„Sie trugen seltsame Gewänder…

… und irrten planlos umher“. Ein sattsam bekannter Spruch ungewissen Ursprungs, angeblich aus der Bibel. Irgendwie erinnert mich das an die selbsternannten „Sportschützen“ in ihrem bunten Fummel, die ihre Art der Sportausübung und des Waffenbesitzes als die einzig wahre, segensbringende und legitime ansehen.

Wenn wir schon bei der Bibel sind, dann aber richtig. Thema: Babylonische Sprachverwirrung. Wer oder was ist eigentlich ein „Sportschütze“? Ist das lediglich derjenige, der „olympisch“ schießt? Nur der, der sich in Sportordnungen zwängt bzw. zwängen läßt? Wenn dem so ist dann oute ich mich hier gleich einmal, dann bin ich nämlich kein Sportschütze. Ich schieße nämlich quer durch den Gemüsegarten alles, ohne Leistungsdruck, schlicht weil es mir Freude bereitet. Ich schieße auch vereinsinterne Bewerbe, komme dabei meist im Mittelfeld zu liegen und freue mich darüber. Wenn ein Schützenkamerad sagt „Schießen wir uns ein Bier aus?“ habe ich noch nie gekniffen, auch wenn mir der Ausgang oft klar war.

Ist sportliches Schießen gegenüber dem „knallharten“ Leistungssportschießen denn wirklich so viel anders? Ist der Hobbyschütze der am Wochenende zum Spaß ein, zwei Schachteln KK verballert tatsächlich „schlechter“ als „ernsthafte Schützen“ nur weil er nicht wie ein Paradiesvogel gekleidet daherkommt und die Welt für ihn nicht untergeht wenn er einmal nicht im Schwarzen ist?

Niemand muß freiwillig Sport betreiben, wer es aber möchte soll das auf seinem persönlichen Level tun können, ob er sich dann steigert, stagniert oder gar mit der Zeit abbaut ist lediglich sein Kaffee. Der Hobbyfußballer vom FC Unterstinkenbrunn wird sicherlich nie in der Champions League spielen (obwohl er womöglich technisch besser ist als so mancher drittklassige Legionär der das Geld in den A…. geblasen bekommt), dennoch betreibt er Sport und kann sich mit Fug und Recht als Sportler bezeichnen. Warum soll das im Schießsport denn anders sein? Ein Profifußballer der die Hobbyfußballer verächtlich macht gewinnt dadurch nichts, er verliert aber viele Fans, darum wird er das auch tunlichst unterlassen wenn er mehr Hirn hat als eine Amöbe.

Sport kann man betreiben, muß es aber nicht. Spaß am Sport ist da ein ganz wichtiger Faktor, wenn’s keinen Spaß macht wird man das nicht lange machen. Natürlich ist es legitim wenn man sich den Spaß aus dem Brechen oder Halten von Rekorden herleitet, ebenso ist es aber legitim wenn man den Sport nur aus „Spaß an der Freude“ ausübt. Wer als auf dem hohen Roß sitzender „Sportschütze“ den „Freizeitschützen“ – womöglich horribile dictu einer anderen Disziplin – die Sportlichkeit aberkennt mag selbst ein hervorragender Sportler sein. Aber Schütze ist das keiner.

16 Antworten zu “„Sie trugen seltsame Gewänder…

  1. Pingback: Wochenrückblick 31/2012 | dagarser

  2. Ich kann solches Gehabe nicht nachvollziehen. In unserem Verein sind viele gute Schützen, die vordere Plätze bei Meisterschaften des BDS belegen. Mein Sohn hat vier Starts bei den Deutschen Meisterschaften des DSB erreicht und mein jüngerer Sohn schießt Luftgewehr just for Fun. Mir ist jedes Mitglied willkommen. Übrigens kenne ich auch unseren Vertreter in London im Olympisch Match, Daniel Brodmeier. Mit ihm kann man sich stets von Schütze zu Schütze unterhalten und er ist sich nicht zu Schade, an einem einfachen Landkreispokalschiessen bei uns teilzunehmen. Jeder Schütze ist wichtig. Dass es solche überheblichen Typen vor allem in Deutschland geben soll, kann ich nicht bestätigen, aber dass es sie gibt, ist augenscheinlich wahr.

    • Woife, die hier gelegentlich aufgespießte Mentalität mancher (!) DSB-Schützen lässt sich ja noch präziser verorten. Interessanterweise ist sie ja nicht (!) typisch für die Führungsspitze des Deutschen Schützenbundes und auch nicht für die meisten Leitungen der 20 Landesschützenverbände (Ausnahmen Niedersachsen, NWDSB, Hessen).
      Ich denke eher, es liegt am (Jugend)Kadersystem und dort wiederum vor allem an den Trainern. Der Fall Schlatter passt da ganz gut hinein.

  3. Eigentlich ist eine solche Einstellung im oesterreichischen Schiessport nicht soooo verbreitet.

    In meinem angestammten Bereich (IPSC), ist es sowieso ueblich, dass sich Durchschnittsschuetzen wie ich mit Welt- und Europameistern aller Nationalitaeten auf Augenhoehe unterhalten.

    Aber auch von ISSFlern wurde ich mit meiner billigen russischen .22er Grammel freundlich auf Bewerben empfangen, oder bekam Komplimente bei einem einmaligen Versuch in LP 5.

    Allerdings kommen einem an meinem derzeitigen Wohnort solche seltsamen Saeulenheilige schon ab und an unter. Scheint also ein deutsches Phaenomen zu sein.

    • Der Artikel ist auch mehr auf Deutschland gemünzt, wobei es solche Kleingeister auch bei uns gibt. Geschrieben habe ich das aber hauptsächlich wegen diverser Angiftungen durch Sport- , pardon, „Meisterschützen“ in Folge meiner „Brunnenvergifter“-Artikel.

      Lehrbeispiele für Intoleranz.

      • Wobei aber gerade im besagten Forum einer derjenigen, welcher am härtesten auf diesem verquasten einschränkenden Sportbegriff rumreitet, ein Österreicher ist.

        Das aber auch nur als kleine Anmerkung.

        Und das ’seltsame Gewand‘ macht schon Sinn, wenn man auch mal 60 Schuss Liegend durchzieht. Mein ja nur. Leben und leben lassen.

        Probleme haben wir ja schon mehr als genug durch diese ganzen Antis und Verbotsforderer. Da sollte man doch eigentlich annehmen, dass es nicht nötig ist, sich untereinander auch noch zu bekabbeln. Ja sollte man eigentlich annehmen. Schön wäre es.

        Mit bestem Schützengruß

        Murmelchen

        • Das mit dem „seltsamen Gewand“ war natürlich bewußt provokant formuliert, ich will ja Diskussionen haben, da muß man aber auch etwas zur Diskussion stellen.

          Ich denke aus meinen Beiträgen geht schon hervor daß aus meiner Sicht ein jeder nach seiner Façon glücklich werden soll, solange er das allen anderen auch zugesteht.

        • Wobei aber gerade im besagten Forum einer derjenigen, welcher am härtesten auf diesem verquasten einschränkenden Sportbegriff rumreitet, ein Österreicher ist.

          Habe gerade gesehen wen Du meinst. Was soll ich sagen? Ich kann für meine Landsleute nichts…

        • Vieleicht sollten diese Disziplinen einmal ueber ein bischen „Abruestung“ nachdenken.

          Fuer mich sind sie aus finanziellen Gruenden nicht zugaenglich. Da muesste ich IPSC aufgeben.

          Was macht da ein Jugendlicher der noch aus dem Zeug rauswaechst ?

  4. Oh Gott, das war wieder ein Artikel – so ganz nach meinem Geschmack.
    Danke dafür. Endlich eine verwandte Seele.

  5. wir haben bei uns auch viele leute die von wettkampf zu wettkampf fahren aber zum glück werden da keine unterschiede bei uns gemacht. egal ob du nur mal so zum spass schiesst oder hart trainierst ist dort zum glück egal. da achtet der eine auf den anderen und wir geben uns gegenseitig tips. da kann ich ja sehr froh sein das bei uns alle zusammen halten und freizeit schützen auch sportler bei uns sind.

  6. Ich war in meiner Jugend auch Leistungssportler. Mir wäre aber nie in den Sinn gekommen auf jene, die lediglich zum Spaß mitgemacht haben, hinabzuspucken.

    Leider passiert das gerade in Deutschland. Dabei merken sie gar nicht, daß sie bald nur noch zielen werden dürfen, ganz ohne „Bumm.“

  7. ….das Wort, sportlich, beinhaltet für richtige Sportler immer auch das Wort, Respekt, vor der Leistung Anderer.
    Kein Spitzensportler wird jemals die Leistung eines Amateurs, der sich nach Kräften bemüht, jemals abwerten, denn er kennt den Weg ja selbst genau und wie die Luft nach oben immer dünner wird, in jedem Sport.

    • Dem kann ich mich nur anschließen! Vielleicht sollten wir uns einmal ein Beispiel an der Sportart Golf nehmen: Dort gibt es bei vielen Profi-Tunieren einen Tag vorher sog. Pro-Ams, also einen kleinen Wettstreit, bei dem je ein Profi mit einem Amateur in einem Team zusammenspielt. Ich habe selten Amateure gesehen, die danach mit so einem breiten Grinsen den Platz des Wettstreits verließen.

  8. Übertrsagen wir das einmal auf den Schisport. Millionen fahren Schi, nur ganz wenige kommen in Bereiche, wo es national oder gar international wird. Und niemand kommt auf die Idee, einem Sportler für den Kauf eines zweiten Paar Schier Leistungsnachweise zu verlangen und Ergebnislisten abzufordern.
    Aber genau das passiert beim Schießsport. Man sollte darüber nachdenken, vor allem deswegen, weil beim Schifahren jährlich hunderte sterben, beim Schießen aber kein einziger.

  9. „…. ebenso ist es aber legitim wenn man den Sport nur aus “Spaß an der Freude” ausübt. Wer als auf dem hohen Roß sitzender “Sportschütze” den “Freizeitschützen” – womöglich horribile dictu einer anderen Disziplin – die Sportlichkeit aberkennt mag selbst ein hervorragender Sportler sein. Aber Schütze ist das keiner.“

    Dem ist wohl nichts mehr hinzuzufürgen.

    Ich denke da an eine andere Sportart (ist wirklich als Sport anerkannt!) – an die Modellfliegerei!
    Es gibt dort die absoluten Stars in der Wettbewerbsfleigerei – Gernot Bruckmann, ein Kärnter, ist mit seinen 20 Jahren einer der weltbesten Piloten. Er und auch andere europäsche Starpiloten sind den „Normalos“ gegenüber ganz einfach Modellflieger. Und denen ist es ganz offensichtlich egal was du fliegst, ob eine einfache billige Schaumwaffel oder einen sauteuren HighTec Jet mit Turbinenantrieb, ob du gerade mal „Käsebergs Rundflüge“ schaffst oder präziese Figuren in den Himmel zauberst – für diese Spitzenpiloten bist du ein Fliegerkamerad! Ich hab schon einige dieser wirklichen Toppiloten getroffen – keiner war von denen irgendwie abgehoben – die haben es wirklich drauf!

    Abgehobene „Kollegen“ hab ich auch kennengelernt…. meist Leute die mit viel Geld (=teures Material) irgendwelche anderen Defizite überspielen…..
    Nur ob die wirklich auch die Freude und den Spass am Fliegen haben? Ich glaube nicht.

    Ich bin überzeugt dass die wirklich guten Sportler, egal welche Sportart, einach Kameraden haben, unabhängig in welcher Leistungsstufe diese sind. Angeber und Idioten gibt es leider überall – am besten ignorieren!

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