Das Kind im Brunnen

Monate-, ja jahrelang war in den Massenmedien wenig bis gar nichts von der zwangsweisen Nachregistrierung der vor dem 1.10.2012 besessenen Waffen der Kategorie C im Zentralen Waffenregister (ZWR) bis längstens 30.06.2014 zu hören bzw. zu lesen. Jetzt, wo die Registrierung grandios in die Hose gegangen ist, überschlagen sich eben diese Medien förmlich mit Berichten über die Waffenregistrierung, eine Publizität, die, hätte es sie schon vor ein paar Wochen und Monaten gegeben, mit Sicherheit zu einem deutlichen „Mehr“ an Nachregistrierungen geführt hätte. Aber nun ist das Kind halt einmal in den Brunnen gefallen, jetzt kann man jammern und lamentieren und keiner fragt, wieso der Brunnen denn nicht abgesichert war.

Eine kleine Presseschau – was haben die Medien denn so über die Registrierung berichtet:

Beginnen wir mit der „Wiener Zeitung“, das im Eigentum der Republik Österreich stehende Blatt schreibt unter dem Titel „Fast alle Waffen registriert“ über die Registrierung. Der Artikel ist grundsätzlich in Ordnung, die Fakten stimmen jedenfalls, ein Absatz ist dann aber doch befremdlich:

(…) Ungewiss bleibt, wie viele Waffen – meist solche, die auch bisher bereits meldepflichtig waren – in Schreibtischschubladen oder sonst wo gelagert werden. Aber diese werden mit krimineller Energie geheim gehalten. (…)

Nun ja: Die Zahl der Kategorie-C-Langwaffen, die in Schreibtischschubladen gelagert sind, wird wohl auch nach dem Ende der Registrierungsfrist höchstens irgendwo im Promillebereich liegen, ich würde da eher auf „sonst wo“ tippen. Ein starkes Stück ist es aber all jenen, die ihrer Registrierungspflicht nicht nachgekommen sind, „kriminelle Energie“ vorzuwerfen. Woher soll jemand, der sich nicht ständig und intensiv mit der Materie auseinandersetzt, denn von der Registrierungspflicht erfahren haben? Wo wurde das „beworben“? Wo waren Kampagnen, wie sie beispielsweise bei Änderungen der StVO („Licht am Tag“, „Rettungsgasse“, …) üblich und notwendig sind?

Anmeldefrist für Waffenregister abgelaufen„, so berichtet der Staatssender ORF. Auch hier stimmen – erstaunlicherweise – die Fakten, es werden die Waffenbestandszahlen per 1.07.1014 genannt und auch ein Händler kommt zu Wort. Eines aber bleibt der ORF schuldig: Ich hätte zu gerne ein Foto des im Artikel erwähnten „Altbestands an gezogenen Langwaffen“ gesehen! (Aber wahrscheinlich ist das Journalistenlogik: Warum ist eine Waffe eine „Langwaffe“? – Weil sie gezogen ist!)

Auch die „Kleine Zeitung“ berichtet: Register für Gewehre: Frist ist abgelaufen. Auch hier stimmt soweit alles, ein Absatz ist mir besonders ins Auge gestochen:

Obwohl nun also die Frist schon geraume Zeit besteht, wurden die Waffenbesitzer erst in den letzten Tagen aktiv. Robert Siegert, Branchensprecher des Waffenhandels in der Wirtschaftskammer Österreich, ist über den Informationsfluss nicht besonders glücklich: „Wir arbeiten an sich gut mit dem Innenministerium zusammen, aber dort hätte man besser auf das Ablaufen der Frist aufmerksam machen können.“ Immerhin drohen auch Verwaltungsstrafen von bis zu 3600 Euro.

Stimmt, das mit dem „Informationsfluß“ habe ich auch schon weiter oben beklagt. Schön ist aber, daß Siegert die „gute Zusammenarbeit“ zwischen Wirtschaftskammer und Innenministerium hervorhebt. Ohne diese ach-so-gute Zusammenarbeit hätte es das ZWR in dieser Form nämlich niemals geben können. Wir danken dem Waffenhandel!

Natürlich gibt es noch zahlreiche weitere Pressemeldungen, es bringt aber nichts, diese hier zu verlinken, da dort nichts wirklich Interessantes mehr drinsteht. Ständige Wiederholungen des mehr oder minder gleichen Texts.

Dafür war gestern im TV, in ORF2, in der Sendung „Report“ eine achtminütige Reportage mit dem Titel „Land der Waffen“ zu sehen. Es hat schon schlimmere Sendungen über den legalen Waffenbesitz gegeben, ungut war eigentlich nur der Jäger gegen Ende der Sendung, der den Nichtjägern mehr oder minder die Berechtigung zum Waffenbesitz abgesprochen hat. Und ganz interessant war die Aussage des Sprechers des Innenministeriums, Karl Heinz Grundböck, zu einer angesprochenen Waffensteuer: „Also das Innenministerium hat dahingehend keine Pläne …“. Glaube ich aufs Wort, das ist ja in dem Fall auch nicht ressortzuständig. Vielleicht sollte man einmal den Sprecher des Finanzministeriums dahingehend befragen?

Wie gesagt, ganz so schlecht war die Sendung nicht, wer mag kann sie sich noch ein paar Tage in der „TVthek“ des ORF ansehen.

Soviel also zur Presseberichterstattung rund um das Ende der Registrierungsfrist. Das Kind liegt im Brunnen. Macht sich eigentlich irgendjemand Gedanken, wie wir es da wieder herausbekommen?

7 Antworten zu “Das Kind im Brunnen

  1. Pingback: Wochenrückblick 27/2014 | dagarser

  2. ….jedem gelernten Österreicher war klar, es konnte nur so ausgehen.
    Das Mißtrauen in die Herrschenden, ist berechtigter Weise sehr groß – wenn diese Situation nicht Beweis genug ist?
    Wozu tat man sich das denn überhaupt an? Sachliche Gründe gab es nie!
    Offensichtlich haben die Österreicher die da oben „anglahnt“ gelassen, so wie der Bürger in wichtigen Fragen „anglahnt glossn“ wird – na ja, irgendwie ausgleichende Gerechtigkeit….oder?
    Aber jetzt hat man ja wieder Arbeitsplätze geschaffen, bei der Verfolgung des „ungehorsamen Bürgers“, „Gschamsta Diener“…..
    Jo derfens des denn überhaupt?
    Unsere Beamten wissen schon, wie man den Bürger anrennen läßt – und ihn dann zusätzlich noch händereibend bestrafen kann – mit großem Wohlwollen der Machthaber….irgendwie muß man doch das Geld herein bekommen.
    Aber anstatt sich der Bürger auf die Hinterbeine stellt, bleibt er ein Schaf…

  3. Norbert Wagen

    Besonders der drittletzte Absatz erinnert mich an die Situation in Deutschalnd Anfang der ’70ger.
    Damalshaben die deutschen Jäger auch für eine EWB-Pflicht argumentiert.
    Heute hängt die deutsche Jägerschaft „mit drin“ und am Gängelband der Politik, es wird verschiedentlich schon über Beschränkungen bei der maximalen Zahl der Langwaffen für Jäger nachgedacht…

  4. Das Kind liegt im Brunnen und kommt da auch nie wieder raus. 1972 wurde durch die Waffenrechtsnovelle in Deutschland auf einen Schlag rd. 20 Millionen Waffen illegal. Nur 300.000 wurden registriert. 1976 wurden im Zuge einer Meldeamnestie ca. 3 Millionen Waffen nachgemeldet. Der Rest schlummert immer noch in irgendwelchen Kleiderschränken.

    Und das waren jetzt nur die Waffen, die vorher frei erwerbbar waren. Was sonst noch so in den Haushalten rumliegt, das weiß kein Mensch.

    http://lawgunsandfreedom.wordpress.com/2014/04/29/deutschlands-illegale-waffen/

  5. es ist auffallend, daß die entsprechenden Artikel in den Online-Zeitungen dazu schon gestern nachmittag weit nach hinten „gerutscht“ sind …

  6. Erstaunlich, dass im ORF-Beitrag auch die IWÖ („Lobby für liberales Waffenrecht“) – wenn auch nur kurz – zu Wort gekommen ist.

  7. Pingback: Das Kind im Brunnen | GunNews

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