Schnepfenjagd

Sie ist wieder da, die Zeit vor Ostern, die Zeit des erwachenden Frühlings – die Zeit des Schnepfenstrichs! Die Schnepfenjagd ist für mich mit die schönste Jagd überhaupt, abgehakt ist der Winter, man riecht den Frühling förmlich, mit allen Sinnen nimmt man den Beginn der neuen Jagdsaison in sich auf während man gut gedeckt den Balzflug der „Vögel mit dem langen Gesicht“ erwartet.

Kommenden Sonntag ist auch schon wieder Laetare, der dritte Sonntag vor Ostern, jener Tag, an dem einem alten Spruch zufolge die Jagd auf Schnepfen „das Wahre“ sei. Auch mir waren die Jagdgötter zu Laetare einmal hold, ein nicht ganz alltägliches Jagderlebnis aus dem Jahr 2007:

So ein Abendstrich ist ja immer wieder ein herrliches Erlebnis: Man lädt Freunde ein, steht in der erwachenden Natur und blickt gegen den Himmel, sucht den “Schnepfenstern” und horcht auf das für die Schnepfen verräterische Quorren während die restliche Vogelwelt allmählich verstummt. Spätestens wenn aus der weiteren Umgebung die ersten Schüsse zu hören sind sollte man sich auch schußbereit machen, denn die Schnepfen sind ja pfeilschnell. Das muß aber nicht immer so sein:

Zu Laetare 2007 stand ich (etwas spät weil ich einigen Weidkameraden noch die Stände zuweisen mußte) wieder an jenem Ort, wo ich am Freitag zuvor einen Schnepf gefehlt hatte. (Deshalb war ich am Vormittag wieder einmal auf den Schießplatz gefahren, einige Runden Trap sollten etwas mehr Sicherheit bringen.) Vor mir in ca. 25-30m Entfernung ein Fichtenmais, rechts ging es in einen Graben hinein wo ein Bach verläuft, links war (abgesehen von “Millionen” Brombeerstauden) freie Fläche. Mein Standplatz war neben der (nach einem Waldarbeiter benannten) “Mustafa-Kanzel”, auf halbem Weg zu den Fichten war eine Saukirrung. Um 18.15 fiel der erste Schuß, einige weitere folgten – aber ich hatte noch keinen Schnepf gehört, geschweige denn gesehen. Plötzlich – gegen 18.30 Uhr, es war doch schon recht finster – “hüpfte” in ca. 2-3m Entfernung von mir ein Vogel über den Weg. Nicht anzusprechen, da zu finster. Als er allerdings im von Sauen gebrochenen Erdreich zu „stechen“ begann war völlig klar – ein Schnepf! Nur – was tun? Ein Schuß auf diese geringe Distanz hätte vom Schnepf nichts mehr übriggelassen, warten verbat sich, da die Dunkelheit zusehends fortschritt. Ich hatte nur eine Idee, und die kam mir aufgrund des vormittäglichen Trapschießens: Ich ging vorsichtig in den Jagdanschlag, fixierte den weiterhin vor mir stechenden Schnepf und rief laut: “HOPP!” Pfeilschnell war der Schnepf  in der Luft und steuerte auf die Fichten zu, doch bevor er sie erreichen konnte hatte ihn die Schrotgarbe bereits eingeholt und er fiel “wie ein Stein” – mitten in die Fahrrille des Forstwegs!

Als ich – nach einer Zigarettenlänge, ein Ritual nach jedem erfolgreichen Schuß – zu meiner Beute ging strich laut quorrend ein Zwick über mich hinweg. Aber wie heißt es so schön: “Ein Schnepf im Jahr ist genug fürwahr!”. Außerdem war die Flinte bereits gebrochen… 

Kein Jägerlatein – Ehrenwort! Ich habe den Schnepf (291 Gramm, Stecherlänge 71mm) auch präparieren lassen. Der Präparator hat zwar „Laetare“ falsch geschrieben, das konnte (und kann) meine Freude an diesem doch recht außergewöhnlichen „Weidmannsheil“ nicht trüben.

Der "Tontaubenschnepf"

Der "Tontaubenschnepf"

Hier noch das Präparat von meinem ersten Schnepf:

Mein erster Schnepf

Mein erster Schnepf

Als Trophäen der Waldschnepfe gelten der “Schnepfenbart” und die “Malerfedern”:

Malerfedern und Schnepfenbart

Malerfedern und Schnepfenbart

Habe ich auf meinem “Sonntagshut” auch immer dabei:

Schnepfentrophäe

Schnepfentrophäe

Allen Schnepfenjägern wünsche ich für den Frühjahrsstrich 2012 ein kräftiges Weidmannsheil!

9 Antworten zu “Schnepfenjagd

  1. Hallo,wo bekommt man den Schnepfen-Metalstecker um die malerfedern und den Schnepfenbart zu befestigen? Waidmannsheil

  2. Pingback: DAS ERSTE JAHR | dagarser

  3. ja klar, ballert noch mehr Vögel ab, ihr Idioten

  4. Pingback: Wochenrückblick 11/2012 | dagarser

  5. Waidmanns Heil zu den Schnepfen! Leider ist in Deutschland die Frühjahrsjagd auf Schnepfen auf dem politischen Altar hingerichtet worden (opfern kann man dieses anbiedern der Interessen vertretenden Verbände nicht mehr nennen). Dies wurde dann natürlich wiederum als Erfolg verkauft, da ja die Herbstjagd noch möglich sei. Nunja, jeder der sich mit Schnepfenjagd auskennt, weiß genau, dass dies die schlechtere Lösung der (nicht notwendigen) Schonzeiteneinführung war. Und dass das Rad wieder zurück gedreht wird, glauben auch nur die Merkbefreiten.

    Mit (neidischen, aber gönnerhaften) waidmännischem Gruß aus Deutschland,
    Fabian Bonk

  6. ….tolle Trophäe – schön präpariert – auf den Hut musst Du aufpassen – der erweckt Begehrlichkeiten, kann ich aus leidvoller Erfahrung sagen.
    Weidmannsheil!

    • Ja – mit den Hüten ist das so eine Sache.
      Ich bin ja so etwas wie ein Hut-”Fetischist” – über jagdliche Kopfbedeckungen werde ich demnächst auch etwas bringen!
      Weidmannsheil!

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