Ein „Sommergespräch“

Die parlamentarische Petition „Mehr Sicherheit durch ein liberales Waffengesetz“ ist – man muß es leider so sagen – derzeit sehr stark ins Stocken geraten: Nach einem tollen Beginn „tröpfeln“ die „Unterschriften“ derzeit nur noch ein, die Petition hält mit heutigem Stichtag gerade einmal bei etwas über 3.100 Zustimmungserklärungen – nicht wenig, aber weiß Gott auch nicht viel! Noch ist aber rund ein Monat Zeit, hier Ergebniskorrektur zu betreiben, noch kann man diese Petition unterzeichnen, noch kann man Werbung dafür machen. Daß eine solche Werbung aber gerade vom ORF kommt hätte ich ehrlich gesagt nicht erwartet:

Dort war nämlich gestern die Klubobfrau des „Team Stronach“, Dr. Kathrin Nachbaur, beim „Sommergespräch“ mit Peter Resetarits zu Gast; da die Waffengesetz-Petition durch die Team-Stronach-Mandatarin Martina Schenk eingebracht wurde, kam diese Petition auch dort zur Sprache. Aber nicht etwa bloß als „Fußnote“, von den rund 50 Minuten Sendezeit wurden über 8 nur diesem Thema gewidmet – und das bei (lt. ORF-Teletest) 588.000 Zusehern!

Natürlich wurde das Thema „Waffen“ vom ORF bzw. von Interviewer Resetarits nicht objektiv dargestellt  (das wäre wohl die Sensation des Jahres, was heißt, des Jahrzehnts gewesen!), das war aber nicht weiter tragisch, da Kathrin Nachbaur alle unsachlichen Anwürfe durchaus souverän widerlegt hat. Ein paar Eindrücke:

Zunächst fragte Interviewer Resetarits, weshalb das „Team Stronach“ diese Petition überhaupt eingebracht habe. Nachbaur erklärte darauf, daß die Registrierungspflicht für alle Schußwaffen erst durch eine EU-Richtlinie notwendig wurde, Österreich hier wieder einmal als „Musterschüler“ aufgetreten ist, die Umsetzung unnötig beschleunigt und so Waffenbesitzer in die Illegalität getrieben hat. Grundsätzlich meinte Nachbaur:

Das Problem ist vielmehr die Kriminalität, die illegalen Waffen sind das Problem, nicht die legalen, und ich glaube in der Kriminalität da gibt es sehr, sehr viel Handlungsbedarf, die Menschen fühlen sich unsicher – da soll die Regierung ansetzen, und nicht die legalen Waffenbesitzer kriminalisieren!

Das hat dem Herrn Resetarits natürlich gar nicht gefallen, er meinte dazu „Zu Vorschlägen zu einem liberaleren Waffenrecht gibt es natürlich verständlicherweise auch viel Kritik …“, mit dieser „Überleitung“ ging es weiter zur Einspielung eines Beitrags mit einem Wiener Rechtsanwalt, der sich klar gegen eine Liberalisierung des Waffengesetzes positionierte.

Altbekannte, falsche Argumente die man hier nicht wiedergeben muß, ein paar Worte zu dem Rechtsanwalt, Dr. Wolfgang Gappmayer, will ich aber schon verlieren: Gappmayers Vater wurde 1997 bei einer Bluttat im Salzburger Mauterndorf neben weiteren Opfern erschossen – daß man da womöglich einen ganz eigenen Zugang zum Thema „Waffen“ hat ist menschlich verständlich und sei unbenommen. Weshalb Gappmayer aber im ORF-Beitrag laufend als „Opferanwalt“ tituliert wurde, obwohl seine Tätigkeitsschwerpunkte laut seiner Webseite Zollrecht, Öffentliches Recht, Allgemeines Zivilrecht, Kunst- und Kulturrecht sowie Agrar- und Umweltrecht sind wird wohl ein Geheimnis des ORF bleiben. Obwohl ich da eine Vermutung habe: Gappmayer hat zum Thema „Aktuelle Probleme zum Opferbegriff und der juristischen Prozessbegleitung im österreichischen Strafverfahrensrecht“ dissertiert, betreut wurde diese Arbeit u.a. von einem gewissen Hon.-Prof. Dr. Udo Jesionek. Wer diesen Herrn und sein „Wirken“ kennt, der weiß, woher der Wind weht …

Doch zurück zum „Sommergespräch“. Auf die Meinung Gappmayers, daß das Waffengesetz nicht liberalisiert werden solle replizierte Nachbaur, daß man nicht alle Probleme durch Ge- oder Verbote lösen könne:

Es wird sich leider nie jeder Mensch kontrollieren lassen, und wenn jemand verrückt ist und ein Wahnsinniger, dann kann man das auch nicht durch gesetzliche Regelungen in den Griff bekommen.

So ist es, das muß jedem, der für mehr als 5 Cent Verstand hat, einleuchten!

Schließlich äußert sich Nachbaur auch noch zu ihrem persönlichen Zugang zu Waffen:

Ich besitze selbst keine Schußwaffen, bin auch keine Jägerin und würde mir auch keine Waffe zulegen, aber wenn ein Bürger einen einwandfreien Leumund hat und das psychologische Zeugnis erfolgreich abschließt, dann soll er das Recht haben, sich eine Waffe anzuschaffen …

Auch sehr vernünftig: Keiner soll Waffen haben müssen – aber dürfen sehr wohl!

Zusammenfassend: Vom „Team Stronach“ kann man halten, was man will – zum Thema „Waffenbesitz für anständige Bürger“ ist diese Partei aber eindeutig und vernünftig positioniert! Chapeau! Schon allein deshalb hätte sich die Petition „Mehr Sicherheit durch ein liberales Waffengesetz“ wesentlich mehr Unterstützungserklärungen verdient – und zwar von jedem einzelnen Waffenbesitzer, der auf sein Recht Wert legt!

P.S.: Hier der Sendungsausschnitt zum Thema „Waffenrecht“ aus der ORF-TVthek. (bis 25.08.2014 online)

P.P.S.: Weil’s so herzig ist, hier noch ein Kommentar von Peter Resetarits zur Waffenanzahl in Österreich: „800.000 registrierte Waffen, mehr als 800.000 registrierte Waffen, gibt’s in Österreich, die illegalen schätzt man noch einmal glaub‘ ich auf soviel‘, also eineinhalb Millionen Waffen in Österreich – könnte man glauben, daß eigentlich genug sind!“ Ja. Eh. Und dann ist er munter geworden und die Bettdecke war schwanger …

22 Antworten zu “Ein „Sommergespräch“

  1. Pingback: Wochenrückblick 32-34 2014 | dagarser

  2. Die Waffen sprudeln nur so aus den Waffenfabriken heraus und wollen alle verkauft sein!

    Wohin landen den eigentlich alle diese Waffen?

    Registriert lassen sie sich leicht feststellen.

    Die Unregistrierten Waffen müssen erhoben werden, alle Waffen mit einem Ortungsgerät ausstatten, dann ist eine Gleichstellung möglich.

    Ortungsgeräte schon ab Fabrik als fixen Bestandteil mit der Waffe mit liefern.
    Die Freiheit sich selbst zu verteidigen muss einen jeden Bürgern, seine oberste Aufgabe, ja Pflicht sein.
    Wenn ich überfallen werde, so kann ich nicht warten, bis die Polizei von irgendwoher zu mir kommt, wenn überhaupt einer abkömmlich ist, um mich zu schützen oder beizustehen.

    Eine bewaffnete Vorbeugung lässt die Verbrecher abschrecken.

    Damit verhindert man Verbrechen, die heutzutage rasant zunehmen!

    • Also ich will ganz sicher keine mit irgendeinem „Ortungsgerät“ ausgestattete Waffe haben!

      • Ich auch nicht! Keinesfalls! Wäre doch wieder ein Schritt zur totalen Kontrolle! Und „sprudeln“? Höchstens bei Waffen für Kriegs- und Kampfeinsätze! Und das hat weder etwas mit Jagd-, Sport- und Sammlerwaffen zu tun!
        Was soll ich also von diesem Kommentar halten?

    • Für mich ziemlich unausgegoren, dieser Vorschlag. Mir ist schon unangenehm, dass aufgrund des Handy-Bewegungsprofiles meine jeweiligen Aufenthaltsorte nachvollziehbar sind, ich brauche daher keine zusätzliche Kontrollmöglichkeit. Aber vielleicht lassen sie mich wissen, wie sie eine nach Österreich eingeführte, illegale, von einem hochkriminellen entsprechend bearbeitete Waffe orten wollen. Und schlussendlich stellt sich dann noch die Frage der Kosten, der Handlich- oder Tragbarkeit. Aber meine allergrößte Sorge ist nach wie vor die Ausweitung des Überwachungsstaates, womöglich bis zur totalen Entmündigung.

  3. Philipp Hintermüller

    1) also die IWÖ-Seite bei Facebook gibts schon: https://www.facebook.com/pages/IW%C3%96-Interessengemeinschaft-Liberales-Waffenrecht-in-%C3%96sterreich/185470331579315?ref=ts&fref=ts
    Ist das etwa nicht die offizielle FB-Seite der IWÖ?

    2) die Petition habe ich schon unterzeichnet und auch entsprechend in meinem Umfeld (Verein) beworben 😉

    • Sg Hintermüller !
      Das ist mir bekannt ! Ich meinte bezüglich der Petition eine Interessensgruppe zu gründen um sie zu bewerben

  4. Eine Facebookgruppe ins Leben rufen mit dem Logo der IWÖ ?
    ist nur ein Vorschlag ! Aber vielleicht hilfreich

  5. Hab es mir erst heute anschauen können, aber die Dr. Nachbaur hat sich gut geschlagen. Der Sohn des Opfers muß sich die Frage gefallen lassen, ob er weiß, daß sein Vater mit einer illegalen Waffe erschossen worden ist. Damit ist das ganze Gejammere ad absurdum geführt.

  6. …ist das unsere Mentalität – das Wurstigkeitsgefühl?…“
    Ja, leider ja! Ich erlebe es immer wieder in der Kantine! Hab’s eh‘ schon öfters gepostet! Bei Tisch die GroGo und lautstark was man (die anderen natürlich) da alles machen sollte! Aber selbst schön in Deckung bleiben!!!
    Was habe ich mir wegen der Petition alles anhören müssen! Von: „Is’eh a bledsinn“, über „bringt eh‘ nix“ zu „Soll’n die andern unterschreiben, I net“!!!
    Ja, solange das Schnitzel und das Bier…!!!
    Traurig, traurig, traurig und mir kommt gleich das Kotzen!!!

    • Mein vorheriger Kommentar, hätte als Antwort auf Adolf Zeliskas Kommentar folgen sollen. Ist leider irgendwie schief gegangen!

  7. Diese Dame ist gut und um die, braucht man sich keine Sorgen zu machen, aber es kam, so wie ich es zu Anfang sagte: Mir san zwar fesch, aber feige!
    Am Stammtisch große Worte, aber sonst? ? ?
    Heimat bist du großer W….

  8. Das BZÖ und das Team Stronach – beide für ein liberales Waffenrecht –
    sind (leider?) die Parteien – die nicht in die Waagschale fallen.

  9. Na ja,
    es hat also im Sommergespräch der Resetarits genau so wenig gepunktet wie zuvor die anderen Muppet´s des ORF´s in den Jahren davor.
    Wenn man befangen ist und sein Geld über die österreichische Politik (ORF) verdient, kann es nie zu einem freien oder fairen Gespräch mit den Politikern kommen.
    Tendenziös und dämlich war natürlich neben Resetarits auch der Rechtsanwalt.
    Aussagen wie der Täter bereute seine Tat mit der Waffe, oder 800000 Waffen seien genug, sind ja nicht gerade intelligente Aussagen oder Urteile über die Sache zum legalen Waffenbesitz.

  10. Pingback: Ein “Sommergespräch” - GunNews

  11. Ich weiß nicht was in den Köpfen der österr. Waffenbesitzer vorgeht,
    denn erst 3.100 haben die Petition unterschrieben – ist das unsere
    Mentalität – das Wurstigkeitsgefühl ? Dann ergeht es uns wie den bayr.Nachbarn bei der Volkabstimmung über das Rauchen im
    Gastgarten.Zu wenig Tabakkonsumenten sind zur Urne gegangen
    um ihr Recht zu verteidigen – so wurden sie von den Nichtrauchern
    überstimmt und das Rauchverbot in Gastgärten ist in Kraft getreten.

  12. Nur leider wird uns das alles nichts nützen, weil das Team Stronach ist unweigerlich dem Untergang geweiht. Vielleicht findet Fr. Nachbaur bei einer Partei, die es mit dem Waffenbesitz ähnlich sieht, Unterschlupf. Zu wünschen wäre es ihr; und falls sie doch den Jagdschein machen sollte, lade ich sie gerne einmal ein…

    • So wird es wohl sein.

      Aber wenigstens war das Thema „Waffenbesitz“ wieder einmal an prominenter Stelle im Fernsehen vertreten und es blieb dabei nicht jeder Blödsinn unwidersprochen. Ist ja auch was wert…

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