweise eigentlich zu den  halbautomatischen Gewehren. Laut dem FBI gab es 2011 gesamt 8.583 Morde mit Schußwaffen. In diesem Zeitraum belief sich die Zahl jener Morde, die mit Gewehren – mit ALLEN Gewehren, nicht nur mit Halbautomaten – begangen wurden, auf 323. Das sind 3% aller Morde. Hämmer und Knüppel töten um die Hälfte mehr Menschen als Gewehre. Hände und Füße ermorden doppelt so viele; und Messer töten fünf mal mehr Amerikaner als alle Gewehre zusammen.

Vermeidbare medizinische „Kunstfehler“ bringen pro Jahr etwa 98.000 Menschen um: Ärztepfusch tötet in den USA jedes Jahr mehr als zwölf mal so viele Menschen, als ermordet werden. Das sind mehr als 300 mal so viele, als mit allen Gewehren, nicht nur den sogenannten „Angriffswaffen“, ermordet wurden.

Trotzdem spricht niemand über Beschränkungen von Hämmern, oder Messern, oder Ärzten oder Spitälern. Keiner tut das, weil der Nutzen, den wir von Hämmern, Messern und Ärzten haben weit höher ist, als der wahrgenomme Schaden durch deren Mißbrauch. Studien zeigen, daß Feuerwaffen jedes Jahr zwischen 800.000 und über 2 Millionen brutale Verbrechen verhindern. Über Morde, Vergewaltigungen und Überfälle wird berichtet, aber über Morde, Vergewaltigungen und Überfälle, die durch den Einsatz von Feuerwaffen verhindert werden konnten, hört man nichts – so wie ein Flugzeugabsturz groß in den Nachrichten gebracht wird, während die 30.000 sicheren Landungen, die es in diesem Land jeden Tag gibt, keine Meldung wert sind. Die niedrigste Schätzung bedeutet, daß 100 mal mehr brutale Verbrechen durch Feuerwaffen verhindert, als Morde mit Feuerwaffen begangen wurden. Einhundert mal mehr!

Im Oktober 2007 ging Amanda Collins nach einer Abendvorlesung an der University of Nevada in Reno zu ihrem Auto. Amanda hatte eine Trageerlaubnis für ihre 9mm Glock, die sie zur Selbstverteidigung führen durfte. Zu ihrem Pech ist aber die UNR, wie die meisten Universitätsgelände, eine „waffenfreie Zone“. Also hatte sie, gesetzestreue Bürgerin wie sie nun einmal ist, ihre Waffe nicht dabei, als sie in dieser waffenfreien Zone von James Biela angefallen wurde. Biela vergewaltigte sie auf dem Campus, keine 300 Meter vom Posten der Campuspolizei entfernt. Dann ließ er sie dort zurück, wenige Monate später tötete dieses menschliche Raubtier die 19-jährige Brianna Dennison. Amanda Collins sagte dazu: „Ich, als erstes Opfer, weiß, daß Brianna Dennison noch am Leben wäre, wenn ich mich in jener Nacht verteidigen hätte können!“

Deshalb weise ich den (virtuellen) Generalstaatsanwalt an, alle Gesetzesentwürfe für ein restriktives Waffenrecht, die das Recht von Amanda Collins nicht vergewaltigt zu werden und das Recht von Brianna Dennison nicht ermordet zu werden, in Frage stellen, aggressiv anzufechten! Man muß nicht auf seine im 1st Amendment garantierten Rechte (Zusatzartikel zur Verfassung, u.a. Meinungs- und Versammlungsfreiheit, Anm.) verzichten, wenn man nach New York oder nach Chicago kommt, man gibt die im 5th Amendment garantierten Rechte (Rechte des Beschuldigten im Strafverfahren, Anm.) nicht auf, wenn man ein Universitätsgelände betritt. Als (virtueller) Präsident werde ich auf der Stelle, ohne zu zögern und mit großem Vergnügen, mein Veto gegen alle Bestrebungen einlegen die zum Ziel haben, irgendeine der „Bill of Rights“ der Verfassung der Vereinigten Staaten von Amerika zu zerstören!

Denn am Ende des Tages ist klar: Das 2nd Amendment zu unserer Verfassung gibt es nicht, um uns gegen Kriminelle zu schützen. Und die Leute, die nach einem restriktiven Waffenrecht rufen, wissen das auch ganz genau! Deshalb wollen sie Waffenkontrolle, anstatt Kriminalitätskontrolle. Deshalb wollen sie Gesetze, die mit einem Federstrich aus gesetzestreuen Bürgern Kriminelle machen!

Das 2nd Amendment gibt es, um die Bürger Amerikas vor Tyrannei zu schützen.

Das 2nd Amendment gibt es, um die Bürger Amerikas vor Politikern zu schützen.

Das 2nd Amendment gibt es, um die Bürger Amerikas vor … uns zu schützen!

Manche Politiker behaupten, daß Amerika eine Abstimmung über diese Frage zusteht. Okay. Stimmen wir ab! Jene von ihnen, die das Recht der Bürger, Waffen zu besitzen und zu führen, beschränken und antasten möchten, müssen den Bürgern Amerikas nur ein 28th Amendment vorschlagen – darin würde nur stehen: „Das 2nd Amendment zur Verfassung der Vereinigten Staaten ist hiemit aufgehoben.“ Das würde ihnen, übrigens erstmals, die rechtliche Befugnis dazu geben das zu tun, was sie bisher getan haben, und was sie auch jetzt versuchen zu tun, in direktem Verstoß gegen ihren Amtseid die gesamte Verfassung der Vereinigten Staaten zu verteidigen – und nicht nur jene Teile davon, mit denen sie zufällig einverstanden sind.

Gehen sie zum amerikanischen Volk und sagen sie ihm, daß die oberste Macht nicht mehr bei den Bürgern liegt, denen man mit dieser Macht nicht mehr trauen kann! Sagen sie ihnen, daß nur noch die Regierung diese Macht haben kann! Gehen sie und versuchen sie die Bürger der 38 Staaten, die sie für dieses amendment brauchen, zu überzeugen, daß sie mit ihrer Meinung über die Bürger richtig liegen, und nicht die Bürger mit ihrer Meinung über sie! Das trauen sie sich nie!

12 Millionen unbewaffnete Männer, Frauen und Kinder konnten sich nicht gegen ihre Ermordung durch ihre eigene nationalsozialistische Regierung in Deutschland zur Wehr setzen. An die 50 Millionen unbewaffnete Männer, Frauen und Kinder wurden von ihrer eigenen Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken ermordet. 50 Millionen Chinesen wurden von ihrer eigenen Regierung unter Mao, der sie zuvor entwaffnet hatte, ermordet. Und in Kuba. Und Vietnam. Und Kambodscha.

Sie sagen, daß das hier nicht passieren kann? Sie sagen, wir sind geschützt? Wodurch? Durch die Verfassung, die sie gerade zerstören wollen? Sie brechen ihren Amtseid schon allein dadurch, daß sie solche Gesetzesänderungen vorschlagen, geschweige denn sie umsetzen!

Frühere Mitglieder dieses Hauses haben tatenlos zugesehen, als 100 Millionen Menschen ermordet wurden, nachdem sie von ihren eigenen Regierungen entwaffnet worden waren. Jede und jeder einzelne dieser Männer, Frauen und Kinder waren so real, so wertvoll und so unersetzbar wie die Kinder von New Town. Und ich sage ihnen hier und jetzt ganz deutlich: Ich will verdammt sein wenn ich zulasse, daß das auch den Bürgern Amerikas zustößt!

(Übersetzung: ©dagarser)

Klarerweise zielt diese Rede auf die Verhältnisse in den USA ab, wenn man aber den Satz: „Deshalb wollen sie Gesetze, die mit einem Federstrich aus gesetzestreuen Bürgern Kriminelle machen!“ liest, dann fragt man sich, ob Bill Whittle beim Schreiben dieser Zeilen das österreichische Zentrale Waffenregister vor Augen hatte!

Natürlich ist diese Rede zu gut, um wahr zu sein. Aber verdammt noch einmal: Kann man das nicht wahr machen? Es gibt doch gescheite Leute. Man müßte sie nur wählen …

7 Antworten zu “Zu gut, um wahr zu sein

  1. Pingback: Wochenrückblick 29/2014 | dagarser

  2. Pingback: Blogreader | Waffen – Waffenbesitzer – Waffenrecht

  3. Ernest Wimmer

    Vielleicht erreichen wir mit der Petition einen langsamen Meinungsumschwung.Ähnliches dürfte gerade auf einer anderen Front entstehen:hoffentlich hat es sich bald „ausgegendert!“(siehe heutige „Krone“!)Unsere Gegner sind auch dort maßgeblich vertreten!

  4. Leider haben wir hier in Österreich keine solche fiktive Figur wie Bill Whittle.

  5. …dem ist wenig hinzuzufügen, außer der Frage, warum haben wir in Europa keinen „Zweiten Verfassungszusatz“ mit diesen Rechten, begründet mit denselben Argumenten? Weil wir scheinbar süchtig nach Herrschern sind, die uns das Denken abnehmen sollen – und so war und ist es doch immer noch und recht haben sie: Schafe sind eben keine Raubtiere!
    Selbstverantwortung ist in Europa gegenüber Amerika ein Fremdwort.
    Wenn alles der Staat richten soll, dann tut er es auch – aber, es sollte doch keiner glauben, nicht für sich selbst!
    Der Staat, seine Marionetten und Lenker im Hintergrund, entwaffnet, registriert, verbietet, schränkt ein – wozu wohl?
    Da denkt wohl so manch ein Bezirkskaiser oder Pleitebanker, er könnte einem „Sarajevo“zum Opfer fallen….aber, keine Angst, so wichtig seid ihr alle nicht…
    Nachdenken ist, wie Sinowatz einmal meinte, sehr kompliziert und schwierig.
    Solange ich morgens in der U.Bahn Haufen von Menschen ihre Gratis-Blattl lesen sehe, welche nicht im Traum darüber nachdenken, warum wohl so ein Blattl gratis ist, habe ich wenig Hoffnung.

  6. Vielen Dank für die Übersetzung dieser Rede eines „vernünftigen“ Präsidenten bzw. Staatsführers eines jeden Landes. So würde es klingen, wenn jemand tatsächlich das Wohl der Menschen im Fokus hätte und nicht die Agenda verfolgt, die Menschen weiter in Angst zu halten; sie klein und wehrlos zu halten, um leichter über sie herrschen zu können.

  7. Pingback: Zu gut, um wahr zu sein | GunNews

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