Ein Leserbrief ans „WEIDWERK“

Im Editorial des aktuellen „WEIDWERK“ 8/2014 schreibt der Generalsekretär der Zentralstelle Österreichischer Landesjagdverbände, Dr. Peter Lebersorger, über das Ende der Rückerfassungsfrist für den Altbestand der Kategorie-C-Waffen im Zentralen Waffenregister (ZWR). Recht kritisch sieht er die Sache offensichtlich nicht.

Besonders irritiert zeigt sich Lebersorger von der das ZWR „schlechtredenden“ Berichterstattung in den „elektronischen Medien“, man stelle den österreichischen Waffenbesitzer durch „kühne Schätzungen“ als „wenig ruhmreich“ dar.

Das sehe ich – naturgemäß – etwas anders, entsprechend habe ich der Redaktion des „WEIDWERK“ nachfolgenden Leserbrief mit der Bitte um Veröffentlichung zukommen lassen:

Im Editorial des WEIDWERK 8/2014 beklagt Dr. Peter Lebersorger die „schlechtredende“ Berichterstattung „elektronischer Medien“ über das Ende der Rückerfassungspflicht für Waffen der Kategorie C im Zentralen Waffenregister, im selben Atemzug vertraut er auf „einen einheitlichen Vollzug und eine sinnvolle Nutzung des ZWR“.

Soll sein, Lobeshymnen auf das bürokratische Monstrum ZWR und die angenommene Registrierungsmoral sind aber dennoch unangebracht: Mit Stichtag 1.7.2014 waren 856.953 Schußwaffen im ZWR registriert, davon 433.834 Waffen der Kategorie C; Waffenbesitzer waren 240.699 erfaßt. Das ist keine „kühne Schätzung“, sondern es handelt sich um jene Zahlen, die das BMI bekanntgegeben hat.

Es ist aber sicherlich auch keine allzu „kühne Schätzung“, daß jeder Jäger durchschnittlich 2 Kugelgewehre besitzt, das greift bestimmt sogar eher zu niedrig. Nimmt man nun die von der Statistik Austria für das Jagdjahr 2012/13 ausgewiesenen 126.378 Inhaber einer gültigen Jahresjagdkarte heran und behauptet, daß jeder davon durchschnittlich 2 Schußwaffen der Kategorie C besitzt und registriert hat, dann kommt man zu folgendem Ergebnis: Von den 433.834 zum Stichtag 1.7.2014 registrierten Waffen der Kategorie C gehörten 252.756 (oder 58,26%) Jägern, die verbliebenen 181.078 (41,74%) solchen Waffen unterteilen sich auf die übrigen 114.321 oder 47,5% der im ZWR erfaßten Waffenbesitzer, das sind die Sportschützen, die Waffensammler, die Besitzer waffenrechtlicher Dokumente, jene Menschen, die Waffen zur Selbstverteidigung, als Erbstücke oder einfach ohne besonderen Grund besitzen (so wird es bspw. nicht allzu viele Bauernhöfe geben, wo es nicht irgendwo ein registrierungspflichtiges Kleinkalibergewehr „zum Rotzndaschiassn“ gibt).

Es ist ganz klar, daß es unter den verschiedenen Gruppen der Waffenbesitzer auch zu „Überschneidungen“ kommt (etwa wenn ein Jäger gleichzeitig auch Sportschütze ist), unterm Strich muß einem aber die Logik sagen, daß das Verhältnis Jäger : „sonstige“ Waffenbesitzer doch ein wenig anders aussehen muß als 52,5% : 47,5%!

Dr. Lebersorger hat natürlich recht, wenn er schreibt, daß die Zahl der registrierten Waffen „eine Tatsache“ ist, ebenso, daß „die kolportierte Waffenanzahl eine kühne Schätzung“ sei. Es ist aber mindestens ebenso kühn, davon auszugehen, daß die Jägerschaft rund die Hälfte der gesamten Waffenbesitzer in Österreich stellt!

In einem irrt Dr. Lebersorger aber jedenfalls ganz gewaltig: Daß nämlich die (geringe) Zahl der rechtzeitig registrierten Waffen den „österreichischen Waffenbesitzer wenig ruhmreich“ dastehen lasse. Das stimmt nämlich nicht – „wenig ruhmreich“ steht vielmehr das Innenministerium da, das es verabsäumt hat, die Notwendigkeit der (Nach-)Registrierung entsprechend zu kommunizieren und so in der waffenbesitzenden Bevölkerung rechtzeitig ein Problembewußtsein zu schaffen!

Die Leser etwa des WEIDWERK waren in vorbildlicher Weise umfassend informiert – doch woher sollte bspw. der „Huber-Bauer“ wissen, daß er sein Jahrzehnte altes KK-Gewehr bis zum 30.06.2014 nachregistrieren lassen hätte sollen? Aus den Massenmedien wie etwa den Tageszeitungen jedenfalls nicht!

Aus diesem Umstand heraus erklärt sich dann vielleicht auch die eingangs erwähnte „schlechtredende Berichterstattung elektronischer Medien“: Die faktische Kriminalisierung vieler tausender ansonsten gesetzestreuer Waffenbesitzer durch ein eindeutiges Versäumnis des Innenministeriums ist ein demokratiepolitischer Skandal den es aufzuzeigen gilt – statt unreflektiert unangebrachte Jubelmeldungen zu lancieren!

17 Antworten zu “Ein Leserbrief ans „WEIDWERK“

  1. Pingback: Wochenrückblick 32-34 2014 | dagarser

  2. Gerade gefunden.

    Wenn es nicht so traurig wäre

  3. Den Wochenrückblick habe ich auch vermisst.Aber ein paar Tage
    Ruhe sind dir wirklich von Herzen gegönnt.

  4. Nix Neues, kein Wochenrückblick? Muß man sich Sorgen machen?

  5. Jetzt klappt es wieder.

    • Es scheint was mit WordPress gewesen zu sein. Ein Kommentar von mir war kürzlich etwa 12 Stunden verschollen. Ich hatte ihn schon rekonstruiert und neu geschickt, als er wieder auftauchte. EDV=Ende Der Vernunft.

  6. Weder in den Tageszeitungen wurde der gesetzestreue Bürger darüber
    informiert,dass er seine Büchse bis zum 30.06.2014 registrieren muß,
    noch vom BMI wurde der Langwaffenbesitzer- der weder Jäger,Sammler,
    Sport- oder Hobbyschütze ist -von der Verordnung in Kenntnis gesetzt.
    Fazit : Das BMI hat sich mit dem ZWR ins eigene Bein geschossen und viele unbescholtene Menschen nun zu illegalen Waffenbesitzern gemacht.

  7. Hoffentlich ist der nächste Innenminister dem legalen Waffenbesitz gegenüber positiver eingestellt!

  8. Pingback: Ein Leserbrief ans “WEIDWERK” | GunNews

  9. Die Landesjagdverbände als Außenstelle des BMI? Fast hätte man den Eindruck.

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