Ein lesenswertes Interview

Gestern bin ich zufällig über ein Interview „gestolpert“, das der deutsche Psychologe Dietmar Heubrock dem Magazin „fluter.“ zum Thema „Waffen“ gegeben hat. Zunächst habe ich mich noch über den reißerischen Titel „Haben wir denn alle einen Knall? – Warum gibt es so viele Menschen, die gerne ballern?“ geärgert, bei der Lektüre des Interviews ist dieser Ärger aber rasch verflogen und zunehmender Begeisterung gewichen.

In seinen Antworten beweist Professor Heubrock großen, in meinen Augen für Psychologen eher unüblichen, Sachverstand, der geschäftsführende Direktor des Instituts für Rechtspsychologie der Universität Bremen räumt mit Vorurteilen auf, spricht über die vernachlässigbare aggressionsfördernde Wirkung von Computerspielen und erteilt Waffengesetzverschärfungen eine klare Absage!

Hier ein paar Auszüge aus dem Interview, ich sage nur: Hut ab!

Heubrock zur „Faszination des Menschen mit der Waffe“:

Waffen hatten immer eine lebenserhaltende Bedeutung. Waffen haben die Lebensgrundlage für die Familie oder für den Stamm gesichert. Deswegen wurde aus Waffen häufig ein Kult gemacht. (…) Die Bedeutung der Waffe steckt also tief in uns drin.

Waffen sind also nicht „böse“, sondern ein elementarer Teil unseres gesellschaftlichen Erbes. Ist ja ganz klar, ohne Waffen wäre der Mensch schon längst ausgestorben – was denn sonst?

Zu Spielzeugwaffen für Kinder äußert sich Heubrock wie folgt:

(…) Das Spielen mit Waffen führt nicht zwangsläufig dazu, dass sich jemand zu einem Amokläufer oder Waffennarr entwickelt. Waffen an sich machen nicht krank. (…)

Natürlich nicht! Waffen können nicht einerseits das (Über-)Leben der Menschen gesichert, andererseits die Menschheit krank gemacht haben. Das wäre ein gewaltiger Widerspruch und dessen ist sich Heubrock – im Gegensatz zu ideologisch verbohrten Waffengegnern – wohl bewußt. Ein kluger Mann!

Zur Frage, ob Computerspiele oder Waffen als „Aggressionsbeschleuniger“ wirken würden:

Das ist reine Ideologie. Es ist nicht populär, das zu sagen. Aber wie Mädchen lieber zu einer blonden Barbie greifen, nehmen Jungs halt lieber eine Knarre in die Hand. Jungs wollen sich mächtig fühlen. Wie eben die Krieger, die früher ausgezogen und mit einem erlegten Mammut zurückgekehrt sind und denen dafür Respekt entgegengebracht wurde. Und natürlich posieren Jungs deswegen heute noch gern mit Waffen. Das bedeutet aber nicht, dass sie dann tatsächlich auf Menschen schießen. (…)

Sunt pueri pueri, pueri puerilia tractant. Kinder, besonders Buben, haben immer schon mit Waffen (bzw. Spielzeugwaffen) gespielt. Auch hier: Deswegen ist die Menschheit ja auch noch nicht ausgestorben!

Darauf angesprochen, ob es sich dabei nicht um Geschlechterklischees handeln würde, meint Heubrock:

(…) Um ein solches Klischee handelt es sich, wenn wir die Geschlechterunterschiede, gerade die angeborenen, künstlich wegdiskutieren, weil sie nicht in unser Wunschdenken passen. Ich halte es für aufrichtiger, diese Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen auch offen zu benennen, und wir kommen dann einer sachlichen Diskussion über die zeitweise Faszination für Waffen von Jungen auch näher; (…). Ich denke, das würde die gesamte Diskussion um Waffen und ihre Bedeutung in unserer Gesellschaft entspannen.

Eine Aussage, die auch abseits der Diskussion rund um das Waffenthema uneingeschränkte Gültigkeit besitzt! Schön, daß auch einmal vernünftige Positionen zu diesem Thema in unserer Zeit der fast schon wahnhaften ideologischen „Gleichstellung“ von Mann und Frau veröffentlicht werden.

Zu Tötungsdelikten mit legalen Schußwaffen:

(…)  Die meisten Tötungsdelikte sind innerfamiliäre Eskalationen. Und da geht jemand, der zum Beispiel Jäger ist und deshalb eine Waffe besitzt, ja nicht an seinen Tresor, schließt auf, holt die Büchse heraus und erschießt damit seine Frau. In dieser Zeit wäre der Affekt längst verpufft. Meistens greift man dann eben in den Messerblock und zieht das Fleischermesser heraus.

So ist es und nicht anders. Und das sagt ja nicht nur der Professor Heubrock, sondern das geht auch ganz deutlich aus der Kriminalstatistik hervor. Aussprechen tut das aber nur der Psychologe.

Ich könnte hier noch lange weiterzitieren, da gibt es noch sehr viele hervorragende Aussagen von Professor Heubrock. Kann man aber auch viel einfacher haben: Ich empfehle meinen Lesern ausdrücklich die Lektüre des Interviews – ist doch schön, wenn man auch einmal abseits der ohnehin schon bekannten Publikationen grundvernünftige Äußerungen zum Thema „Waffenbesitz“ findet:

Haben wir denn alle einen Knall?“ – Interview mit Prof.Dr. Dietmar Heubrock im Magazin „fluter.

13 Antworten zu “Ein lesenswertes Interview

  1. Pingback: Wochenrückblick 37-38/2014 | dagarser

  2. Prof. Dr. Heubrock ist auch in der Studiengruppe “Waffenrecht” der Uni Bremen zu finden. Einige der öffentlichen Publikationen sind sehr interessant:
    http://www.waffenrecht.uni-bremen.de
    Es gibt neben der psychologischen Forschung auch einige Soziologen, die ordentliche Arbeit leisten. Professor Hitzler zum Beispiel:
    http://www.hitzler-soziologie.de/Projekte/schuetzen.html
    Hitzler ist der Doktorvater von Dr. Arne Niederbacher, der die soziologische Studie “Faszination Waffe” geschrieben hat.
    http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/interview-die-motivation-ist-die-waffe-161825.html

  3. Ein 3-fach Hoch dem Professor Heubrock!!!

  4. Prof. Dr. Heubrock ist nebenbei auch Jäger (steht auch so in dem Interview) und – was noch viel wichtiger ist: anerkannter Sachverständiger der Bundesregierung im Bezug auf das Waffenrecht.

    Er war bei allen drei großen Anhörungen der Sachverständigen zum Waffenrecht Referent und wurde auch von einigen Landtagen befragt. Dummerweise folgen Politiker lieber den Meinungsumfragen als dem Sachverstand der Experten.

    Es freut mich ungemein, dass die Bildungszentrale für politische Bildung beim Thema Waffen mit seinem Interview die Serie gestartet hat. Schau ich mir die anderen Themen bei fluter an, so werden in Kürze wohl noch etliche Artikel folgen. (Das letzte Thema hatte 40 Beiträge).

    Zwischenzeitlich (auch unter schwarz-gelber Regierung) hatte ich die Vermutung, dass die BpB extrem linkslastig sei, aber vielleicht wurden ja in den letzten vier Jahren auch einige Redaktionsstellen anders besetzt.

  5. ….es ist ja nicht so, daß intelligente Leute diese Problematik nicht durchdenken und ihre Richtigkeit sehen könnten, aber dann kommt der Eigennutz hinzu und der sagt: Es laufen doch hauptsächlich nur Idioten umher und es ist besser, denen keine Waffen zu geben. Wenn da der Eine oder Andre dadurch schutzlos ist – was kümmert denn uns das?
    Wir sind die Oberen und ihr seid die Unteren – Basta!
    Das Wetterleuchten am Horizont verheißt nichts Gutes und verstärkt die Angst derer, die es sich gerichtet haben, wie die Maden im Speck.
    Schweizer sind anscheinend aus dieser Sicht gesehen Götter – oder wie kann es sein, daß jeder Schweizer Soldat ist, ein Sturmgewehr und beliebig viele anderen Waffen zu Hause hat und es trotzdem eines der sichersten Länder der Welt ist – oder besteht da gar ein Zusammenhang?
    Fragen über Fragen türmen sich vor uns auf, oder gibt es in der Schweiz womöglich auch Demokratie – im Sinne des Wortes?

  6. Danke Robert für diesen Beitrag.Es gibt eben doch noch intelligente
    Menschen die das Waffenthema aus einem anderen Blickwinkel sehen
    und positiv über den privaten Waffenbesitz urteilen.

  7. Sehr vernünftig!Sollten einige unserer Pseudowissenschaftler auch lesen!

  8. Pingback: Ein lesenswertes Interview - GunNews

  9. Vielleicht kehrt doch auch in diesem hochstudierten Umkreis ein bisschen Vernunft ein- oder wird der Vernünftige von den anderen, die auf dieser, derzeit modernen, links-rot-grünen Idioten-Welle schwimmenden Waffengegnern nieder geknüppelt- hoffen wir…

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