Der Floh im Ohr

Wenn man über etwas schreibt, dann ist es zweifellos von Vorteil, wenn man zumindest eine rudimentäre Ahnung von der betreffenden Materie hat. Ich kann meinen Lesern beispielsweise  hoch und heilig versprechen, daß ich sie nie mit irgendwelchen komplexen mathematischen Problemen behelligen werde – schlicht und ergreifend, weil ich davon rein gar nichts verstehe und, zugegebenermaßen, auch nichts verstehen will. Das muß ja auch nicht sein, „Schuster, bleib bei deinen Leisten!“

Der kluge und mündige Leser honoriert es auch nicht, wenn ihm irgendein unausgegorener Schwachsinn vorgesetzt wird: Bekäme ich etwa für jeden in den Medien erwähnten „Waffenschein“ (wird in Österreich seit 1996 nicht mehr ausgestellt, auch davor gab es nicht allzu viele) oder für jeden „Revolver im Kaliber 22mm“ (statt etwa einer .22er Pistole) auch nur einen einzigen Euro, dann ginge sich schon ein recht schöner Urlaub aus! So will ich mir aber meinen Urlaub gar nicht finanzieren, viel lieber wäre es mir, wenn ich Medienberichten zumindest noch ein wenig vertrauen könnte. Das spielt’s leider in aller Regel nicht!

Aber man ist ja schon froh, wenn ein Reporter sich seiner Sache nicht ganz sicher ist und – bevor er eine reißerische Story bringt – wenigstens einmal zaghaft nachfragt, ob da überhaupt etwas dran ist – so etwa im Fall von Ryan J. Reilly von der Huffington Post: Reilly berichtete über den Fall des in der US-Kleinstadt Ferguson erschossenen Teenagers und die aus dieser unseligen Geschichte resultierenden Unruhen, dabei entdeckte er ein paar – ihm offensichtlich unbekannte – Objekte aus Gummi und stellte via „Twitter“ die Frage, ob es sich denn dabei womöglich, wie er vermutete, um Gummigeschosse handeln könnte:

Die Antwort auf diese Frage hat er mittlerweile schon mehrfach erhalten, natürlich sind das keine Gummigeschosse sondern vielmehr ganz hundsordinäre Ohrstöpsel, wie man sie in jeder Apotheke, Drogerie oder im einschlägigen Fachhandel zu kaufen bekommt!

Das sollte ein Reporter freilich auch erkennen, ohne zuvor über das Internet groß um Rat fragen zu müssen, auch die ganz klar vorgefaßte Meinung (das müssen ja Gummigeschosse sein!) wirft kein allzu gutes Licht auf die Allgemeinbildung des Journalisten – aber wenigstens ist ihm zugutezuhalten, daß er gefragt hat!

Natürlich hätte er das selbst wissen können und sollen! Natürlich hat er sich durch dieses Posting lächerlich gemacht! Natürlich erkennt man schon durch die Fragestellung, welche Antwort Reilly gerne bekommen hätte!

Aber dennoch wünscht man sich, daß mehr Reporter die Ehrlichkeit (oder doch Naivität?) Reillys besäßen, im Zweifelsfall doch lieber einmal nachzufragen, statt die eigene vorgefertigte Meinung ohne Rücksicht auf Verluste als vorgebliche Wahrheit zu veröffentlichen!

Den Floh, daß Reporter das dürfen, haben ihnen nämlich die Medienkonsumenten durch jahrelange unreflektierte Übernahme aller solcher Falschmeldungen ins Ohr gesetzt. Und dieser „Floh“ ist viel gefährlicher, als es Ohrstöpsel je sein könnten. Oder auch Gummigeschosse …

14 Antworten zu “Der Floh im Ohr

  1. Pingback: Wochenrückblick 32-34 2014 | dagarser

  2. Inzwischen stinkt die ganze Geschichte zum Himmel. Der Zeuge der den Polizisten belastet, wird durch den Autopsiebericht völlig diskreditiert. Ein Detail darin spricht aber auch gegen den Polizisten.
    Aber Fakten interessieren nicht. Wieder wurde „ein schwarzer Teenager“ erschossen. Die Tatsache, daß er gebaut war wie ein Panzer fällt unter den Tisch. Ebenso seine etwas fleckige Vita.
    Welt und Krone zensieren oder unterdrücken mißliebige Kommentare.

  3. Ein anders Beispiel : Wenn bei vol.at ein Bericht über einen
    Missbrauch mit einer Luftdruckpistole geschrieben wird –
    ist im Symbolbild ein großkalibriger Revolver zu sehen !

    • Und es steht auch dabei, Kaliber 4,5 cm! (Na, wenn das nicht großkalibrig ist! (ggg)
      Tut mir leid, aber beim heutigen „Zeitgeist“ kann ich leider nicht alles ernst nehmen, denn sonst wäre das Leben für mich nur mehr im Suff zu ertragen!
      MfG.

      • Gebe dir vollkommen Recht.Ich trinke schon 35 Jahre keinen
        Alkohol mehr,aber der heutige „Zeitgeist“ der vielen unqualifizierten
        Journalisten ist heute nüchtern sehr schwer zu ertragen.

  4. Darüber kann man ja wenigstens noch lachen. Über andere Blödheiten weniger.

  5. …..seid doch nicht so streng mit all den armen Schreiberlingen! Der hat doch auch Frau und Kinder zu Hause und Raten zu bezahlen und wenn der nicht „Auflagengerecht“ – im Sinne der Herausgebers schreibt, ist er gefeuert. Wahrheit richtet sich immer nach der Interessenslage – was wollen die Leute überhaupt von mir hören….ein Blick in die eigene Medienlandschaft und vor allem was das Propagandaministerium von sich gibt, genügt…..
    Von einem Lohnschreiberling mehr zu erwarten als seichte Unterhaltung mit gelegentlichem Informationswert, wäre vermessen – leider!
    So bleibt nur der harte, langwierige Weg,sich aus vielen Quellen, selbst eine der Wahrheit ähnliche Information zu beschaffen – der heiße Tipp dazu wäre, Geschichte gründlich zu lernen – wie schon Kreisky nicht zu Unrecht von den Herrn Reportern verlangte, denn dort steht jede Wahrheit drinnen – die Geschichte wiederholt sich nämlich ununterbrochen….eine weniger mühsame Lösung kenne ich leider nicht….

    • „…Geschichte gründlich zu lernen… denn dort steht jede Wahrheit drinnen…“

      Sagte nicht einmal, ich glaube Napoleon: “ Geschichte schreibt der Sieger“!?
      War nicht bös‘ gemeint, habe auch ein „Daumenhoch“ vergeben! (ggg)
      mfG

  6. Genau – bei vielen Journalisten ist auch eine Smith&Wesson Drehpistole
    immer ein „Colt“.

  7. Hat dies auf Longcolt rebloggt und kommentierte:
    Mit ein Grund warum sich die Fantasien von Reportern ungehindert in den Äther ergießen, ist die unreflektierte Aufnahme ihrer Ergüsse durch die Medienkonsumenten. Es wird nicht hinterfragt, es wird einfach nachgeplappert!
    Ein Beispiel gefällig?
    Schaut beim dagarser vorbei und lest seinen Blog. Es lohnt sich!

  8. Nun ja, hier hat er nachgefragt……… aber wenn er schon über den Vorfall in Ferguson berichtet, hat er sich dann anderweitig auch klug gemacht? Oder geht er da auch mit Lieschen Müllers Vorbildung heran?
    Bei Betrachtung der US Medienberichte ist die Sache lang nicht so klar, wie sie auf dieser Seite des Stlantiks erscheint.

  9. Pingback: Der Floh im Ohr - GunNews

  10. Die „Frage“ war gut, kommt aber nicht an den „ACAB-Skandal“ vor einigen Jahren heran, als ein Journalist „Acab“ für einen türkischen Vornamen hielt. Tatsächlich sind es die Anfangsbuchstaben der Aussage, die schon von der Skinheadbewegung im England der 60er Jahre kreiert wurde: „all cops are bastards“. Deutschland, allen voran natürlich die entsprechenden Subkulturen und Szenen, wieherten vor Lachen. Mann muss nicht wissen, was ACAB bedeutet, aber man muss als Journalist wissen, wie Google funktioniert. Dann hätte er nämlich in wenigen Sekunden die Bedeutung dieser Abkürzung gewusst. Kann man machen, muss man aber wohl nicht. Manche fragen eben lieber „eine Lehrerin“….

  11. Diese Schmierfinke dürfen ungestraft alles in Umlauf bringen- und vielfach wird der Schmarrn, den sie verzapfen, auch noch geglaubt…

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